Staub kennt man vor allem als lästige Ablagerung auf Möbeln. Kaum weggewischt, beginnt er sich erneut anzusammeln. 

Für Kriminalisten ist Staub keineswegs ein Ärgernis, viel mehr eine sprudelnde Quelle von Informationen. Feine Staubpartikel an Tatorten erzählen ihnen viel über die Umstände und die Beteiligten eines Delikts. Jeder Mensch nimmt winzige Partikel aus der Umgebung auf und gibt sie auch ab. Ob sich jemand beispielsweise oft an Orten, an denen gekocht oder geraucht wird aufhält, in einer Bäckerei ein- und ausgeht oder viel Zeitung liest, können Kriminaltechniker aus den individuellen mikroskopischen Staubprofilen herausfinden.

Asche speiende Vulkane

Staub ist im Alltag allgegenwärtig. Immerhin hinterlässt jeder Bewohner in seinen Wohnräumen monatlich im Durchschnitt rund 10 Gramm Staub. Dieser setzt sich aus Hautschuppen, Härchen, Fusseln, Pollen, Mikroben, Pilzsporen, Mehl von Backwaren, Strassenstaub und weiterem mehr zusammen. 

In der Regel wird Staub wenig beachtet, in die Aufmerksamkeit gerät er, wenn er in riesigen Mengen auftritt. So geschehen zum Bespiel im Frühjahr 2010 als der isländische Vulkan Eyjafjallajökull gewaltige Aschewolken in den Himmel pustete.

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Grosse Mengen an Vulkanasche können die Sonneneinstrahlung und damit das Pflanzenwachstum behindern. Um 1817 kam es deswegen in Europa zu einer Hungersnot, von der auch Wil betroffen war. (Foto: pixbay) 

Gestrandete Reisende mussten sich damals tagelang in Geduld üben. Wegen befürchteter Schäden an Linienjets, machten einige Airports in Europa dicht. Vulkanstaub kann nicht nur die Triebwerke stören, auch die Messresultate der Sensoren an der Flugzeugaussenverkleidung werden verfälscht. Gefährliche Fehlfunktionen sind eine mögliche Folge.

Vulkanasche zählt zu den sogenannten anorganischen Stäuben, zusammen mit Gesteins- und Mineralstäuben. Diese stammen aus dem Abrieb von Felsen. Neben Wasser und Wind produzieren auch Gletscher bei ihren Wanderungen viel pulverisiertes Gestein. 

Wie die Forschung festgestellt hat, werden mit der Klimaerwärmung erhebliche Mengen an bisher im Eis eingeschlossenem Steinstaub freigesetzt.

Dünger für den Regenwald

Staub besteht zum Teil auch aus Überbleibseln von Algen aus ausgetrockneten Gewässern. Zu ihnen gehören auch die winzigen Partikel aus der Sahara, die hin und wieder – wie kürzlich - bis nach Mitteleuropa gelangen. 

Jeden Tag werden in der riesigen Sahara durch den Wind mehrere Tonnen Sand aufgewirbelt. Autofahrer in Europa treffen ihn gelegentlich auf ihren Fahrzeugen als gelben Belag an.

Je nach Wetterbedingungen überqueren Staubwolken den Atlantik und gehen über der Amazonasregion nieder. Der im Saharastaub enthaltene Phosphor fördert das Wachstum der Vegetation in den Regenwäldern. Rund die Hälfte des natürlichen Düngers im Amazonasgebiet stammt ursprünglich aus Afrika. 

Staubpartikel lagern sich auch auf den Blättern der Pflanzen ab, wo sie die Umwandlung von Sonnenlicht in Energie behindern. Um dieses Wachstumshemmnis möglichst gering zu halten, bilden sich auf vielen Blättern winzige Wachskristalle. Sie reduzieren das Anhaften der Körner. Sobald Feuchtigkeit auf die Oberfläche trifft, bildet diese Perlen und schwemmt den Staub weg. Er gelangt in den Boden, wo er seine Wirkung als Dünger entfalten kann. Diesen Reinigungseffekt kann man übrigens auch in einer taufeuchten Wiese beobachten.

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Manche Pflanzen haben einen Mechanismus zur Selbstreinigung entwickelt, damit Staubablagerungen nicht die Photosynthese zu sehr einschränken.  (Foto: pixbay)

Schwebende Staubpartikel begünstigen im Weiteren auch die Konzentration von Feuchtigkeit in der Luft und führen damit zur Wolkenbildung. Wüstenstaub trägt somit auch zur interkontinentalen Wetterentwicklung bei.

