In der Gesellschaft des Mittelalters wurden Menschen in unterschiedliche Bevölkerungskategorien eingestuft. Neben den sesshaften Bürgern und den Hintersassen, Stadtbewohnern ohne Bürgerrecht, waren auch wandernde Berufsleute ohne Wohnsitz als sogenanntes fahrendes Volk unterwegs.

Gemäss dem Historischen Lexikon der Schweiz zog es von Stadt zu Stadt und verdienten auf den Märkten seinen  Lebensunterhalt, so auch in Wil. Zu ihm zählten Sänger, Gaukler, Jongleure, Geschichtenerzähler, Quacksalber, Prostituierte und auch Spielleute.

Von Gesellschaft geächtet

Sie genossen in der damaligen Gesellschaft allgemein geringes Ansehen, ihre Tätigkeiten wurden als unehrlich oder gar als verwerflich angesehen. Zum Teil glaubte man sie gar mit dem Bösen im Bunde, da Vergnügungen als Werk des Teufels galten. Deshalb waren sie laut dem Historischen Lexikon der Schweiz von kirchlichen Sakramenten ausgeschlossen.

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Blinder Instrumentalist mit Führer (Foto: PD) 


Musikalische Begleiter

Im Gegensatz dazu kannte man in Wil, wie auch in anderen Städten, zusätzlich ehrbare Instrumentalisten. «Pfeifer, Hornbläser und weitere Musikanten wirkten schon in der Mitte des 15.Jahrhunderts an den Fronleichnamsprozessionen mit», schreibt Chronist Karl Ehrat. Bei jedem Umzug in der Stadt erklangen ihre Instrumente. Und sie begleiteten die Stadtschützen an Schützenfeste und sie spielten bei Hochzeite von hochgestellten Persönlichkeiten auf.

Musizieren ohne Bewilligung 

«Trommler und Pfeifer waren städtische Angestellte und benötigten für ausseramtliche Tätigkeit der obrigkeitlichen Erlaubnis», schreibt Ehrat. «Verwarnungen und ernste Ermahnungen wegen unbefriedigenden oder unerlaubten Musizierens fehlten nicht. Ehrat erwähnt das Bespiel einen Trommlers, der ohne Bewilligung seiner Vorgesetzten in Braunau an einer Hochzeit aufspielte

Mitwirkung in Gottesdiensten

Auch auf den Wiler Wachttürmen war ein städtischer Musiker präsent, der Trompetensignale gab. Etwa bei drohenden Belagerungen, bei Feuersbrünsten wie auch vor dem abendlichen Schliessen der Stadttore.

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Historische Darstellung eines Turmbläsers. (Foto: PD) 

Wie Karl Ehrat schreibt, hatte er weitere Aufgaben zu erfüllen: «Er wirkte auch in der Kirche zur Förderung der Ehre Gottes mit, bei bürgerlichen Trünken und Zusammenkünften und stand in den Stadtfarben zu Diensten, wenn seine hochfürstliche Gnaden gegenwärtig war.» Damit ist der jeweilige Fürstabt gemeint.