Der Gemeinderat Uzwil hat sich jährlich einmal im Anschluss an eine Sitzung mit der Bevölkerung eines der sieben Dörfer getroffen. In diesem Jahr stand nicht ein Dorf im Mittelpunkt. Die Behörde wollte eine Begegnung mit den bäuerlichen Kreisen der Gemeinde ermöglichen. Im Werkhof des Bauamts Büelhof in Niederuzwil gaben die Zufahrtsstrassen zu den Höfen am meisten zu reden.Man muss es den Bauern attestieren: Wenn ihnen eine Gelegenheit geboten wird, ihren Standpunkt zu vertreten, dann ergreifen sie diese und halten mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Zum Treffen im Werkhof des Bauamts erschienen sie viel zahlreicher als nichtbäuerliche Uzwiler.

Sorgsamer Umgang mit Grünflächen
Gemeindepräsident Lucas Keel wies in seiner Begrüssung darauf hin, dass in der Industriegemeinde Uzwil von der Gesamtfläche von 14,5 Quadratkilometern immerhin 9,5 Quadratkilometer Acker- und Wiesland seien. Der landwirtschaftlichen Nutzfläche wie dem ganzen Naherholungsgebiet gelte es Sorge zu tragen.

Dem Hotel Uzwil, das für die Bewirtung sorgte, gratulierte der Gemeindepräsident zu dessen Auszeichnung als freundlichstes Stadthotel der Schweiz.

Aufwendiger Strassenunterhalt
Der grösste Teil der Diskussion drehte sich um Strassen und Wege, hauptsächlich um die Zufahrtsstrassen zu den Höfen. Diesen Gemeindestrassen dritter Klasse werde nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt, wurde kritisiert. Die landwirtschaftliche Kommission habe seit Jahren Vorschläge zur Verbesserung gemacht, aber bisher sei nichts passiert.

Das Asphaltieren der Hofzufahrten würde nach Auskunft des Gemeindepräsidenten rund 600'000 Franken erfordern. Die Gemeinde übernehme 80 Prozent der Kosten und sehe eine Staffelung über sechs bis sieben Jahre vor. Der Gemeindeanteil könne bis 90 Prozent erhöht werden, wenn ein grosses öffentliches Interesse gegeben sei.

Lucas Keel wies darauf hin, dass der Strassenunterhalt grundsätzlich Sache der Eigentümer sei. So müsse auch den Landwirten ein Anteil zugemutet werden, vor allem dann, wenn sie die Strasse zu einem wesentlichen Teil selber benützten. Der Gemeindepräsident forderte die betroffenen Bauern auf, sich bezüglich konkreter Projekte mit dem Bauamt in Verbindung zu setzen.

Klage über freilaufende Hunde
Ein Bauer beklagte sich über die laufend grössere Zahl von Hundehaltern, welche ihre Vierbeiner auf dem Thurweg frei laufen liessen. Dabei urinierten diese in die Wiesen, was zur Folge habe, dass die Kühe das Gras nicht mehr frässen. Ein Leinenzwang wie in anderen Gemeinden könnte Abhilfe schaffen.

Lärmgeplagte Anwohner der Marktstrasse
Wie schon an der Bürgerversammlung vor einer Woche kam wieder das Problem der Lärmbelastung an der Marktstrasse zur Sprache. Kritisiert wurde, dass Landwirte aus Uzwil und den Nachbargemeinden nachts die Grastrocknungsanlage belieferten.

Lukas Kessler, Geschäftsführer der Grastrocknungsanlage. betonte, dass ihm ein gutes Verhältnis zur Bevölkerung wichtig sei. Lärmfördernd ist nach Ansicht eines Bauern der schlechte Zustand der Marktstrasse. Mit der Sanierung will die Gemeinde aber zuwarten, weil in die Strasse ein grosser Kanal eingelegt werden müsste, wenn ein geplantes Fernwärmeprojekt verwirklich werden kann.

Lärmvermindernd würde sich nach Ansicht eines Anwohners die Aufhebung der Parkplätze entlang der Strasse auswirken, weil dann der Verkehrsfluss nicht gehindert würde.

An den Rand gedrängt
Der primäre Wirtschaftssektor ist die Landwirtschaft. Während Jahrtausenden galten ihr fast alle Bemühungen der Menschen. Dann gewann mit der Industrialisierung vor zwei-, dreihundert Jahren der sekundäre Sektor laufend an Bedeutung. Heute wird der tertiäre Sektor, der Dienstleistungssektor, immer wichtiger. Der einst beherrschende primäre Sektor hat in den Industriestaaten seine führende Position längst eingebüsst.

Die Gemeinde Uzwil zum Beispiel weist rund 6500 Arbeitsplätze auf. Industrie und Gewerbe bieten in gut 100 Betrieben etwas über 4000 Arbeitsplätze an, gefolgt von 2400 Arbeitsplätzen in 300 Dienstleistungsbetrieben.40 Betriebe im Bereich Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gartenbau kommen gerade noch auf 120 Arbeitsplätze.

Auch wenn sich die Zahl der Arbeitskräfte drastisch verringert hat, ihre Bedeutung in der Nahrungsmittelproduktion hat die Landwirtschaft nicht verloren. Aber das nur in der globalen Betrachtungsweise. Wenn der Selbstversorgungsgrad ausser Acht gelassen wird, gerät die Schweizer Landwirtschaft ins Abseits. Das Lohnniveau, die Produktionskosten, die topografischen und die klimatischen Bedingungen führen zu Produktepreisen, die im internationalen Konkurrenzkampf nicht bestehen können. Hinzu kommt in nichtbäuerlichen Kreisen das Lamento über die hohen Subventionen.

Diese nationalen Probleme können nicht auf Gemeindeebene gelöst werden. Hier geht es um handfeste Probleme des Zusammenlebens der nichtbäuerlichen und der bäuerlichen Bevölkerung. Also einer erdrückenden Mehrheit mit einer schwindenden Minderheit. Am Verständnis für die Schwächeren zeigt sich die Stärke der Gemeinschaft. Im konkreten Fall darf und muss allerdings auch von der Minderheit, von den Bauern, Verständnis und Rücksichtnahme im Rahmen des Möglichen erwartet werden.
Josef Bischof