Feinstaub durch Brandrodungen

Wüstenstaub unterstützt die Vegetation in den Regenwäldern, anderer Staub aus den Regenwäldern wird dagegen zum Problem. Bei verschiedenen Eingeborenenstämmen sind Brandrodungen eine traditionelle Methode zur Gewinnung von Acker- und Weideland. Die Böden in den Regenwäldern enthalten vergleichsweise wenige Nährstoffe, sie sind nach wenigen Ernten ausgelaugt, es müssen neue Flächen freigemacht werden.

Für die Natur haben kleinflächige Brandrodungen einen positiven ökologischen Effekt: altes Holz wird beseitigt, bevor es zur Nahrungsgrundlage für grossflächige Brände werden kann. Die Vegetation wird immer wieder verjüngt.

Seit jedoch für Monokulturen Regenwald grossflächig brandgerodet wird, gelangt viel schädlicher Feinstaub in die Atmosphäre. Öfters lässt sich in Europa Feinstaub aus Brandrodungen aus anderen Kontinenten nachweisen. Die Partikel sind winzig klein, oft kleiner als 10 Mikrometer, dies entspricht 0,01 Millimeter. Damit können sie in die Lungenbläschen gelangen. Von dort treten sie in die Blut- und Lymphbahn über. Ab einer gewissen Menge wird Feinstaub zum Gesundheitsrisiko. In den zerklüfteten Oberflächen der winzigen Teilchen können leicht gesundheitsgefährdende Schwermetalle und andere Giftstoffe festsetzen.

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Das Erdreich von Regenwäldern in Südamerika enthält wenig Nährstoffe, dank Staub aus der Sahara können die Pflanzen üppig gedeihen.  (Foto: pixbay)


Heimtückische Partikel

Neben Vulkanausbrüchen und Waldbränden entsteht Feinstaub in weiteren Quellen: Industrie, Schüttgutumschlag, Verbrennungsmotoren, Abrieb im Strassen- und Schienenverkehr, landwirtschaftliche Prozesse, Heizungen sowie Feuerwerk. 

In geschlossenen Räumen werden Feinstäube zusätzlich auch von Kopiergeräten, von Druckern, von Kerzen, beim Braten und beim Grillieren sowie auch von Raucherwaren abgegeben.

Insbesondere Wohngebiete entlang von vielbefahrener Strassen sind mit Feinstaub besonders belastet. Nach Expertenschätzungen atmen in der Schweiz 40 Prozent der Bevölkerung zu viel Feinstaub ein. Verschärfte gesetzliche Vorschriften haben in den letzten Jahren zu einer massiven Reduktion geführt, gleichwohl wird die Luft der Eidgenossenschaft pro Jahr noch immer mit rund 20 000 Tonnen Feinstaub belastet.

Entsprechende Auswirkungen sind Asthma, Allergien, chronische Bronchitis, Lungenkrebs und Herzkreislauf-Erkrankungen. Die Weltgesundheits-Organisation WHO geht bei den Europäern von einer durchschnittlichen Lebenszeitverkürzung von 8,6 Monaten durch Feinstaubbelastung aus.

Feinstaub selber minimieren

Im privaten Bereich kann man selber einiges tun, um das Einatmen von Feinstaub zu reduzieren. Aufgewirbelte Teilchen setzen sich oft auf Böden ab, insbesondere glatte Böden sollten daher öfters feucht gewischt werden. Anwohner von vielbefahrenen Strassen lüften ihre Wohnräume am besten in verkehrsärmeren Tageszeiten. Hundehalter, Nordic Walker, Biker, Jogger und andere Freizeitsportler gehen besser nicht während den Stossverkehrszeiten nach draussen.

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Regelmässiges Staubsaugen beseitigt im Haushalt Feinstaub, er kann zum Risiko für die Gesundheit werden.  (Foto: pixbay)


Für Luftzirkulation sorgen

Beim Kochen und beim Braten beseitigt ein eingeschalteter Dampfabzug einen wesentlichen Teil der Staubpartikel. Wo er fehlt, kann als Alternative ein Fenster geöffnet werden. Die Küchentüre ihrerseits bleibt geschlossen, damit der Feinstaub nicht in alle Wohnräume gelangen kann.

Auch offene Kamine bedeuten eine erhebliche Feinstaubquelle, geschlossene Schwedenöfen sind diesbezüglich unbedenklicher. 

Bei Druckern und bei Kopierern werden die Tonerkassetten möglichst mit Einweghandschuhen ausgewechselt. Allfälliges verschüttetes Pulver nimmt man mit einem feuchten Tuch auf. Zur Reinigung wird besser ein Staubsauger eingesetzt, als das Gerät durch Pusten auszublasen. Der Standortraum der Geräte muss mehrmals täglich gelüftet werden. Die Hauptlüftungsschlitze der Drucker sollten von den Arbeitsplätzen abgewandt stehen.