Die Vorwürfe, die im Raum stehen, sind happig. Laut Berichten des «St. Galler Tagblatts» werfen Eltern dem Vorstand vor, sich nicht an Vorgaben und Ziele zu halten, welche die Förderung und Ausbildung der Nachwuchsturner und -turnerinnen beinhalten. Zudem sollen Kinder mittrainieren, deren turnerische Fähigkeiten nicht dazu berechtigen. Zur Eskalation kam es laut den Berichten, als im vergangenen Herbst Geschäftsführerin Alexandra Breitenmoser-Lier per Ende Januar entlassen worden ist.

Es ist Feuer im Dach. Es brodelt so sehr, dass sich nun der St. Galler Turnverband eingeschaltet hat. Dieser ist einer von mehreren Trägerverbänden des eigenständigen Vereins Regionales Leistungszentrum Ost (RLZO) in Wil. Entsprechend hat der kantonale Verband im Rahmen seiner Delegiertenstimmen Einflussmöglichkeit auf das Geschehen in diesem Verein. «Eine erfolgreiche Zukunft des RLZO liegt uns sehr am Herzen, weshalb wir uns auch im laufenden Prozess engagieren», sagt Dominik Meli, Präsident des St. Galler Turnverbandes, gegenüber hallowil.ch.

«Sportliche Entwicklung könnte gefährdet sein»

Konkret hat der Verband eine Mediation eingeleitet mit dem Ziel, «das erfolgreiche RLZO in eine ebenso erfolgreiche Zukunft zu führen», wie es Meli formuliert. Er sagt zum Grund der Mediation: «Unterschiedliche Auffassungen führen dazu, dass die sportliche Entwicklung gefährdet sein könnte.» Konkreter will er nicht werden, um den laufenden Prozess nicht mit Stellungsnahmen zu gefährden.

Fakt ist aber, dass der St. Galler Turnverband auch Sanktionen verhängen kann, wenn sich die Situation in absehbarer Zeit nicht bessert. «Aktuell hoffen wir auf einen erfolgreichen Verlauf der Mediation. Je nach Ausgang prüfen wir dann das weitere Vorgehen und mögliche Sanktionen», sagt Meli. Wann die Mediation abgeschlossen sein wird, steht in den Sternen. «Das Thema wird vom St. Galler Turnverband mit hoher Priorität vorangetrieben. Bei einer Mediation bedarf es aber der Mitarbeit von mehreren Parteien», sagt Meli.

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Dominik Meli, Präsident St. Galler Turnverband


Subventionen könnten gestrichen werden

Deutlichere Worte fand unlängst Ruedi Hediger, Geschäftsführer des Schweizerischen Turnverbandes (STV), in einem Interview mit dem «St. Galler Tagblatt». In diesem zeigt er sich besorgt über die aktuelle Situation im RLZO. Wenn sportliche und organisatorische Kriterien nicht erfüllt seien, gäbe es als eine von mehreren Optionen die Möglichkeit der Kürzung oder Streichung von Subventionen. Zwar gebe es immer wieder kantonale Verbände oder regionale Leistungszentren, in denen es krisle. Eine so zerfahrene Situation habe er in seiner zwölfjährigen Wirkenszeit als STV-Geschäftsführer aber noch nie erlebt. Hediger erwartet, dass zeitnah eine Lösung gefunden wird.