Sie sind Tagesmutter. Warum?
Ich betreue seit etwa 37 Jahren Kinder. Darunter sind neben den Tageskindern auch Pflegekinder. Nach der Geburt meines ersten Kindes mit 23 Jahren habe ich versucht, weiterhin mit Kindern von zu Hause aus zu arbeiten. Die Aufnahme von Tageskindern war eine gute Möglichkeit dazu. Zurzeit betreue ich zwei Tageskinder und zwei Pflegekinder. Dem Tageseltern-Verein Hinterthurgau bin ich seit meinem Zuzug vor zwei Jahren angeschlossen.

Was muss man erfüllen, um als Tagesmutter zu arbeiten?
Als gelernte Kinderkrankenschwester hatte ich gute Voraussetzungen. Ein Beruf im sozialen Bereich wird aber nicht gefordert. Vor allem sind Flexibilität, Belastbarkeit und Zuverlässigkeit gefragt. Man muss Freude an der Arbeit mit Kindern haben sowie seine Familie öffnen können. Um als Tagesmutter zu arbeiten, habe ich nach einem Gespräch mit der zuständigen Vermittlerin des Tageseltern-Vereins Hinterthurgau den obligatorischen Grundkurs sowie den Nothelferkurs für Kleinkinder absolviert.

Was sind die Vorteile, einem Tageseltern-Verein angeschlossen zu sein? 
Für mich bedeutet dies eine Absicherung für beide Seiten, also für Eltern und Tagesmutter. Im Betreuungsvertrag ist alles klar geregelt. Weiterhin habe ich einen Arbeitsvertrag mit dem Verein, der monatlich die Lohnabrechnung erstellt und die obligatorischen Sozialabgaben abrechnet. Toll finde ich die Unterstützung bei allfälligen Problemen und Fragen.

Wie sieht es aus mit Fortbildungen und Unterstützung?
Vom Tageseltern-Verein und auch anderen Organisationen aus werden regelmässig Schulungen angeboten. Eine Weiterbildung pro Jahr ist obligatorisch und wird vom Verein bezahlt. Diese Weiterbildungen halten mich nicht nur auf dem neusten Stand, sondern sind auch immer eine gute Gelegenheit, sich mit anderen Tagesmüttern auszutauschen und für die eigene Familie zu profitieren. Mit der für mich zuständigen Vermittlerin des Tageseltern-Vereins gibt es ebenfalls regelmässig Gespräche.

Wie sieht der Alltag einer Tagesmutter aus? 
Die Kinder werden bei mir ab etwa 7 Uhr morgens oder nach Vereinbarung gebracht. Mein Tagesablauf passt sich dem der Kinder an. Die Bedürfnisse des Kindes werden im Vorfeld besprochen, zum Beispiel der Schlafrhythmus. Es wird gespielt, gebastelt, gemeinsam gekocht, wie in anderen Familien auch.

Welche Erfahrungen haben Sie als Tagesmutter schon gemacht? 
Die Arbeit als Tagesmutter habe ich bis jetzt immer als positiv erlebt. Oft entstehen langjährige Beziehungen zu den Tageskindern und deren Eltern. Mit der Zeit habe ich viele Erfahrungswerte gesammelt. So sind die Kinder montags immer recht müde und müssen sich erst wieder an den Wochenrhythmus gewöhnen.

Was schätzen die Eltern der zu betreuenden Kinder besonders, wenn sie sich für das Modell der Tagesfamilie entscheiden?
Ich denke, eine Tagesmutter ist flexibler, zum Beispiel mit Bring- und Abholzeiten. Auch wenn das Kind krank ist und Fieber hat, darf es nach Rücksprache gerne gebracht werden. Es gib keine fixen Betriebsferien. Die Bezugsperson wechselt nicht, dadurch entsteht ein intensiver Kontakt. Da das Kind in den normalen Familienalltag integriert wird, kommt es auch mit Haustieren in Kontakt. Die Eltern haben anfangs oft Mühe, ihr Kind bei der Tagesfamilie abzugeben. Die Kinder fühlen sich jedoch schnell zu Hause und geniessen den Kontakt mit der Tagesfamilie. Ein Gespräch und das Vertrauen zwischen Mutter und Tagesmutter lösen dieses Problem meistens schnell.

Eigene Kinder und Tageskinder: Geht das zusammen? 
Meine eigenen Kinder hatten immer viel Freude am Kontakt mit den Tageskindern. Sie waren es sich von Anfang an gewöhnt. Es bleibt auch noch genug Zeit für die eigenen Kinder. Das Sozialverhalten wird dabei gestärkt. Natürlich werden alle Kinder gleich behandelt. Allerdings sollte man keine Tageskinder aufnehmen nur als «Gspänli» für die eigenen Kinder. Die Freude an der Betreuung soll im Vordergrund stehen. Bei einer sorgfältigen Vermittlung sollten keine Probleme entstehen.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf? Was ärgert Sie?
In meinem Beruf wird es mir nie langweilig. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen. Es ergeben sich viele neue Kontakte, im Verein, mit den Eltern und mit andern Tagesmüttern. Die Arbeit mit Kindern hält mich jung. Es kommt vor, dass die Eltern die Abholzeiten nicht einhalten und beim Abholen vergessen, dass ich auch «Feierabend» habe. Am liebsten möchten sie noch bleiben und plaudern.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft dieses Berufes? 
Eine bessere Anerkennung des Berufs. Es bedeutet nicht einfach «Kinder hüten», sondern betreuen. Die Tagesmütter sind qualifiziert, und die Qualität wird laufend überprüft, wie in jedem anderen Beruf auch. Es gibt immer mehr Vorschriften und Regeln im Bereich der ausserfamiliären Betreuung. Ich würde mir wünschen, einfach wieder mehr den «gesunden Menschenverstand» walten zu lassen.

Wer sich für den Beruf der Tagesmutter interessiert oder Kinder in einer unserer Tagesfamilien betreuen lassen möchte, kann sich unter www.tev-htg.ch informieren.