Weil Roger Schmidlin sich verdient gemacht hat für den Dialog zwischen der lateinischen Kirche im Westen mit der Kirche im Osten, hat ihm der dortige Bischof als Dank und Anerkennung die Archimandritenweihe erteilt. Das ist so etwas wie ein Ehren. Die drei Schweizer waren eine Woche Gäste im Bischofhaus in Uzgrorod – Hauptstadt jener Region Transkarpatien rund 30 Kilometer nach der ungarischen Grenze gelegen. Bischof Milan zeigte ihnen, wie die Kirche gelebt wird und welche Probleme sie hat. Dort heisst die katholische Kirche griechisch katholisch. Sie ist mit dem Papst verbunden, feiert aber die Gottesdienste im slawisch-byzantinischen Ritus.

Bischof Milan nahm die drei Schweizer mit in seine Pfarreien, um den Menschen zu begegnen. Die Kirche in der Ukraine wurde verfolgt. Erst mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1990 durfte sie aus dem Untergrund auftauchen und wieder öffentlich Gottesdienst feiern, Pfarreien aufbauen und in Schulen und Presse den Glauben an die Menschen weitergeben. Darum ist alles im Aufbruch und im Bau – materiell und geistig. Die Regierung hat die Kirchen und Klöster der Kirche wenigstens zum Teil zurückgegeben, aber alles in erbärmlichen und baufälligen Zustand. In einem Dorf war die Kirche in Sowjetzeit eingerichtet als Museum für den Atheismus. So ist es verständlich, dass der Bischof auch Bauherr ist. Das Bischofshaus, die Kirchen, Pfarrhäuser und Klöster müssen aufwändig saniert werden. «Mit 55000 Euro bauen wir eine Kirche mit Pfarrhaus», sagte Bischof Milan.

Fruchtbare Landstriche wurden zu Steppen
Die Schweizer Gäste duften erleben, wie die Menschen einen tiefen Glauben haben. Wie sie mit ganzem Herzen dabei sind in den Gottesdiensten, die meistens zwei Stunden gedauert haben. Die Priester dort, sie dürfen heiraten. Allerdings müssen sie zuerst heiraten und dann erst Priester werden, umgekehrt geht es nicht. Und die Frau muss Ja sagen zum Dienst und zur Aufgabe ihres Pfarrrersmann. Es ist ein einfaches, schlichtes Leben. Ein junger Priester mit Frau und Kind teilen sich einen Raum mit Kochnische, Bett und Büro.

Post inside
Gastgeber Bischof Milan mit einem jungen Priester und seinem Kind.

Diese Kirche lebte auch von Märtyrern. Das ist noch lebendig, da die Leute es erlebt haben. Darum sind sie so gläubig und dankbar, auch wenn sie materiell weit weg sind von unserm Standard. Der Chauffeur der drei Gäste, ein Seminarist, zeigte das Dorf seines Elternhauses. Es wohnt zurzeit niemand da. Denn die Mutter arbeitet in Kiew und der Vater in Moskau. Die Kolchosen wurden aufgelöst und das Land an die Bauern verteilt. Aber sie haben kein Geld, bekommen keine Kredite um Maschinen zu kaufen und Investitionen zu tätigen. Darum sind ganze fruchtbare Landstriche zu Steppe geworden.

Der Kommunismus vermochte den Glauben nicht zu zerstören, so die Erkenntnis. Dann aber kam die Frage: Und wenn dann einmal der Konsum kommt? Was wird er bewirken in den Herzen der Menschen? In Uzgorod mit rund 120 000 Einwohnern sind am Stadtrand schon Aldis, Lidls, Spars und Tescos, die ihre Kathedralen aufgerichtet haben.

Bericht: Pfarrer Walter Rieser