Kürzlich zeigte die Senioren-Theatergruppe „Silberfüchse Toggenburg“ ihr Stück „Theaterfieber“zum letzten Mal. Mit grossem Erfolg. Nächstes Jahr feiern die Füchse ihr 25-jähriges Bestehen.Die Dernière im vollen Wattwiler Thursaal war ein Ereignis. Mit ihrem bisher neuesten Stück „Theaterfieber“ sind die theaterspielenden Seniorinnen und Senioren mehr als ein Jahr durch die ganze Ostschweiz getourt. Sie traten dabei in Senioren-Zentren auf, an kirchlichen Veranstaltungen, aber auch im Wildhauser Zeltainer oder Wattwiler Thurparksaal.

Es war offensichtlich, dass sich viele die letzte Gelegenheit, das Erfolgsstück zu sehen, nicht entgehen lassen wollten. Insgesamt haben es die Füchse mit ihrem jüngsten Stück „Theaterfieber“ auf 35 Aufführungen gebracht. Dabei stiessen sie auch dieses Jahr wieder auf viel Interesse und Applaus, und dies seit nunmehr 24 Jahren. Nächstes Jahr ist somit Jubiläumsjahr. Dann feiern die Silberfüchse ihr 25-jähriges Bestehen.


Kleine Anfänge
Dabei fing alles klein an. Am Anfang war ein Inserat, wie Annalis Reich, Gründungs- und Ehrenmitglied der Silberfüchse, berichtet: „Einige initiative Theaterbegeisterte suchten auf dem Inseratenweg Gleichgesinnte für den Aufbau einer Senioren-Theatergruppe.

Am Anfang waren wir nur zu fünft! Dann haben alle noch selbst aktiv weitergeworben. Denn für einen Verein, so sagte man uns damals, braucht es schon mindestens 15 Leute“. Inzwischen sind es über 30 Mitspielende geworden. Aber auch Maske, Kostüme, Kulissen (und deren Transport) gehören dazu. Die Silberfüchse arbeiten seit ihrem Beginn nach der Devise: Alle machen (nach Möglichkeit) alles.

Der Zusammenhalt macht’s
Annalis Reich betont die Wichtigkeit des Zusammenhalts. „Darauf haben wir immer grosses Gewicht gelegt“. Präsidentin Astrid Brandner liess es sich denn auch am Schluss der Dernière nicht nehmen, sich bei den Beteiligten, auf, hinter und vor der Bühne, herzlich und persönlich zu bedanken, ganz gleich ob sie nun eine Hauptrolle spielten, Flyer gestalteten oder soufflierten.

Auf die Frage, ob es denn bei der Rollenverteilung nicht auch gelegentlich zu Eifersüchteleien komme, winkt die langjährige Silberfüchsin lachend ab: „Aber nein, das gibt es bei uns nicht. Unsere Rollen sind ja immer doppelt besetzt, manchmal sogar dreifach. Es macht uns Freude zu sehen, was die verschiedenen Talente aus ihrer Rolle machen. Da haben alle ihren Spielraum.“

Berechtigter Stolz
Die Dernière vereinigte noch einmal alles, was die „Silberfüchse“ seit Anbeginn ihres Wirkens auszeichnet: Situationskomik mit Hintergrund, gut verständliche Sprache und viel Spielfreude. Sie ist nach eigenen Aussagen von Mitgliedern wichtiger Teil ihres Erfolgs, seit Anbeginn.

Präsidentin Astrid Morger denkt, dass sich diese Freude auch auf das Publikum überträgt: „Die Zuschauenden sehen und erleben, dass wir etwas Gefreutes zustandebringen. Das macht auch ihnen Mut.“ Das passt gut zur Überzeugung von Regisseur und Mitbegründer Edgar Morger: „Es soll in unseren ja durchweg heiteren Stücken immer auch etwas Realität im Spiel sein. Die Leute wollen, wenn sie unsere Stücke sehen, auch einen Teil ihres eigenen Lebens wiederfinden.“

Spiel im Spiel
Das Stück „Theaterfieber“ aus der Feder von Ruth Kummer-Burri gehört schon rein spielerisch zu den anspruchsvolleren. Die Hauptfigur, Lisa Bürki, fürchtet sich vor Isolation und Langeweile im Altersheim. Wie sie ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter gegenüber sagt, die sie nach eigenen Worten im Altersheim „parkieren“ wollen, komme sie sich hier vor „wie im Wartesaal auf den eigenen Tod“.

Ein initiativer Mitbewohner und dessen Freund verlocken die Neuangekommene zum Mitspielen bei einer entstehenden Theateraufführung im Haus: „D’Badekur“. Das Stück im Stück enthält eine klare Botschaft: Die wirkliche Kur für ältere Menschen liegt (wie übrigens bei den jüngeren auch!) an Initiative, Kreativität und Lebensfreude.

„Du wirst gebraucht!“
Neben vielen Gelegenheiten zum Lachen oder Schmunzeln setzt das Stück auch eine kritische Note gegenüber dem vielerorts praktizierten reinen „Aktivismus“, wie er nach den Worten einer Mitspielerin in manchem Seniorenheim gepflegt wird: Vom Morgen bis am Abend jagen sich Termine für die verschiedensten Ateliers, vom Memo-Training bis zum Webrahmen. Nur das eine fehle oft, das Wichtigste: Echtes Mitwirken-Können, das Gefühl „dass es dich braucht.“

Jubiläumsjahr 2019
Bereits laufen nun schon die Proben für das neue Stück, das Jubiläumsstück. Die Füchse haben es bei ihrer „Hausautorin“, der Kirchbergerin Rösly Baumgartner-Strässle, in Auftrag gegeben. Es hat den Titel „Die letscht Beiz im Lindequartier“, auch wieder mit der gewünschten Mischung von Humor und Ernst. Uraufführung ist am 30. November 2018 im Chuchitobel Wildhaus.

Wie Regisseur Edgar Morger, auch er verdienter „Veteran“ der Truppe, erklärte, wünscht er sich aus Anlass des Jubiläums „ eine weiterhin so aufgestellte Truppe, der es Spass macht Theater zu spielen“. Auch hoffe er, dass weiterhin Frauen und vor allem auch Männer Freude haben, bei den Füchsen mitzumachen. Dies dürfte eintreffen. Im letzten Jahr war nicht nur eine schöne Zahl von Neueintritten zu begrüssen sondern Neue spielten auch mit Begeisterung und Talent mit, darunter auch zwei Männer.