Die St. Galler Kunsthistorikerin Dora Fanny Rittmeyer (1892 - 1966) war auf die Erforschung von Gold- und Silberschmiedekunst spezialisiert. Dabei hat sie sich auch in Wil über das Thema recherchiert und darüber publiziert.

Zum einen hatte Wil eine lange Tradition an Gold- und Silberschmiedewerkstätten. Zum anderen waren die verschiedenen Wiler Gotteshäuser mit wertvollen Kultgegenständen ausgestattet.

Perlmut und Straussenei

Im Hof waren besondere Preziosen zu finden. Ein Verzeichnis von 1680 im Stiftsarchiv St. Gallen listet gemäss Rittmeyer folgendes auf: «Ein silberner Arm, ein Monstränzlein von Perlmutter, ein schwarzes Horn, ein Straussenei, an dem aussen ein Kreuzlein befestigt war, ein anderes Straussenei, ein Meerschneckenschale.» In Weiteren wird ein Becher mit einem Kreuz darauf, Reliquienschreine, ein Büffelhorn sowie ein silbernes Kruzifix erwähnt.


Versteckte Kostbarkeiten

Über den Verbleib dieser Gegenstände ist wenig bekannt. Dora Fanny Rittmeyer schreibt, es sei nicht ausgeschlossen, dass ein Teil der Reliquien in der Stiftsbibliothek St. Gallen gelandet sind. «Klostertreue Wiler Bürger oder P. Burkhard Egli als Stadtpfarrer können sehr wohl, lange nach der Liquidation der Fürstabtei Sankt Gallen, solche heimlich aufbewahrten Kostbarkeiten der Kunstkammer der Stiftbibliothek anvertraut haben.»

Die Kunsthistorikerin erwähnt auch im Hof vorhandenes Tischsilber: Drei Dutzend Becher, 30 Bestecke und Löffel und anderes mehr. Wahrscheinlich wurde es vom damaligen Kantons Säntis versteigert, so wie damals laut Rittmeyer weitere Wertgegenstände aus Ostschweizer Kirchen und Klöster vom Vorgängerstaat des Kantons St. Gallen zu Geld gemacht wurden.

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Der Hof diente auch als repräsentativer Verwaltungssitz der St. Galler Fürstabtei. 


Reliquien in Pyramiden

Einige Kultgegenstände dürften in die Kirche St. Nikolaus gelangt sein. Rittmeyer verweist auf eine Inventarliste von 1806 von der Stadtkirche, die zwei stark mit Silber beschlagenen Pyramiden St. Nikolaus und St. Augustin erwähnt. Reliquien wurden früher öfters in Pyramiden gefasst, die während Gottesdiensten auf den Altar gestellt wurden. Als deren Herkunft wird der Hof, speziell deren Kapellen, vermutet. «Es können neuere Erwerbungen der Äbte Beda oder Pankraz gewesen sein.»

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Ein derartiges Weihrauchgefäss könnte einst im Hof eigesetzt worden sein. Die Abbildung zeigt die Arbeit eines Wiler Goldschmieds für das Kloster Magdenau. 

Im Weiteren wird bei einem Weihrauchfass mit Schiffchen, bei zwei Kerzenstöcken sowie bei sechs weiteren Reliquien der Hof als Herkunftsort vermutet.