Gegen Schulrätin Evelyne Engeler Mohn, die Ende September bei den Schulratswahlen zum vierten Mal in Folge in die Behörde gewählt wurde, läuft eine Aufsichtsbeschwerde. Sie soll vertrauliche Informationen ein Dritte weitergeleitet haben. Engeler Mohn bestreitet die Vorwürfe. Sie kritisierte im Gegenzug Schulratspräsidentin Jutta Röösli, welche sich noch im Wahlkampf befindet, scharf. Im Bildungsdepartement herrsche Intransparenz und Desinformation, Denunziation und Mauschelei (siehe Artikel unten).

Nun schalten sich die drei anderen Schulräte in die Diskussion ein – und distanzieren sich vollumfänglich von den Aussagen Evelyne Engeler Mohns. In einer gemeinsamen Stellungnahme schreiben Elmar Meile, Sigrid Wöcke und Miriam Schildknecht: «Weder herrschen Intrigen, Diffamierungen und Mauscheleien beim Departement Bildung und Sport, noch wird Mobbing betrieben. Durch die Aussagen von Evelyne Engeler Mohn fühlen wir uns als Schulrat und als Schulrätinnen direkt angegriffen, wirft sie uns doch vor, wir würden dem Diktat unserer Präsidentin unterliegen.» Sie hätten während ihrer Arbeit im Schulrat zu jedem Zeitpunkt ihre Meinung kundgetan und auch kritische Voten eingereicht. «Wir haben uns engagiert eingebracht und Jutta Röösli hat uns in keiner Art und Weise den Mund verboten», schreiben Meile, Wöcke und Schildknecht.

Engeler Mohn: «Habe mich immer an die Regeln gehalten»

Und weiter: «Frau Engeler verhielt sich häufig unkollegial und hielt sich nicht an Abmachungen und Regeln, was die Zusammenarbeit sehr erschwerte. Die Aufsichtsbeschwerde ist die Konsequenz ihres Handelns, welche sie jetzt allein zu tragen hat. Dass Frau Engeler Mohn ihre persönliche Fehde mit Frau Jutta Röösli öffentlich in den Medien austrägt, finden wir einfach nur geschmacklos. Von dieser Art zu «politisieren» distanzieren wir uns alle drei ausdrücklich.»

Die kritisierte Evelyne Engeler Mohn bleibt jedoch bei ihrer Version. Es habe Mobbing gegenüber Lehrpersonen gegeben. Sie antwortet auf die Kritik der drei Rats-Kolleginnen: «Ich habe mich immer an Regeln gehalten, ohne aber geistlos jedem Diktat zu folgen. Die Wiler Bevölkerung hat ein Recht, über die Vorgänge im Schulrat informiert zu werden. Ich hätte mir gewünscht, die drei Schulräte hätten sich derart aktiv und kreativ im Schulrat für unsere Kinder eingesetzt.» Die in der Aufsichtsbeschwerde erhobenen Vorwürfe bezeichnet Evelyne Engeler Mohn als «haltlos» und ein «politisches Spiel», den Schulrat als «Abnickgremium». Vielleicht sei das wegen Abhängigkeiten so. Ein Mann einer Schulrätin sei Lehrer in Wil, die andere Schulrätin arbeite im Schulbetrieb und ihre Mann bekomme Aufträge der Stadt. 

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Aufsichtsbeschwerde und offene Kritik (26.10.20)

Der Haussegen im Wiler Schulrat hängt schief. Im Brennpunkt ist Schulrätin Evelyne Engeler Mohn, die Ende September zum vierten Mal in Folge im ersten Wahlgang in den Schulrat gewählt worden ist – mit dem zweitbesten Ergebnis aller acht Kandidaten. Doch gegen sie läuft eine Aufsichtsbeschwerde, weil sie ihre Kompetenzen überschritten haben soll. Eingereicht wurde die Beschwerde schon im Juni, publik gemacht wird sie erst jetzt – durch Evelyne Engeler Mohn selbst.

