Für die GLP-Stadtparlamentarierin Erika Häusermann ist klar: Das Bedürfnis für ein Frauen-Taxi in Wil ist vorhanden. Das Sicherheitsempfinden in den Taxis könnte damit erhöht werden. Sie denkt dabei an ein Taxis-Unternehmen, bei dem lauter Frauen am Steuer sitzen. Doch ein solches Frauentaxi Realität werden zu lassen, ist nicht eben einfach. Denn dafür braucht es in der Männer-dominierten Branche eine A-Lizenz. Nur wer eine solche hat, dafür den Standplatz am Bahnhof nutzen. Eine A-Lizenz zu bekommen, kann sehr lange dauern. Denn es muss eine solche zurückgegeben werden, um überhaupt die Chance zu bekommen. Wann das passiert, ist unklar. Eine Vergabeperiode dauert fünf Jahre.

Häusermann macht sich nun für einen Frauentaxi-Betrieb stark. Sie ist in Kontakt mit einer «beherzten Wiler Taxifahrerin», die einen Frauentaxi-Betrieb gründen will. Die GLP-Politikerin versucht mit einem politischen Vorstoss etwas bewirken zu können. In ihrer einfachen Anfrage will sie vom Stadtrat wissen, was dieser unternimmt, damit künftig auch Frauen eine Chance bekommen, eine A-Taxi zu führen. Zudem fragt sie, ob die Wiler Exekutive darauf achten will, dass mehr Frauen eine A-Bewilligung erhalten.

Um das Sicherheitsgefühl der Frauen zu erhöhen, könnte sich Erika Häusermann zudem vorstellen, dass es künftig neben dem «Avec» zu Versuchszwecken zwei Taxiplätze gibt. Es sollen Erfahrungen gesammelt werden. Zudem soll es künftig nicht nur im Westen des Bahnhofs Taxis haben, sondern auch im Osten. So will es zumindest Erika Häusermann. Sie fragt nun den Stadtrat an, ob dieser bereit ist, diese Idee zu unterstützen.

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So hat hallowil.ch am 17. Juli berichtet:

«Auch in meinem nahen Umfeld gab es schon Frauen, die von Taxifahrern blöd angemacht worden sind. Das kommt leider immer wieder vor», sagt Erika Häusermann, welche die Stimme der Grünliberalen (GLP) im Wiler Stadtparlament vertritt. Wiederholt liest man von Übergriffen auf Frauen in Taxis. Zwar hat in Wil kein Vorfall für Schlagzeilen gesorgt, dafür in St. Gallen. Im Jahr 2012 ist ein türkischer Taxifahrer laut Medienberichten zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er mehrere Passagierinnen vergewaltigt hatte. Auch in anderen Städten des Auslands haben Übergriffe für Angst bei Frauen gesorgt. Darum gibt es bei den nördlichen Nachbarn in mehreren Städten solche Frauentaxis – seit 2017 zum Beispiel in Freiburg im Breisgau. Auch in St. Gallen gab es ein solches Taxi, das zu Beginn des Jahrzehnts in pinker Farbe herumfuhr. Gehalten hat es sich allerdings nicht.

In Wil gebe es ebenfalls das Bedürfnis, dass Frauen im Taxi unter sich sein können, ist Erika Häusermann überzeugt. Als sie letzthin der jährlichen Wiler Taxi-Konferenz im Rathaus beiwohnte, sei das Thema «Frauentaxis» zur Sprache gekommen. Die Stadtparlamentarierin sieht als weiteren Vorteil, dass dann auch muslimische Frauen ein Taxi nehmen könnten. Häusermann stellt sich vor, dass ausschliesslich Frauen am Steuer sitzen. Dass nur Frauen zusteigen dürfen, würde aus ihrer Sicht aber zu weit führen. «Das wäre dann Diskriminierung», sagt die GLP-Frau. Es liesse sich wohl auch nicht umsetzen. Denn in der Schweiz besteht die im Gesetz festgeschriebene Transportpflicht, welche auch in der Taxi-Branche Gültigkeit hat und dafür sorgt, dass Männer ebenfalls mitgenommen werden «müssen».

Politischer Vorstoss

Ein Frauentaxi hätte somit in der Schweiz den Charakter einer Neuheit – mal abgesehen vom St. Galler Beispiel. Es würde laut Häusermann auch helfen, die Situation am Bahnhof Wil zu verbessern. Gerade an lauen Sommerabenden fühlen sich viele Frauen unsicher wegen herumlungernder Personen – und hätten auch ein mulmiges Gefühl in einem Taxi. Ganz grundsätzlich ist Häusermann unzufrieden mit der Taxi-Situation in Will – oder zumindest mit der sich abzeichnenden Situation. Hintergrund: Mit der bevorstehenden Umgestaltung des Bahnhofplatzes – ein Masterplan ist mal ausgearbeitet worden – sollen die Taxis um rund 100 Meter Richtung Westen verschoben werden, also weg Zentrum. Für Häusermann ist das keine gute Idee, da der Weg etwa für eine ältere Frau sehr lange werden könne, wenn sie von Zürich anreisend in einem vorderen Wagen sitze und dann mehrere hundert Meter zu den Taxis laufen müsse. Zudem stört sich Häusermann daran, dass die Anzahl Taxi-Standplätze von elf auch acht reduziert werden soll.

Die Stadtparlamentarierin wird nun politisch aktiv und wendet sich mit Fragen an den Stadtrat. Dabei will Sie von der Exekutive zum Beispiel wissen, ob diese bereit ist, am Ostende des Bahnhofes einige Standplätze für Taxis zu planen – und die Behindertenorganisation Procap in die Planung einzubeziehen. Gut möglich, dass Häusermann in der Folge einen ähnlichen Fragekatalog zum Thema «Frauen-Taxi» einreicht.

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Erika Häusermann von der Wiler GLP setzt sich für ein Frauen-Taxi ein.