Es klingt nach einer Szene in einem Vorabendkrimi: Das Telefon klingelt, die Rentnerin hebt den Hörer ab und eine unbekannte Stimme erklärt, man brauche dringend viel Geld. Dieses Mal handelt es sich nicht um den berühmt-berüchtigten Enkeltrick, sondern um einen sogenannten «Schockanruf», wie die Kantonspolizei Thurgau am Montag meldet.

Was war geschehen? Kurz nach 10 Uhr morgens habe die 82-Jährige einen Telefonanruf von einer Frau erhalten, die sich als Verwandte ausgab. Diese hätte angegeben, dass der Sohn der Angerufenen einen Verkehrsunfall verursacht habe und eine Person verstorben sei. Damit der Sohn aus der Haft entlassen werde, sei eine Kaution in der Höhe von mehreren zehntausend Franken fällig. Das Geld werde bei ihr zu Hause abgeholt.

Zum Schein auf Forderung eingegangen

Die Seniorin habe richtigerweise einen Betrugsversuch vermutet, sei aber zum Schein auf die Forderung eingegangen und habe über einen – echten – Angehörigen die Kantonspolizei Thurgau informiert. Einsatzkräfte hätten dann kurz nach dem Mittag den Geldabholer festnehmen, dabei handele es sich um einen 42-jährigen Mann. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei seien angelaufen und die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen habe eine Strafuntersuchung eröffnet. Dabei werde unter anderem abgeklärt, ob der Geldabholer ebenfalls von den Betrügern getäuscht und unter einem falschen Vorwand ausgenutzt worden sei.

Schockanrufe: eher selten im Thurgau

Sogenannte Schockanrufe seien im Thurgau eher selten, würden aber nach demselben Muster wie die bekannten Maschen «Enkeltrick» oder «falscher Polizist» funktionieren. Die Geschädigten würden mit erfundenen Geschichten unter grossen Druck gesetzt und dazu angehalten, Geld respektive Wertsachen an Unbekannte übergeben.

Verhaltenstipps der Kantonspolizei Thurgau:

  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen.
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, auch wenn angeblich grosse Eile geboten ist.
  • Lassen Sie sich nicht durch Telefonnummern auf Ihrem Telefondisplay in die Irre führen. Es ist technisch einfach möglich, die Nummer des Anrufenden zu verändern.
  • Im Telefonbuch ist vielfach der volle Name der Geschädigten zu finden. Wenn dieser auf eine ältere und allenfalls alleinstehende Person hindeutet, ist das für die Betrüger interessant. Überlegen Sie, ob für Sie auch eine Abkürzung möglich wäre (bspw. «E. Müller» statt «Elsbeth Müller» oder «H. Meier» statt «Hans Meier»).

Weitere Tipps und Infos gibt es auch auf der Telefonbetrug-Website der Kantonspolizei Zürich.

Betrug: Haben Sie Erfahrungen gemacht?

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