Und worum geht es? Drei Personen, Mitarbeiter einer Schuleinheit, beschweren sich, die besagte Schulrätin habe unter Angabe falscher Gründe eine Unterrichtsvisitation durchgeführt, ohne die Schulleitung und deren vorgesetzte Stelle informiert zu haben. Evelyne Engeler Mohn widerspricht: «Seit 2017 gibt es keine Schulbesuche mehr. Daran habe ich mich jederzeit gehalten.»

«Vertrauen ist nicht mehr vorhanden»

Weiter wird der Schulrätin in der Aufsichtsbeschwerde vorgeworfen, sie habe vertrauliche Personaldaten an Drittpersonen weitergegeben. Auch das bestreitet Evelyne Engeler Mohn «aufs Schärfste». Laut Recherchen von hallowil.ch geht es um Artikel über Streitigkeiten im Kindergarten Städeli in den «Wiler Nachrichten». Sie habe mutmasslich Anteil für die wiederholte Berichterstattung, hätte aber deeskalierend einwirken müssen. Sie habe bei einer Minderheit der Eltern aktiv agiert, so die Vorwürfe. «Das ist reine Spekulation und grenzt an Ehrverletzung. Ich wehre mich entschieden gegen solche Anschuldigungen», sage Evelyne Engeler Mohn dazu. Ein weiterer Vorwurf: Sie habe in einer nicht näher genannten «schwierigen Situation» nicht das Gespräch mit der Schulleitung gesucht, dafür Partei für eine Minderheit von Eltern ergriffen und diese aktiv unterstützt oder beeinflusst. Bei diesem Vorwurf will Engeler Mohn nicht wissen, worum es geht.

Die drei Beschwerdeführer fühlen sich durch das Verhalten der Schulrätin in der Berufsehre verletzt und im Ruf geschädigt. «Das Vertrauen in die Tätigkeit von Evelyne Engeler Mohn als gewähltes Schulratsmitglied ist im Moment nicht mehr vorhanden», ist in der Beschwerde zu lesen.

Schulrätin hofft auf Abwahl der Schulratspräsidentin

Evelyne Engeler Mohn sieht es anders. Sie distanziert sich von allen Vorwürfen und fordert eine Entschuldigung. Nur so könne das vermisste Vertrauen wiederhergestellt werden. Dann holt sie zum Rundumschlag aus. Das Ganze habe den Charakter einer Intrige, weil sie selbst erst rund drei Monate nach Einreichung der Beschwerde informiert worden sei. «Es handelt sich offensichtlich um ein abgekartetes Spiel beziehungsweise um Mobbing unter dem Deckmantel eines Aufsichtsverfahrens», so Evelyne Engeler Mohn. Die Stadt Wil entgegnet: «Aufgrund von personellen Wechseln in der Stadtkanzlei und damit verbundenen Abschluss- und Übergabearbeiten gab es eine Verzögerung bei der Bearbeitung.»

Damit aber noch nicht genug. Schulrätin Evelyne Engeler geht davon aus, dass Schulratspräsidentin Jutta Röösli treibende Kraft hinter der Beschwerde ist. Sie sagt: «Unter der Führung von Jutta Röösli herrschen in Bildungsdepartement Intransparenz, Desinformation, Denunziation und Mauschelei. Ich hoffe, dass die Wähler dies endlich erkennen und am 29. November für die dringend nötige Veränderung sorgen.» Dann findet der zweite Wahlgang für den Wiler Stadtrat statt, im welchem Jutta Röösli gerne für vier weitere vier Jahre Einsitz hätte. «Die Vorwürfe an meine Adresse weise ich vollumfänglich zurück. Es handelt sich um reine Spekulation und wirkt als Kampagne gegenüber meiner Person», sagt Jutta Röösli zu hallowil.ch.