Es war ein langes Warten, das kurz vor dem Ende des Jahres 2017 nun ein Ende gefunden hat. Das Warten hat sich wohl insofern gelohnt, als dass am Stickereiplatz in Uzwil nun ein modernes, auf die Zukunft ausgerichtetes Gebäude bezogen werden konnte. Ein Gebäude, das den Ansprüchen von Bürgern und Verwaltung gerecht wird. Räume, die trotz aller Zweckmässigkeit freundlich wirken und in denen trotz modernem Sichtbeton viel Uzwiler Geschichte steckt.«Die Verwaltung muss für die Bürgerschaft da sein. Gute Erreichbarkeit, einfache Orientierung, sichere Umgebung, Diskretion, Kundenfreundlichkeit, guter Service, hohe Vollzugskraft sind hohe Ziele». So hat es Gemeindepräsident Lucas Keel im Gutachten zum neuen Gemeindehaus für die Urnenabstimmung vom 28. April 2013 geschrieben.
Und: Uzwil wolle auch künftig unter den effizientesten Verwaltungen sein.

Eine geeignete Arbeitsumgebung
Die vom Gemeindepräsidenten geforderte geeignete Arbeitsumgebung hat exakt eine Woche vor Weihnachten ihre Türen geöffnet. Aus zwei Gemeindehäusern und weiteren Standorten ist die Verwaltung ins neue Gemeindehaus umgezogen. Es befindet sich an der Lindenstrasse, verfügt über eine neue Bushaltestelle und hat auch eine neue Adresse bekommen. In Anlehnung an die einstige Bedeutung der Textilindustrie für Uzwil – am Standort des Gemeindehauses gab es eine Stickerei und dahinter den Stickereiweiher – steht das Gebäude am Stickereiplatz 1.

Nun sind die fünf Verwaltungsabteilungen in einem modernen Zweckbau auf fünf Stockwerken zusammengefasst. Eine minutiöse Planung der Infrastruktur lässt erwarten, dass die Zielsetzungen zum grössten Teil erreichbar sein werden. Doch darüber lässt sich nicht schon am Tag 1 Bilanz ziehen. Erste Reaktionen waren Freude auf Seite der Verwaltung und Anerkennung durch die Besucher.

Eldorado einheimischer Kultur
Überraschend vielgestaltig und attraktiv präsentiert zeigen sich die Besprechungsräume und Sitzungszimmer. Jeder Raum ist einem Thema und einer Uzwiler Persönlichkeit gewidmet. Dabei steht nicht einfach ihr Name an der Türe. Leben und Werk der Persönlichkeit gewinnen Konturen. Dies geschieht einerseits durch einen gerafften Überblick über ihr Leben und Wirken. Ausserdem ist sie auf Porträtfotos zu sehen. Und als Wichtigstes werden ausgewählte Werke aus ihrem Schaffen gezeigt.

Drei bildende Kunstschaffende
Ferdinand Gehr ist Bürger von Uzwil und im benachbarten Niederglatt aufgewachsen. Vom gelernten Stickereizeichner und später berühmten Kunstmaler wird im Gehr-Zimmer neben Bildern auch ein Entwurf für eine Stickerei gezeigt. Ausserdem ziert das Graffito, das bäuerliches Schaffen zeigt und das er für die Landi Goldach geschaffen hatte, die Wand im Lichthof.

Auch Leo Rimensberger, menschlich eine tragische Figur mit einem frühen Ende, künstlerisch aber mit grosser Ausdruckskraft, wird gewürdigt. Dank Thomas Stricker befindet sich seine Hinterlassenschaft im Besitz der Gemeinde Uzwil.

Ein Teil der Blumenbilder, welche von Pia Roshardt-Meinherz gezeigt werden, haben kürzlich das Budgetheft der Gemeinde illustriert.

Sie haben Grundsteine gelegt
Uzwil ist ein Industriedorf. Während man es heute vor allem mit der Firma Bühler identifiziert, sind zeitlich vor den Gebrüdern Bühler zwei Namen zu erwähnen. Matthias Naef hat vor 200 Jahren in Niederuzwil in seiner Textilfirma 2000 Mitarbeitende beschäftigt. Vor und dann auch zusammen mit Bühler war die Textilmaschinenfabrik Benninger ein massgeblicher Arbeitgeber. Unter der Überschrift «Gründer, Patrons, Pioniere» werden die Leistungen der drei Gründerpersönlichkeiten und ihrer Nachfahren in einem Sitzungszimmer gewürdigt.

Prominente Zeitgenossen
Für Jack Tanner, den Fotografen und Musiker, stimmt die Überschrift leider nicht mehr ganz. Er ist vor zehn Jahren gestorben, aber noch vielen Uzwilern in bester Erinnerung.

Ebenfalls je in einem Raum gewürdigt werden die Schauspielerin Heidi Maria Glössner und die erste Frau im Bundesgericht, Margrith Bigler-Eggenberger. Heidi Maria Glössner hat ihre Jugend in Uzwil verbracht. Margrith Bigler-Eggenberger ist die Tochter des einstigen Uzwiler Gemeindammanns Mathias Eggenberger, der später Regierungsrat und Ständerat war.