Vor zwei und mehr Jahren machte sich bei einigen Wilerinnen und Wilern Unmut breit.

Es meldete sich beispielsweise der ehemalige Kantonsrat und vormalige Ortsbürgerpräsident Niklaus Sutter in den Medien zu Wort. In seinen Leserbriefen ging er mit dem damaligen Wiler Stadtrat mehrmals scharf ins Gericht. 

Er bemängelte beispielweise, dass es sieben Jahre gedauert habe, bis die Bauabrechnung zum Sportpark Bergholz vorgelegt worden sei. Er verlangte zudem Transparenz bei der Kostenüberschreitung. «Die Bevölkerung hat eine Erklärung verdient», forderte er.

Verwaiste Baustelle

Nicht nur Sutter machte sein Missfallen über die Arbeit der damaligen Stadtregierung öffentlich. Ein Reizthema war auch der unvollendete Rohbau vis-a-vis der Musikschule und des Alterszentrums Sonnenhof. Die dauerhaft halbfertige Liegenschaft sorgte immer wieder für Schlagzeilen.

Seit vielen Monaten war auf dieser Baustelle kein Handwerker mehr zu sehen. Das Baugerüst setzte Patina an. Als Grund für den Stillstand gab der entsprechende Investor die lange Verzögerung beim Inkrafttreten des neuen Baureglements an.

Kein Kino unter Sternenhimmel

In jener Zeitspanne kamen mehrere unerfreuliche Ereignisse zusammen. Diese hatten keinen direkten Zusammenhang, aber ihr zeitliches Zusammentreffen löste in Teilen der Bevölkerung Sorge um die Weiterentwicklung der Stadt aus. Das Gefühl, in Wil womöglich den Anschluss an die Zukunft zu verpassen und an Lebensqualität einzubüssen, machte sich breit.

Die Geschäftsführerin des lokalen Kinos gab damals bekannt, dass das traditionelle Openair Kino im Sommer in Wil künftig nicht mehr wie gewohnt stattfinden werde. Der bisherige Standort werde vom Eigentümer anderweitig genutzt.

Ein Teil der Bevölkerung empörte sich in den Online-Kommentaren über die Stagnation bezüglich eines Gastronomiebetriebes am Stadtweier.


Ende von Traditionsgeschäft

Im Weiteren gab der Finnshop nach 45 Jahren seine Geschäftstätigkeit auf. Als Grund für das Ende ihres Handelsbetriebes gaben die Inhaber kontinuierlich sinkende Umsätze an. Das Finnshop-Ende wurde von vielen Einwohnerinnen und Einwohnern als weiteren grossen Schritt zur Verödung der Altstadt interpretiert.

Ein Teil der Bevölkerung störte sich zudem über die stark baufällig wirkenden Gebäude entlang der Bahngeleise in Richtung St. Gallen. Mit der geplanten Überbauung des Landhausareals schien es nicht vorwärts zu gehen.

Stadt im Dornröschenschlaf

Einen Eindruck von der damaligen Stimmung gibt dieser Ausschnitt aus einem Facebook-Kommentar eines Wilers: «Je <Grüner> die Stadt Wil wird, desto mehr ist sie am Sterben....Siehe die Fussgängerzone Obere Bahnhofsstrasse. Die war, als man noch Durchfahren durfte ein belebter Treff für Jung und Alt. Der Laden Mix war auch gegeben wie auch Restaurants und Kaffees waren eigentlich nie leer. Heute werden der Bürgersteige um 20:00 eingeklappt, da nützen Bewegungszonen nichts.»

Dieses damalige Stimmungsbild steht für weitere Stellungnamen in ähnlicher Tonalität in den sozialen Medien.

App soll`s richten

Mittlerweile scheinen die Weichen in der Stadt wieder vermehrt in Richtung Zukunftsentwicklung gestellt: An der Baustelle bei der Musikschule wird wieder sicht- und hörbar gearbeitet. Und auch in der Bahnhofsregion wird gebohrt und gehämmert.

Kürzlich wurde die Wil-App lanciert. Sie soll das geschäftliche und das gesellschaftliche Leben ankurbeln.

Zudem ist der Volksentscheid zum Hof gefallen. Ein «Renovations- und Innovationsprojekt», das auf verschiedenen Ebenen zusätzliches Leben in die Stadt bringen soll, kommt ins Rollen.

Für die Liegenschaft «zum Turm» liegt mittlerweile ein Nutzungskonzept vor und eine Zwischennutzung wird angestrebt. 

Das Grossprojekt zur Erschliessung und zur Überbauung «Wil West» nimmt allmählich klarere Konturen an.


Politische Klimaverbesserung

In Wil scheint die damals empfundene Stimmung einer Stagnation einigermassen überwunden. Die heftige Kritik an den Stadt-Verantwortlichen in den Leserbriefen und in den Online –Kommentaren ist verstummt.

Das politische Klima habe sich verbessert, diagnostiziert die parlamentarische Fraktion Grüne prowil in der hallowil-Standortbestimmung.

Ob der Stimmungsumschwung dauerhaft ist, wird sich weisen. Die FDP ihrerseits glaubt, dass sich die neue Wiler Stadtregierung erst noch in einem raueren Klima bewähren müsse