Ein schuldenfreies Flawil und schwarze Zahlen in der Gemeinderechnung. Die Zustimmung zur Jahresrechnung 2017 mit einem Überschuss von fast vier Millionen Franken war zu erwarten. Ein kleines Fragezeichen war hinter die vorgeschlagene Verwendung des Überschusses zu setzen. Der Antrag aus der Versammlung, den Betrag dem Eigenkapital zuzuweisen fand aber keine Mehrheit. Damit kann die Neugestaltung des Marktplatzes mit 3,5 Millionen Franken vorfinanziert werden.Gemeindepräsident Elmar Metzger machte die 195 stimmberechtigten Flawilerinnen und Flawiler zu Beginn der Versammlung darauf aufmerksam, dass der Lindensaal bereits zehn Jahre alt und aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken sei.

Rückblick auf ein erfreuliches Jahr
Im vergangen Jahr, dem ersten der vierjährigen Amtsdauer, hat die Behörde ihre Arbeit in neuer Zusammensetzung aufgenommen. Gleich zu Beginn habe man in Workshops die Strategien geklärt und eine Vision erarbeitet, führte der Gemeindepräsident aus. Dann griff er einige Ereignisse aus dem politischen Jahr heraus, das er als erfreulich beurteilte.

Zu den Meilensteinen zählte er das Ja an der Urne zum Kantonsstrassenprojekt Wiler- und St. Gallerstrasse mit einer Kostenfolge von 4 Millionen Franken. Dann erwähnte er die Steuerfusssenkungen, zuerst um 4 Prozent und nach einem Jahr um 5 Prozent. Damit weist Flawil nun einen Steuerfuss von 140 Prozent auf.

Weil gegen das Projekt Sanierung Bahnhofplatz und Bushof keine Einsprachen gemacht wurden, sind kürzlich die Bauarbeiten in Angriff genommen worden. Der Widerstand gegen einen weiteren Abbau des service public am Bahnhof hatte Erfolg. Im Migrolino-Shop werden weiterhin Billette und Bahndienstleistungen verkauft.

Als einen richtigen Entscheid bezeichnete Elmar Metzger die Umwandlung der Technischen Betriebe in ein selbständiges öffentlich-rechtliches Unternehmen.

Die Schule braucht Konzepte
Schulpräsident Christoph Ackermann attestierte den Flawiler Lehrpersonen, mit Können und Herzblut zu unterrichten. Ausserdem aber brauche es Konzepte, nämlich überall dort, wo es schnell gehen müsse, wo etwas repetitiv sei oder wo etwas der Überlieferung und damit der Sicherung des Wissens diene. Schnell müsse es in Krisen- und Notfallsituationen gehen. Dann seien demokratische Erörterungen nicht mehr möglich. Es sei ein direktives Vorgehen nötig.

Ausser dem Konzept «Umgang mit Krisen» führte der Schulpräsident das Förderkonzept an, das auf Beginn des nächsten Schuljahres in Kraft gesetzt werden wird. Aktualisiert werde gegenwärtig das lokale Qualitätskonzept. Schliesslich werde das Medien- und IT-Konzept jene Bereiche betreffen, in welchen die einzige Konstante die Veränderung sei.

Rechnung diskussionslos angenommen
Statt mit dem budgetierten Gewinn von 33'300 Franken schliesst die Jahresrechnung der Gemeinde mit einem Ertragsüberschuss von 3,95 Millionen Franken ab. Die Differenz zum Budget ergibt sich hauptsächlich aus höheren Steuereinnahmen, durch eine gute Kostenkontrolle und tiefere Abschreibungen. Flawil steht Ende 2017 ohne Nettoschuld da. Das Eigenkapital der Gemeinde sei mit 22 Prozent der einfachen Steuer ausreichend, um künftige Defizite aufzufangen und muss nach Einschätzung der Behörde nicht weiter geäufnet werden.

Mit drei Millionen Franken lagen die Investitionen weit unter den geplanten 9,3 Millionen Franken. Manche Projekte konnten noch nicht ausgeführt werden, weil sie durch Einsprachen verzögert worden sind.

Neugestaltung des Marktplatzes
In den Vorjahren sind die Ertragsüberschüsse meistens für zusätzliche Abschreibungen verwendet worden. Weil die Gemeinde schuldenfrei ist, hat der Gemeinderat der Bürgerschaft vorgeschlagen, 3,5 Millionen Franken des Gewinns für die Vorfinanzierung des neuen Marktplatzes zu verwenden. Der Rest des Ertragsüberschusses – rund 444'000 Franken – wird den Energiefonds äufnen.

Otto Frei, ehemaliger Geschäftsführer der Technischen Betriebe, wollte den Überschuss ohne Zweckbindung dem Eigenkapital zuweisen. Sein Antrag wurde aber ebenso abgewiesen wie ein Antrag, 5'000 Franken vom Überschuss an Ärzte ohne Grenzen zu überweisen.

Erst einen Vorentscheid gefällt
Der Entscheid bedeutet aber noch keine Zustimmung zum Marktplatzprojekt. Dieses war aus fünf Vorschlägen ausgewählt und der Bevölkerung im alten Feuerwehrdepot vorgestellt worden. Es hat viel Lob geerntet. Das definitiv ausgearbeitete Projekt wird nach den Ausführungen von Elmar Metzger die Hürde einer Volksabstimmung nehmen müssen. Bei einem Nein würde die Vorfinanzierung einfach ins Gemeindevermögen zurückgehen.