Sie fallen jedem Zugreisenden auf der Strecke Flawil-Uzwil auf: die imposanten Pappelreihen auf der ansteigenden Seite der Bahnlinie. Dass sie sich schützend vor eine kleine Siedlung stellen, kann der Vorbeifahrende allerdings nicht erkennen. Die paar Häuser liegen zwar auf einer Anhöhe, aber in einer Mulde.


Wechselvolle Geschichte

Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts hatte Stolzenberg mal doppelt so viele Einwohner wie heute. Ein Dorf im eigentlichen Sinn aber war es nie, eher ein Weiler. Es fehlen dörfliche Begegnungszentren wie Schule und Kirche. Es gab und gibt aber auch kein Restaurant, keinen Laden, keine Post und keine Käserei. Geschichtlich hat Stolzenberg den stärksten Bezug nicht zu Uzwil, sondern zum Bad Buchen, welches heute zu Oberuzwil gehört. Bei der Gründung des Kantons St. Gallen 1803 sind Buchen und Stolzenberg zu Henau geschlagen worden. Buchen hat sich aber dagegen gewehrt und wurde 1805 wieder Oberuzwil zugeteilt. Stolzenberg aber blieb bei Henau und ist damit heute Teil der Gemeinde Uzwil.


Aus Berg ist Stolzenberg geworden

Die Siedlung ist früher einfach als Berg bezeichnet worden. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts hat ein Ammann mit dem Namen Stolz hier gewohnt. Von da an wurde der Namen Stolzenberg gebräuchlich.

Einen wirtschaftlichen Aufschwung hat der Ort nie verzeichnet. Im Gegenteil: Von den ursprünglich sechs Stickereilokalen existiert keines mehr. Postiv in die Waagschale werfen kann Stolzenberg dagegen seine ruhige Wohnlage. Auf drei Seiten gibt es freie Natur. Südlich führt die Verbindungsstrasse Flawil-Oberuzwil in gebotener Distanz am Ort vorbei. 


Kreativer Kunsthandwerker

Einziger Handwerksbetrieb ist die Holzbildhauerei von Anton Blättler. Er hat seine Ausbildung im Lechtal an einer von drei Bildhauerschulen Österreichs absolviert. Dort bildet er mittlerweile wöchentlich an drei Tagen selber Bildhauer aus. In seiner Werkstatt in Stolzenberg entstehen Auftragsarbeiten, aber auch Nachbildungen von historischen Werken und eigene Entwürfe.


Malerischer Stauweiher

Wie der Ort zeigt sich auch der Stolzenberger Weiher dem flüchtigen Passanten nicht. Er befindet sich zwar recht nahe an der Durchfahrtsstrasse Flawil-Oberuzwil, ist aber von dieser aus nicht einsehbar. So romantisch wie sich der Weiher heute ausnimmt, ist seine Entstehungsgeschichte nicht. Die Gebrüder Bühler hatten ihn 1884 in einer Notsituation erstellen lassen. Das Wasser wurde für den Antrieb von Turbinen und Maschinen gebraucht. Gut 70 Meter Höhenunterschied liegen zwischen dem Stauweiher und dem Fabrikareal. Das erlaubte es, Energie zu gewinnen. Ab 1940 wurde das Wasser dann zu Kühlzwecken und für die Spülung der Toiletten gebracht.

Heute steht der Weiher unter Naturschutz. Für die Fischerei sind Mitarbeiter der Firma Bühler zuständig.