In der Stadt Wil bieten drei Kindertagesstätten Betreuung von Kindern ab drei Monaten an. Die Betreuung in den Kindertagesstätten Wil und in der Kindertagesstätte KiTs ist einkommensabhängig durch die Stadt subventioniert. Dazu hat die Stadt mit den beiden Kitas Leistungsvereinbarungen abgeschlossen. Das Subventionssystem und die Tarife wurden per 2009 mittels Parlamentsbeschluss festgelegt. Der Verein Tagesfamilien Wil und Umgebung vermittelt und begleitet Tagesbetreuungsplätze. Mit dem Verein Tagesfamilien besteht eine Leistungsvereinbarung. Die Betreuung wird ebenfalls einkommensabhängig durch die Stadt subventioniert. «Im Jahr 2019 wurden die Tarife für die beiden Kitas und die Tagesfamilien mit insgesamt 588 105 Franken subventioniert», heisst es in einer Medienmitteilung der Stadt Wil. Soweit zur Ausgangslage.

Wie der Wiler Stadtrat in der Beantwortung der Interpellation «Vereinbarkeit von Beruf und Familie – zahlbare Kinderbetreuung in der Stadt Will» festgestellt hat, «sind die aktuell geltenden Tarife insbesondere für die Betreuung im Vorschulalter für viele Familien hoch bis sehr hoch». Aus diesem Grund solle das heutige Subventionsmodell bei den Kindertagesstätten und beim Verein Tagesfamilien einer Überprüfung unterzogen und angepasst werden. Ziel sei es, die Familien stärker zu entlasten und die Familientarife senken zu können. «In der Stadt Wil sollen ausreichend bezahlbare Betreuungsplätze vorhanden sein», wird im Bericht und Antrag an das Stadtparlament informiert. Das bedeutet: Die Maximaltarife sollen so ausgestaltet sein, dass die Anbieter ihre Betriebskosten für ein qualitativ gutes Angebot decken können.

Noch mehr Herausforderungen

Doch in der Stadt Wil ist nicht nur die Höhe der Elterntarife eine Herausforderung. Daneben reihen sich im Subventionssystem der schul- und familienergänzenden Kinderbetreuung eine Vielzahl von Herausforderungen, welche mit dieser Vorlage angegangen werden sollen. So unterscheiden sich die Subventions- und Tarifsysteme im Vorschulbereich (Kitas, Tagesfamilien, Spielgruppen) gegenüber den Bestimmungen der Tagesstrukturen der Wiler Schulen. «Bei den schulischen Angeboten wird die Administration durch die Stadt erledigt, während die privaten Anbieter im Vorschulbereich für die Administration zuständig sind», heisst es. Eine weitere Herausforderung vor der man vor allem in der Schweiz steht: «Es bestehen erhebliche Fehlanreize und Schwelleneffekte beim Steuersystem und bei den Bedarfsleistungen, insbesondere dann, wenn mehrere Kinder extern betreut werden.» Es sei möglich, dass sich die Ausweitung oder Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gar nicht lohne, da am Ende weniger Einkommen zur Verfügung stehe, als zuvor. Die Problematik stelle sich insbesondere bei den Kitas. 

Tarifsystem der Kitas soll prioritär angepasst werden

Aufgrund der beschriebenen Herausforderungen ergeben sich für die Stadt Wil verschiedene Zielsetzungen. «Die Stadt Wil unternimmt zusätzliche Anstrengungen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern und die Anbieter von familienergänzenden Angeboten in ihrer Aufgabenerfüllung zu unterstützen», wird betont. Konkret heisst das: Die Subventions- und Finanzierungssysteme der familien- und schulergänzenden Angebote sollen vereinfacht, die Subventionierung verstärkt, die Schwelleneffekte gesenkt, die Elterntarife gesenkt, der kostendeckende Tarif erhöht, die Administration bei den Anbietern reduziert und die Angebote, wo nötig ausgebaut werden. Weiter sollen beispielsweise die Subventions- und Tarifsysteme der verschiedenen familien- und schulergänzenden Betreuungsangebote auf dem Stadtgebiet aneinander angeglichen werden. «Aufgrund der Komplexität und des deutlichen Handlungsbedarfs soll das Subventions- und Tarifsystem der Kitas prioritär angepasst werden», heisst es im Bericht des Wiler Stadtrats. Es sei eine gewisse Vereinheitlichung des Tarifsystem der Kitas mit dem Tarifsystem der Tagesstrukturen geplant. 

Doch wie sieht der Fahrplan für das neue Tarifsystem aus? «Das neue Tarifsystem soll auf das neue Schuljahr 2021/22, also per 1. August 2021 umgesetzt werden», heisst es im Bericht des Stadtrates. Dazu sei es notwendig, dass die neuen Tarife per Februar/März 2021 bekannt seien und den Eltern kommuniziert werden können. (pd)