Es ist bereits die 27. Ausstellung seit der Eröffnung im Hof im Jahr 2001, welche am Montagabend mit einer Vernissage startete. Museumsleiter Werner Warth, auch als Stadtarchivar aktiv, stellte die Ausstellung mit seinen vier Helfern Martin Warth, Werner Hüeberli, Renato Müller und Heinz Baumgartner zusammen. In der Ausstellung finden sich zahlreiche Informationstafeln über das damals herrschende Regelwerk, welche nebst Vorteilen vielmehr Einschränkung im Alltag bedeutete.

Die Ausstellung geht speziell darauf ein, dass die Freiheit als Städter im «Alten Wil» zwar erstrebenswert war, bald aber von zahlreichen Verhaltensregeln - 49 an der Zahl - eingeschränkt wurde. Zu den Privilegien gehörten das Wahlrecht für die Regierungsbeamten, allerdings immer von Empfehlungen seitens des Abts von St. Gallen begleitet. Waren die Räte einmal gewählt, mussten die Städter mittels Bürgereides den Gehorsam gegenüber der Behörde versprechen. Verfehlungen ahnte nicht nur die Behörde, jedermann war bei Ungereimtheiten zur Meldung verpflichtet.

Katholischer Glaube war Pflicht

In den Jahren von 1505 bis 1756 wurden nicht weniger als 25 unterschiedliche Sitten- und Religionsmandate aufgestellt oder angepasst. In den 49 geltenden Verhaltensregeln finden sich für heutige Verhältnisse kaum mehr haltbare Regeln, welche bis tief ins Persönliche des Einzelnen eingriffen. So war der katholische Glaube Voraussetzung, verbunden mit der Pflicht zum Gottesdienst. Dazu gehörte, mindestens drei Mal am Tag zu beten. Warenverkauf an Sonn- und Feiertagen war erst nach Ende des Gottesdienstes erlaubt.

Weiter galten strikte Kleidervorschriften. An Hochzeiten bestimmte der Rat die Gästezahl. Polizeistunde galt schon um 22 Uhr, im Winter gar um 21 Uhr. Gebüsst wurde, wer zu Hause, statt in der städtischen Wäschestube seine Kleider reinigte. Vernachlässigte Kinder kamen in Pflege. Wer Kinder zum Betteln schickte, wurde bestraft. Grundsätzlich galt: Eltern, Meister und Frauen mussten einwirken, dass ihre Kinder, Dienstboten, Knechte und Mägde diese Verhaltensregeln befolgen.

Entsetzlicher Geruch in der Altstadt 

Die Stadt Wil bestand zu dieser Zeit aus dem Bereich der Altstadt, wo gut 1000 Personen wohnten. Werner Warth sagt: «Man kann sich kaum vorstellen, was für ein entsetzlicher Geruch in den Gassen der Stadt herrschte. Nebst Haushaltabfällen, einfach auf die Strassen geschüttet, landeten auch menschliche Fäkalien auf den Strassen. Die Nennung «Stinkgässli» könnte ein Überbleibsel aus der damaligen Zeit sein.» Nicht umsonst entstanden Seuchen wie die Pest, welche für eine grosse Zahl Menschen den sicheren Tod bedeuteten.

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Der aktuelle Planungsstand sieht in der weiteren Zukunft im Hof kein Stadtmuseum mehr vor, sondern eine st. gallische Ausstellung, eine Fortsetzung der Kantonsausstellung. Ein Stadtmuseum, wie es die Stiftungsurkunde vorsieht, müsste wohl ausserhalb der Hofmauern aufgebaut werden.

Stadtarchivar will Stadtmuseum erhalten

In der Stiftungsurkunde des «Hof zu Wil» steht, dass das Stadtmuseum im sanierten Hof wieder einen Platz erhält. Werner Warth wies dazu auf laufende Gespräche mit dem Kanton hin, dass Wil statt der Weiterführung des Museums einen Teil der Kantonsausstellung übernehmen könnte.

Im Hof gäbe es dann kein eigentliches Stadtmuseum mehr. Eine Weiterführung müsste andernorts erfolgen, äusserte sich Warth zu den Ideen. Er selbst lege Wert darauf, dass Wil weiterhin über ein Stadtmuseum verfügen könne. Er habe noch zahlreiche Ideen für Ausstellungen in kommenden Jahren.