Steuern runter. Wer möchte das nicht! Der Steuerrechner zeigt: In Herrliberg oder Freienbach, da müsste man wohnen. Wirklich? Eine Studie der Credit Suisse zeigt am Beispiel eines verheirateten Paares, beide arbeitstätig, gemeinsames Erwerbseinkommen 110‘000 Franken, zwei Kinder, die nicht fremdbetreut werden: In Herrliberg bleiben ihnen Ende Jahr 33‘000 Franken, in Freienbach 45‘300 Franken und in Uzwil 55‘500 Franken frei verfügbares Einkommen. Definiert in der Studie als Betrag, der nach Abzug der obligatorischen Abgaben und der Fixkosten übrig bleibt. Und dazu zählt die Studie nebst den Steuern die Sozialversicherungsbeiträge, die Krankenkasse, die Wohnkosten, Energie und Elektrizität, die Pendlerkosten und die Kosten der Kinderbetreuung, soweit sie anfallen.

Tiefe Steuern, hohe Wohnkosten

Im Durchschnitt betragen die Wohnkosten rund einen Zehntel des Haushaltsbudgets. Wobei die Unterschiede hoch sind. Die Studie erwähnt, dass beispielsweise an steuerlich attraktiven Orten die Wohnausgaben höher sind. Und so erklärt sich dann auch, warum in steuergünstigen Gemeinden gemäss der Studie nicht zwingend am meisten Geld zur freien Verfügung übrig bleibt.

Regionale Steueroasen

Diese Realität lässt sich aufgrund der Zahlen der Studie auch in der Region beobachten. Zuzwils Gemeindesteuerfuss ist bei 82 Prozenten, in Oberbüren sind es 100, in Wil 118 und in Uzwil aktuell 133 Prozentpunkte. Die Unterschiede sind schmerzhaft deutlich. Der Musterfamilie vom vorherigen Beispiel bleibt in Uzwil ein frei verfügbares Einkommen von 55‘500 Franken. In Wil bleiben ihr 53‘400 Franken, in Oberbüren 55‘800 Franken und in Zuzwil 54‘600 Franken. Die ganze Region kann sich freuen, in der Gesamtbetrachtung attraktiver zu sein als Freienbach und Herrliberg.

Steuerfuss und Steuerkraft

Die Steuerbelastung ist vor allem in Gemeinden tief, wo Menschen mit mehr Geld wohnen. Sie zahlen auch bei tiefem Steuerfuss viel Geld in die Gemeindekasse. Und solche Gemeinden haben oft höhere Ausgaben pro Einwohner als Gemeinden mit höherem Steuerfuss. Weil sie es vermögen. Eine Realität, die sich nicht allen auf den ersten Blick erschliesst.

Steuern und Wohnkosten

Natürlich: Die Steuerbelastung ist ein wichtiges Thema. Auch für die Gemeinde Uzwil. Weil die Steuern gerade bei Wohnortsentscheiden ein Faktor sind. Und sie sind vor allem für Menschen ein Faktor, die über hohe Einkommen verfügen. Vor 20 Jahren lag der Steuerfuss in Uzwil noch bei 157 Prozentpunkten, aktuell bei 133. Und der Gemeinderat hat angekündigt, aufs nächste Jahr die Steuern senken zu wollen. Bleibt zu hoffen, dass künftige Studien dann nicht aufzeigen, dass wegen der steuerlichen Attraktivität die Wohnkosten in Uzwil so stark stiegen, dass den Bürgerinnen und Bürgern Ende Jahr trotz tieferer Steuern weniger in der Tasche blieb. (gk/red)