Der Hof zu Wil ist ein Ort der Musse, in dem der Genuss und die Geselligkeit gepflegt werden.

Dies war nicht immer so. «Im Dreissigjährigen Krieg, anno 1633, war im Hof Kilian Kesselring, der «General-Wachtmeister» der Eidgenossen im Thurgau eingesperrt und gefoltert worden», schreibt der Freizeit-Geschichtsforscher Willi Olbrich in seinem Buch über die Geschichte der Gastronomie «Gastliches Wil».

Im Historischen Lexikon der Schweiz heisst es: «Nach dem Einfall der schwedischen Truppen 1633 bei Stein am Rhein wurde Kesselring von den katholischen Orten der Kollaboration beschuldigt und daraufhin verurteilt.» Später wurde er rehabilitiert.

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Die Fassade des Hof zierte zweitweise eine Darstellung von Graf Rudolf von Habsburg und Abt Berchthold von Falkenstein. 1266 sollen die beiden Würdenträger im Hof einen Friedensschluss ausgehandelt haben. (Foto: Szenenbild aus dem Film <Füsilier Wipf> von 1938)  


Verteidigungsbündnis

Im Hof zu Wil wurde schliesslich der Grundstein zur heutigen Schweizer Armee gelegt. Als im Winter 1646/47 französisch-schwedische Truppen am Bodensee und am Rhein standen und Bregenz einnahmen, bestand für die Eidgenossen dringender Handlungsbedarf. Es musste ein wirkungsvolles Bündnis geschaffen werden, um die Grenzen speziell in der Bodenseeregion zu verteidigen.

1647 kamen Delegierte der Tagsatzung als Kriegsrat im Hof zu Wil zusammen. Er diente als Verwaltungs-, Finanz- und Gerichtszentrum des damaligen St. Galler Klosterstaates. Seit 1451 unterhielt dieser mit den Eidgenossen ein Verteidigungsabkommen.

Köppel und Mörgeli

Die ausgehandelte Vereinbarung ging als das «Defensionale von Wil» in die Geschichtsbücher ein. Gemäss ihr sollten die angeschlossenen Orte 12 000 Soldaten sowie 24 000 Männer in Reserve stellen und zudem in die gemeinsame Kriegskasse einzahlen. Im Weiteren wurde die Anzahl der Waffen, die die Bündnispartner zu stellen hatten, festgelegt.

Die damalige Übereinkunft gilt als Start zur bewaffneten Neutralität der Schweiz.

Kürzlich erinnerten Weltwoche-Verleger und Nationalrat Roger Köppel und Historiker und Alt-Nationalrat Christof Mörgeli (beide SVP) in einem Videoclip vom Hofplatz an diese  historische Weichenstellung. 

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Der 1540 errichtete Anbau zum Hof diente zeitweise als Pilgerherberge.  (Foto: Adrian Zeller) 


Neuer Teil des Hofs

In den Wirren der Reformation wurde Wil zwischen 1529 und 1530 vorübergehend zur reformierten Stadt. 1531 wurde dieser Wechsel wieder rückgängig gemacht.

Diethelm Blarer von Wartensee zog damals als neuer Abt in den Hof ein. 1540 gab er einen Anbau zum Hofkomplex in Auftrag. 

Nach seinem ehemaligen Gittertor wird dieser Gebäudeteil an der Hofbergstrasse bis heute als «Roter Gatter» bezeichnet. Er diente als Gasthaus und als Unterkunft. «So wurden zum Beispiel 1636 Pilger aus Konstanz und Überlingen, die durch Wil zogen, in der Wirtschaft «zum Rothen Gatter» verpflegt, schreibt Olbrich.

Um 1830 ging der Gastronomiebetrieb wegen mangelnder Rentabilität ein. Danach wurden die entsprechenden Räume als Käserei genutzt, deshalb bürgerte sich auch der Name «Sennhof» für diesen Teil des Hofes ein.

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Ehemalige Gaststube im 1. Stock des Hof. (Foto: wilnet) 


Fastnachtstanz

Nach dem Zusammenbruch des St. Galler Klosterstaates verwaiste der Hof als ehemalige fürstäbtliche Residenz. «1815 erwarb Baron Nepomuk Wirz à Rudenz, ehemaliger Reichsvogt, nun Kantonsrat, das Ausschankrecht, das schon lange vorher bestand, aber nicht immer ausgeübt wurde», berichtet Olbrich. 

Wirz erwarb das ganze Hof-Gebäude und richtete eine Brauerei ein. In diese gärte bis vor vierzig Jahren Bier.

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Bis vor 40 Jahren wurde im Hof Bier gebraut.  (Foto. wilnet) 

Nach dem Ende der Gastronomie im «Zum roten Gatter» um 1830, eröffnete ein Brauereipächter namens Brunner im Hof ein Gastlokal. Zeitweise nannte es sich «Billard, Wein- und Bierhaus».

In den verschiedenen Räumlichkeiten spielte sich ein Teil des gesellschaftlichen Lebens von Wil ab, es wurde etwa die Theaterkultur gepflegt. 1875 kam das «vaterländische Drama, Die Nonne von Wyl» zur Aufführung. Auch Lustspiele lockte das Publikum in den Hof.

Im Weiteren hielten verschiedene Vereine dort ihre Versammlungen ab. Und auch die Maskenbälle zur Fastnachtszeit wirkten als Publikumsmagnete.