Silvia Ammann-Schläpfer, Fraktionschefin SP: Uns erstaunt die Umfrage zum jetzigen Zeitpunkt sehr. Es gibt für uns zum jetzigen Zeitpunkt keinen Grund zur Zwischenbilanz. Grundsätzlich streben wir das Miteinander und den Dialog an.

Wie zufrieden ist Ihre Fraktion mit der bisherigen Arbeit des Wiler Stadtrates?

Es weht ein frischer Wind. Der Dialog und Mitwirkung hat einen höheren Stellenwert. Die Aufgaben sind weiterhin anspruchsvoll und nicht immer einfach umzusetzen. Die Stimmung innerhalb des Stadtrates wird entspannter wahrgenommen. Es ist feststellbar, dass vier neue Stadträte im Gremium sind.

Wo sollte der Stadtrat aus der Sicht Ihrer Fraktion nachbessern?

Es gibt Vorlagen die Luft nach oben haben. Hier hat der Stadtrat sicher noch Potenzial. Das selbe gilt für Voten im Parlament beim Verteidigen der Vorlage.

Welches sind aus der Sicht Ihrer Fraktion die drängendsten Themen in Wil?

Die drängendsten Themen sind für die SP die Zentrumsentlastung, das Angehen der Energieproblematik, das Erreichen von den Klimazielen, Tempo 30, Verkehrsplanung in der Stadt. Weiter gehört das Bereitstellen von geeignetem Schulraum, sowie Tagesstrukturen, welche die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen. Badepreise die für Familien bezahlbar sind. Wir haben noch viele Ideen.

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Mit dem Aufstellen einer Solarbank beim Altersheim Sonnenhof geriet der vormalige Stadtrat in die Kritik. Es sollte ein sichtbares Zeichen für eine ökologische Zukunft der Stadt darstellen. Wegen seines Standortes unter einer Baumkrone, produziertes es wenig Strom. (Archivfoto: Adrian Zeller) 

Adrian Bachmann, Fraktionschef FDP-glp: Die wichtigsten Anliegen sind weiterhin Infrastruktur erneuern, finanzielle Stabilität erreichen und die Planungsinstrumente erneuern. Hier bleibt trotz Lichtblicken (Beschluss zur strategischen Schulraumplanung, Baubeginn auf dem Landhausareal) noch vieles zu tun. Die Veränderungen der globalen Situation im vergangenen Halbjahr haben überdies deutlich gemacht, dass im Bereich der Energieversorgung dringender Handlungsbedarf besteht. Der rasche Aufbau eines Fernwärmenetzes oder von Nahwärmeverbunden wären hier wohl das Gebot der Stunde.

Mit der Zustimmung zur Schaffung eines Stadtfonds hat die Wiler Bevölkerung zum Ausdruck gebracht, dass ihr Massnahmen zur Belebung der Innenstadt und zur Unterstützung des Gewerbes wichtig sind.

Die ersten Entscheide der Stadtfondskommission lassen aber Zweifel aufkommen, ob dazu der richtige Weg eingeschlagen wurde. Insbesondere kommt aus meiner Sicht der Stadt-App e-City eine zu grosse Bedeutung zu. Wenn sie nicht zeitnah eine deutlich höhere Akzeptanz bei der Bevölkerung und im Gewerbe findet, schafft sie aus meiner Sicht keinen Mehrwert.

Wie zufrieden ist Ihre Fraktion mit der bisherigen Arbeit des Wiler Stadtrates?

Sebastian Koller, Parlamenstmitglied Grüne prowil: Mit der umfassenden personellen Erneuerung des Stadtrates vor zwei Jahren haben viele die Hoffnung verbunden, dass in der Wiler Politik nun ein ganz anderer Wind weht, dass alles einfacher wird und dass Projekte rasch umgesetzt werden. Diese Hoffnung hat sich kaum erfüllt.

Der neue Stadtrat arbeitet nicht schlechter, aber auch nicht wesentlich besser als der alte. Zunächst hat er einige Vorlagen ins Parlament gebracht, die noch aus der Feder des alten Stadtrates stammten. Die Qualität der Vorlagen, welche unter der Verantwortung des neuen Stadtrates entstanden sind, war teilweise mangelhaft (Beispiele: Zwischennutzung Turm, Stellenantrag Schulraumplanung, Nahwärmeverbund Lenzenbüel). Wir haben den Eindruck, dass diese Geschäfte im Gesamtstadtrat nicht sorgfältig diskutiert, sondern eher leichtfertig durchgewunken wurden.

Uns fällt zudem negativ auf, dass sich der Stadtrat bei seinen Projekten häufig nicht an die Vorgaben seiner eigenen Grundsatzpapiere hält (Klima- und Velostrategie, Altersleitbild, Naturförderprogramm usw.). Was sich gegenüber der letzten Legislatur klar verbessert hat, ist die Kommunikation: Der Stadtrat zeigt sich nahbarer und aufgeschlossener für Anregungen und Kritik. Er ist eher bereit, sich auf einen offenen Dialog einzulassen. Zudem haben wir den Eindruck, er bemühe sich stärker um die Kollegialität.

Wo sollte der Stadtrat aus der Sicht Ihrer Fraktion nachbessern?

Siehe Antwort auf obige Frage. Wir erwarten vom Stadtrat mehr Qualitätsbewusstsein und selbstkritische Reflexion, insbesondere wenn es um wichtige Parlamentsvorlagen geht. Der Handlungsdruck ist in vielen Bereichen weiterhin hoch, zahlreiche Projekte harren der Umsetzung. Dies darf jedoch nicht dazu führen, dass in der Verwaltung und im Stadtrat unsorgfältig gearbeitet wird.

Welches sind aus der Sicht Ihrer Fraktion die drängendsten Themen in Wil?

Die Stadt Wil hat grossen Nachholbedarf bei den Investitionen. Sie muss sich in vielen Bereichen entwickeln, um ihre Attraktivität als Wohn-, Freizeit- und Arbeitsort sowie als Kultur- und Bildungsstandort zu erhöhen und ihrer Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen gerecht zu werden.

Es ist Aufgabe aller konstruktiven politischen Kräfte, der Bevölkerung aufzuzeigen, dass die Steuersenkungen der vergangenen Jahre teilweise rückgängig gemacht werden müssen, damit die nötigen Investitionen sowie der Personalbedarf zur Umsetzung ökologisch und sozial nachhaltiger Projekte finanziert werden können.

Im Bereich Klimaschutz und Energieversorgung ist der Handlungsdruck aufgrund des Ukraine-Krieges und des Hitzesommers nochmals gestiegen. Massnahmen für mehr Energieeffizienz und einen möglichst raschen Ausstieg aus fossilen Energieträgern müssen forciert werden, ebenso Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und zur Naturförderung. Zu letzteren gehören etwa die Aufwertung von Grünräumen wie der Oberen Weierwise, aber auch die vermehrte Begrünung von Gebäuden und öffentlichen Räumen.

Im Bereich Mobilität gilt es, Fehlinvestitionen zu verhindern: Zur Zeit wird vor allem über neue Strassen diskutiert, obwohl diese nicht zeitnah realisierbar sind und ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen. Wir fordern, stattdessen rasch Projekte zur Verkehrsberuhigung und Aufwertung der Hauptstrassen umzusetzen. Die Zunahme des motorisierten Verkehrs in der Stadt Wil muss gestoppt werden. Dies gelingt nicht mit zusätzlichen Strassen, vielmehr muss in die Sicherheit und Attraktivität des Fuss- und Veloverkehrs und des ÖV sowie in die Aufenthaltsqualität entlang der bestehenden Strassen investiert werden.