Auf einer Kieshalde reifen Walderdbeeren, benachbarte wilde Brombeeren sind im Blühstadium, sie werden von Bienen angeflogen. Kleine Spinnen krabbeln eilends über das Kies und suchen rasch die nächste Deckung auf.

Die Vertiefungen im Gelände sind mit braugefärbtem Wasser gefüllt, es sind die Nachwirkungen der heftigen Regenfälle den letzten Tagen. Das Vogelgezwitscher mischt sich mit dem Motorengeräusch eines Radladers.

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Auf einer Halde reifen Walderdbeeren, ansonsten gedeiht kaum Vegetation in der Kiesgrube. 


Belagspflege

Die schweren Baumaschine greift mit ihrer Schaufel sandigen Kies und verlädt ihn auf einen Transportlastwagen. Mit ihm werden die Oberflächen von Waldstrassen ausgebessert. «Nur wir selber dürfen hier Kies für den Eigenbedarf abbauen, und keinen Handel damit treiben», stellt Förster Renaldo Vanzo klar. «Für den Abbau benötigen wir eine Bewilligung des Kantons.»

Was für Laien wie ein normaler Kiesabbau aussieht, ist für den Leiter des Forstbetriebs der Ortsgemeinde Wil eine wichtige ökologische Massnahme.

Seltene Lebensräume

Sozusagen ein nützlicher Nebeneffekt ist die Pflege des «dynamischen Biotops», wie es Förster Vanzo nennt. Durch den Kiesabbau wird die Struktur des Areals verändert. Damit entstehen Kinderstuben und Lebensräume für verschiedene Tierarten.

«Diese kaum bewachsenen Standorte sind sehr selten geworden und sind für verschiedene Kleinlebewesen sehr wichtig», betont Vanzo. «Vor zwei, drei Jahren hatten wir hier eine sehr selten vorkommende Gelbbauchunke.»

Er deutet auf die Bruchlinie an der Oberkante der Kiesgrube: «Solche Bereiche werden gerne vom Eisvogel als Brutplatz genutzt.»

Der Waldfachmann deutet auf eine Stelle seitlich der Kiesgrube, dort wuchern verschiedene Sträucher. «Wenn kein Kies abgebaut wird, passiert dies.» Nach und nach siedeln sich Pflanzen an und bringen so den vegetationslosen Trockenstandort zum Verschwinden. Damit verlieren etwa Reptilien ihr Refugium.

Jungvögel

Wie Renaldo Vanzo weiter betont, werde der alljährliche Zeitpunkt zum Kiesabbau genau gewählt. «Wir achten darauf, ob sich noch Kaulquappen in den Tümpeln befinden. Falls ja, wählen wir eine andere Fahrspur für den Kiestransporter.»

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Die Geländeveränderungen durch die schweren Baumaschinen führen zu neuen Lebensräumen für verschiedene Arten von Kleintieren. 

Der Frühsommer sei eine sehr geeignete Zeit für die Ausbesserung der Waldstrassen. «Holzen können wir nicht, jetzt sind die Jungvögel in den Bäumen.»

Witterungseinflüsse

In Kürze werden der Radlader und der Kiestransporter ihre Arbeit beendet haben, dann dient die Kiesgrube wieder für ein Jahr ungestört den Eidechsen, Salamandern, Molchen, Blindschleichen, Vögeln, Mäusen, Käfern, Bienen und Faltern als Rückzugsort. Hochsommerliche Hitze, Platzregen, Wind und Frostnächte werden ihren Lebensraum mitgestalten.