«Ich war recht aggressiv nach vier Bierchen und hätte vorher heimgehen sollen», sagte der Angeklagte am Donnerstagvormittag vor dem Kreisgericht Wil in Flawil. Dort hatte sich der heute 51-Jährige für mehrere Taten zu verantworten, die er vergangenes Jahr verübt haben soll. Zugrunde liegt ein Nachbarschaftsstreit im Südosten der Stadt Wil. Die Situation eskalierte an einem Mai-Abend des vergangenen Jahres in einem Imbiss an der Toggenburgerstrasse. Dort war der Angeklagte Stammgast und er hatte den Betrieb zuvor teilweise renoviert, ohne dafür allerdings Geld zu sehen. Als er danach fragte, wurde die Diskussion emotional und es wurden Kraftausdrücke verwendet. «Gegenseitig», wie der angeklagte Chauffeur vor Gericht präzisierte.

Was genau im Imbiss passierte, darüber gingen die Meinungen weit auseinander. Die Staatsanwaltschaft hatte die Kraftausdrücke des Mannes als Massendiskriminierung ausgelegt, da er alle Türken beleidigend in einem Topf geworfen haben soll. Zudem habe er einer Frau mit Schlägen gedroht und diese mit eindeutigen Gesten eingeschüchtert. Noch in der gleichen Nacht soll der Mann Polizeibeamte bedroht und Blumenrabatten vor dem Imbiss umgeworfen haben. Später soll er der besagten Frau an deren Auto einen Platten zugefügt, die Scheibenwischer abmontiert haben, um dann die Frontscheibe mit einer klebrigen Flüssigkeit zu verschmieren. Später hat er abermals Blumenrabatten vor dem Imbiss umgeworfen und es folgte eine weitere Bedrohung. So der Vorwurf.

Barfuss geflüchtet – und gestürzt
Der Verteidiger sah so die Sache anders und bezeichnete den von der Staatsanwaltschaft dargestellten Sachverhalt als «Konstrukt». Er sagte: «Was wirklich im Imbiss passiert ist, wissen wir nicht. Die Leute widersprechen sich.» Er forderte darum in diversen Punkten einen Freispruch. Für ihn war auch nicht bewiesen, dass der 51-Jährige die Blumenrabatte umgestossen und das Auto der Frau beschädigt hatte.

Zwei Punkte waren allerdings unbestritten: Das Fahren in alkoholisiertem Zustand und die versuchte Vereitelung einer Straftat. Das beschwipste Fahren bezeichnete der Angeklagte als «dümmste Dummheit», die er je gemacht habe. Seinen Führerschein war er damit los – und auch seinen Job als Chauffeur. Das sei auch der Grund gewesen, warum er vor den Beamten, die ihn noch in der gleichen Nacht in seiner Wohnung «besuchten», in Panik fliehen wollte. Unter dem Vorwand, auf die Toilette zu müssen, setzte er zur Flucht an. Er tat es barfuss und kam nur rund 20 Meter weit, ehe er selber stürzte. Dass er am Boden liegend Gewalt gegen die Polizisten verübt haben soll, bestritt der Angeklagte.

Unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft
Der Richter verhängte eine bedingte Geldstrafe von 14’400 Franken – dies bei einer Probezeit von drei Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von knapp 19'000 Franken gefordert. Die geforderte Busse von 2500 Franken wurde auf 1200 Franken reduziert. Forderungen der Privatkläger wurden entweder ab- oder auf den Zivilweg verwiesen.