Wie im öffentlichen Verkehr ist auch bei den Taxifahrern wegen der Corona-Krise die Frequenz und somit der Umsatz drastisch eingebrochen. Obwohl sie noch arbeiten dürfen, gibt es kaum mehr Einnahmen. Der Bundesrat hat aber vor einigen Tagen angekündigt, dass es nun auch Unterstützung für Taxifahrer geben werde.

In einem Artikel, der am vergangenen Wochenende auf hallowil.ch publiziert worden ist (siehe unten), fordern die Taxifahrer Unterstützung durch die Stadt Wil. Doch diese wiegelt nun ab – und fällt somit die gleiche Entscheidung wie die meisten hallowil.ch-Leser in einer Umfrage. Von den über 500 Personen, die bei der Abstimmung mitgemacht haben, finden nur gerade elf Prozent, dass die Stadt finanzielle Unterstützung leisten sollte.

hallowil.ch hat bei Cristina Roduner von der Stadt Wil nachgefragt. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten in der Wiler Taxi-Diskussion.

hallowil.ch: Hat die Stadt Wil ein Interesse daran, dass weiterhin Taxis am Taxistand für Fahrten bereitstehen?
Der Öffentliche Verkehr wurde bereits aufgrund der geringeren Nachfrage eingeschränkt. Sofern eine entsprechende Nachfrage besteht, hat die Stadt Wil weiterhin Interesse dran, dass die Mobilität auch mittels Taxibetrieb sichergestellt ist.

hallowil.ch: Gibt es Überlegungen, die Wiler Taxiunternehmen zu unterstützen?
Unterstützungsmassnahmen werden von Bund und Kantone in die Wege geleitet. Es ist damit zu rechnen, dass auf Stufe Bund und Kanton weitere Massnahmen folgen. Separate finanzielle Unterstützungsmassnahmen von der Stadt sind derzeit nicht angezeigt.

hallowil.ch: Wie sieht es mit den Bewilligungen aus? Müssen Taxiunternehmen diese weiterhin bezahlen?
Die Bewilligungsgebühren für 2020 wurden bereits in Rechnung gestellt und sind von einigen Betrieben bereits bezahlt worden. Aktuell werden keine Mahnungen versendet. Es ist derzeit in Prüfung, ob einige Taxiunternehmen die A-Bewilligung temporär bei der Stadt deponieren können und die Gebühren in dieser Zeit anteilsmässig zurückerstattet werden.

hallowil.ch: Ist die Stadt Wil bereit, Hygienemassnahmen wie eine Plexiglaswand, Desinfektionsmittel und Schutzmasken im Taxi finanziell zu unterstützen?
Hygienemassnahmen sind direkt durch die Unternehmungen zu treffen. Branchenspezifische Kommunikationsmassnahmen erfolgen nicht durch die Stadt. Es wird davon ausgegangen, dass die Hygienevorschriften bereits zum jetzigen Zeitpunkt vollumfänglich eingehalten werden.

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Wiler Taxi-Fahrer warten auf Hilfe (4.4.)

«Hinten reinsitzen», sagt Kemal Ilazi zu einem jungen Mann, der soeben mit dem Zug angekommen ist und nun mit dem Taxi nach St.Gallen will. Sicherheitsabstand muss sein. Es ist sein erster Gast an diesem Tag und dann gleich so ein «dicker Fisch». Doch nicht nur das Vorhaben, mit dem Taxi von einem IC-Bahnhof zum anderen gelangen zu wollen, mutet seltsam an. «Darf ich rauchen?», fragt der junge Mann bevor er einsteigt. Darf er natürlich nicht und Taxifahrer Ilazi schiebt sicherheitshalber gleich noch hinterher, dass er vorher bezahlen muss.

Wählerisch können sie derzeit nicht sein, die Wiler Taxifahrer. Dass die Wirtschaft zur Eindämmung des Coronavirus heruntergefahren wurde und der Personenverkehr deshalb stark reduziert ist, bekommen sie mit voller Wucht zu spüren. Isni Idrizi und Pius Schwendimann schauen hinterher, wie Kollege Ilazi losfährt. «Meine Fahrten sind in den vergangenen zwei Wochen praktisch auf Null zurückgegangen», sagt Idrizi. Laufkundschaft gebe es sowieso fast keine mehr und auch seine Stammkundschaft fährt kaum mehr mit ihm. Das liege daran, dass sie vorwiegend aus älteren Leuten, also aus Angehörigen der Risikogruppe besteht, die nun weitgehend zuhause bleiben. Bevor er losgefahren ist, hat Ilazi die letzte Nacht in einem Satz zusammengefasst: «Ich habe das Auto 7 Stunden lang nicht bewegt.» Im März habe er rund 500 Franken verdient. «Das ist weniger als 10 Prozent von einem normalen Monat», so Ilazi.

