Die neue Realität ist voll von Plexiglasscheiben – ob nun beim Detailhändler an der Kasse, dem Bäcker oder im Restaurant. Zwei Meter hoch und eineinhalb Meter tief sind zum Beispiel die Trennwände im Café Hirschy. Deren 15 wurden innert weniger Tage von der Kirchberger Firma Syma produziert, so dass die Vorgaben des Bundes an der Oberen Bahnhofstrasse 25 eingehalten werden können. Das Hirschy steht stellvertretend für manch anderes Café oder Restaurant in der Region, wo es nun ähnlich aussieht.

Die bange Frage war am Montag vor der Öffnung: Rechnen sich die getätigten Investitionen? Nach knapp einer Woche ist ein erstes Fazit möglich. Während bei mehreren Restaurants der Stadt zu hören ist, es sei spürbar weniger los als vor dem Lockdown, hat Andreas Studer, Leiter des Café Hirschy, Positiveres zu berichten. Er sagt: «Die Besucherzahl entspricht unseren Erwartungen. Die Stammgäste sind sofort wiedergekommen. Bei uns ergänzen sich Café und Laden. Ob nur das Café rentabel wäre über die Länge der Zeit, wird sich weisen. Zusammen mit den Aussenplätzen auf der Terrasse, die wir bei schönem Wetter anbieten können, aber schon», sagt Studer. Konkrete Zahlen werden nicht kommuniziert.

Warum das Personal keine Maske trägt

hallowil.ch macht den Selbstversuch und nimmt einen Kaffee im Hirschy. Den ersten Moment, den ersten Anblick muss man gewiss setzen lassen und sich ins «Kabäuschen» trauen. Sitzt man aber erst einmal in diesem und nimmt das Gespräch über Gott, die Welt und die Auswirkungen der Corona-Pandemie Fahrt auf, sind die Scheiben plötzlich weg – gefühlt. Schnell fällt auf, was auch in anderen Restaurants ersichtlich ist: Das Servierpersonal trägt keine Schutzmasken. Im Hirschy steht es allen frei, solche zu tragen. «Masken liegen bei uns bereit. Das Arbeiten ist aber angenehmer ohne und bei Brillenträgern würde es die Gläser beschlagen», sagt Studer.

Der Chef des Café Hirschy bringt wenig Verständnis dafür auf, dass gewisse Berufskollegen bereits am Montag – dem Tag der Öffnung – den Stab über den Schutzkonzepten und somit der neuen Realität gebrochen haben. Dafür kann er verstehen, dass nicht alle ihr Lokal aufsperrten. «Es kommt auf die räumlichen Gegebenheiten an. Wir haben bei uns das Glück von grossen Räumen und einer guten Lüftung, die nur mit Frischluft betrieben wird», sagt Studer.

Und wie hat das Hirschy die Corona-Krise überstanden? Die Antwort gibt Andreas Studer im untenstehenden Kaffee-Video-Talk durch die Plexiglasscheibe. Herzlich willkommen in der neuen Realität.

Im Video: So trinkt man Kaffee im Mai 2020

 
Video: Mykhailo Zinchenko