Gemeindepräsident Rolf Bosshard versuchte die 113 Stimmberechtigten, die sich am Montagabend in der Primarschul-Turnhalle eingefunden hatten, von Anfang an mit ins «Boot» zu nehmen. Man habe, als man im Juni 2016 die Geschäfte in der Gemeinde übernommen habe, ein «Erbe» vorgefunden, das aus vielen unerledigten und zugleich teuren Infrastruktur-Projekten wie Wasserreservoir, Turnhalle sowie etlichen baufälligen Strassen und Wasserleitungen bestanden habe, erklärte Bosshard. Man habe danach Stück für Stück versucht, den Investitionsstau aufzulösen, doch die grundlegende Krux sei geblieben: «Investitionen kosten nun einmal», so Bosshard.

Gestalten, nicht nur verwalten

Selbst eine klare Priorisierung der Geschäfte habe dazu geführt, dass in den letzten Jahren lediglich das Wichtigste habe erledigt werden können. «Bei der jährlichen Budgetbesprechung haben wir fertig geplante Projekte vor uns hergeschoben, aufs Eis gelegt oder erst gar nicht vors Volk gebracht», schilderte Bosshard die für die Exekutive wiederholt unangenehme Situation. Eine Erhöhung des Steuerfusses von 50 auf 58 Prozent für einige Jahre würde aber dazu führen, dass «wir unsere Gemeinde in den nächsten Jahren nicht nur verwalten, sondern auch zukunftsgerecht entwickeln könnten», warb Bosshard. Und das zum moderaten Preis, würde doch die Steuererhöhung bei einer vierköpfigen Familie mit einem Einkommen von 90‘0000 Franken ein Mehr an Steuern von nur 301 Franken ausmachen.

Biodiversität-Projekt gestrichen

In der Diskussion zeigte dann aber ganz schnell deutlich, dass der «Kapitän» die Rechnung ohne die eigene «Bootsmannschaft» gemacht hatte. Denn etliche Votanten forderten die Exekutive dazu auf, den Ausgabenkurs radikal zu ändern. Man budgetiere zu pessimistisch und spare zu wenig – so der Tenor. Und lieferte gleich einen Streichungsantrag mit. So wurde das Projekt «Vorteil Naturnah», das zur Biodiversität im Dorf hätte beitragen sollen und die Gemeinde 48‘000 Franken gekostet hätte, mit grossem Mehr aus dem Budget gestrichen Das Budget 2022 weist somit einen Aufwandüberschuss von 254‘601 Franken auf, stehen doch Nettoaufwendungen in der Höhe von 3‘897‘401 Franken Einnahmen von 3‘642‘800 Franken gegenüber. Während das angepasste Budget mit 71 Ja zu 32 Nein angenommen wurde, wurde die vom Gemeinderat anvisierte Steuerfusserhöhung mit 36 Ja zu 70 Nein abgelehnt.


Alle Kredite gutgeheissen

Eifrig diskutiert wurden – was angesichts der vorhergehenden Steuerfussdebatte nicht überraschte – auch die diversen Kreditanträge. Doch schliesslich wurden sie alle angenommen. Sowohl die Wasserleitung-Sanierung Sonnenhügel für 655‘000 Franken (grosses Mehr bei zwei Nein) als auch der Umbau des zweiten Obergeschosses im Gemeindehaus von Büroräumen in eine Wohnung für 195‘000 Franken (78 Ja, 13 Nein) wurden diskussionslos angenommen. Zu reden gaben die übrigen Kredite. Doch spiegelten sich die teilweise heftigen Voten nachher nicht wirklich im Resultat wider. Sowohl der Kredit von 230‘000 Franken für den Studienauftrag als Testplanung zum Gestaltungsplan Postacker (83 Ja, 11 Nein) als auch der Kredit zur Erstellung eines Buswendeplatzes bei der Haltestelle Tägerschen (76 Ja zu 24 Nein) liessen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.