Keine Antwort von der Bank

Pius Schwendimann ist Sprecher des Wiler Taxi-Gewerbes. Er führt einen Taxibetrieb mit 6 Autos und 10 Angestellten und fürchtet derzeit um seine Existenz. Auch er spricht von 10 Prozent des normalen Umsatzes, die derzeit an einem guten Tag noch möglich seien. Bei seiner Hausbank hat er um einen Kredit von 50'000 Franken gebeten. Das sind zehn Prozent seines Jahresumsatzes, wie vom Bundesrat für die Vergabe der Überbrückungskredite vorgesehen. Eine Antwort bekam er bisher nicht. «Der Bundesrat hat angekündigt, dass die Kredite schnell unkompliziert vergeben werden, zuerst an die Banken und von dort an die Betriebe», sagt Schwendimann. Bisher spüre er davon noch nichts. 

Dabei seien Taxis mit A-Bewilligung, also solche die am Taxistand auf Gäste warten dürfen, in Wil verpflichtet, 24 Stunden am Tag für Fahrten erreichbar zu sein. Damit er den Betrieb weiterführen könne, brauche er möglichst schnell den Notkredit, sagt Schwendimann. «Dann könnte ich Löhne und Rechnungen weiterzahlen.» Zudem seien 25'000 Franken Mehrwertsteuer offen. Für ihn selber blieben derzeit nicht mehr als 1000 Franken im Monat übrig.

Coronatests sorgen für Einnahmen

«Noch über Wasser halten mich nur die Kurierdienste», sagt Schwendimann. Jeweils am Mittag und am Abend liefert er zum Beispiel Laborproben von Spitälern und Arztpraxen zur Auswertung in ein Labor in Goldach. Dank Coronatests boome wenigstens der sekundäre Geschäftszweig des Unternehmens.

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Ihre Aufträge sind praktisch auf Null zurückgegangen: Die Taxifahrer Isni Idrizi und Pius Schwendimann (rechts).

Auch die Taxifahrer fühlen sich manchmal unsicher – auch wenn sie ihre Fahrgäste bitten, auf der Rückbank Platz zu nehmen. Er habe auch schon eine Frau mit Mundschutz zur Abklärung ins Kantonsspital Frauenfeld gefahren, sagt Schwendimann. Seine Autos sind auch Teil des Taxi-Netzes von Rettung St.Gallen und fahren unter anderem Patienten aus Seniorenheimen oder den psychiatrischen Kliniken Wil und Littenheid ins Spital.

Mehr Gäste dank Plexiglas-Trennwänden und Schutzmasken?

Während die beiden Taxifahrer darüber diskutieren, wie in Zeiten von Corona mehr Leute ins Taxi gelockt werden könnten, klingelt Schwendimanns Telefon. Es geht um eine Fahrt nach St.Gallen am nächsten Tag. Gesprächsfetzen wie «Wenigstens wird es keinen Stau haben, das ist ein Vorteil der Coronakrise» oder «Er ist nicht ansteckend, oder?» fallen. Schwendimann glaubt, dass es helfen würde, wenn die Taxis ihren Fahrgästen Hygienemassnahmen wie Plexiglas-Trennwände, Desinfektionsmittel und Schutzmasken bieten könnten. Und wenn dies den Fahrgästen bekannt wäre. 

Die Stadt könnte helfen, meint der oberste Wiler Taxifahrer: «Sie könnten uns bei der Anschaffung finanziell unterstützen und die Hygienemassnahmen kommunizieren.» Kollege Idrizi ist skeptisch. Er glaubt, dass das Taxigeschäft nur zusammen mit der ganzen Wirtschaft wieder zum Laufen kommt. «Wir hängen davon ab, dass die Leute arbeiten, ins Kino und in den Ausgang gehen.» Bis dahin hoffen die Wiler Taxifahrer, dass nach den jüngsten Ankündigungen des Bundesrats endlich Notkredite gesprochen werden.