Die Tradition lebt und aus Wil ist Narrenwyl geworden. Mehrere Tausend Leute drängten sich auf den proppenvollen Hofplatz. Wohl um die 3500 Leute dürften es gewesen sein, mutmasst Oliver Baumgartner an seiner letzten Fastnacht als Präsident der Wiler Fastnachtsgesellschaft (FGW). Um die 250 junge und jung gebliebene Tüüfel stürmten zu Beginn aus dem Hof, ganz nach fastnächtlicher Tradition. Wobei es die meisten ziemlich gemächlich angingen. Sie liessen es sich nicht nehmen, mit den «Sublotre» manch einem einen Schreck einzujagen oder die häufig selbst gemachten Masken zu präsentieren.

Ganz allgemein schwebte über dem diesjährigen Gümpelimittwoch ein besonders teuflischer Hauch. Denn die Wiler Tüüfel feiern heuer das 425-jährige Bestehen.

Im Video: Die besten Bilder aus Narrnewyl

 
So teuflisch ging es am Gümpelimittwoch zu und her auf dem Hofplatz. (Video: Thomas Lemmenmeier)

Schnitzelbänke in vier Restaurants

Als dann in der Bulle so ziemlich jeder und jede in der Öffentlichkeit stehende Person von Herold Michael Sarbach sein Fett abbekommen hatte, war Zeit für den dritten Nachtumzug mit Formationen aus Nah und Fern. Mit dem Ende des offiziellen Teils war der Abend aber noch längst nicht gelaufen. Bereits zum siebten Mal fand ein Schnitzelbankabend statt. Chilämüüs, Tüüfelsbrünzler, Thurgeiger, Chäferfresser und Nachtwächter nahmen im Hof, der Falkenburg, dem Freischütz und dem El Pincho ebenfalls so Manchen und Manches aufs Korn.

Der Abend zeigte eindrücklich: So sehr gewisse Guggenmusiken um Mitglieder kämpfen, so sehr lebt die Wiler Fastnachts-Tradition. In diesem Sinne: Huh a Lotsch. Wir von hallowil.ch begleiten die Wiler Fastnacht weiter, werden über den Bürgertrunk berichten, den neuen Hofnarr vorstellen, am Hofnarrenball dabei sein – und selbstverständlich auch am grossen Umzug am Sonntagnachmittag.

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Die Fastnächtler stürmen das Rathaus:

Mit Pauken und Trompeten – und jeder Menge Konfetti stürmten die Wiler Fastnächtler um kurz nach 16 Uhr in den obersten Stock des Wiler Rathauses. Also dort, wo die Wiler Stadtregierung tagte. Mit gewohnt wenig Widerstand liess sich der Stadtrat das Zepter entreissen – wie es die Wiler Fastnachtstradition vorsieht.

Doch was haben die Fastnächtler nun vor? Ein dreipunktiges Legislatur-Ziel wurde genannt, das bis nächsten Dienstag erreicht werden soll. E-Bike-Taxis soll es geben zwischen der Altstadt und dem Stadtweier – abwärts womöglich via Schwerttreppe. Zudem soll die Stadt Wil zur grössten autofreien Zone das Kantons werden. Konkret: Es wird gar nicht mehr Auto gefahren in der Äbtestadt. Und es soll ein Public Gardening mit Küchenkräutern, Früchten und Gemüse auf allen öffentlichen Grünflächen der Stadt Wil ermöglicht werden – Schwanen-Kreisel inklusive.

Bevor Susanne Hartmann aber abdankte, konnte sie sich Seitenhiebe gegen ihre Stadtratskollegen nicht verkneifen – in Reimform:

 
Jeder Stadtrats-Kollege bekommt von Susanne Hartmann sein Fett ab.

Und auch Herold Michael Sarbach suchte nach dem einen oder anderen Seitenhieb:

 
Herold Michael Sarbach läuft schon mal warm für die später folgende Bullen-Verlesung.

Somit die die Fastnacht 2020 in Wil eröffnet. Weiter geht es am Gümpelimittwoch-Abend ab 19.02 mit dem Tüfels-Auszug und dem Verlesen der Bullen. hallowil.ch wird das närrische Treiben weiterhin verfolgen und noch heute Abend berichten. Zudem werden um 19.30 Uhr die Bullen aufgeschaltet.