Dieses Jahr wäre Gottfried Keller 200 Jahre alt geworden. Er zählt zu den bedeutendsten Schweizer Schriftstellern überhaupt. Das Stück «Kleider machen Leute» erschien erstmals im Jahr 1874 im zweiten Band der Sammlung «Die Leute von Seldwyla». Sie gehört zu den bekanntesten Erzählungen der deutschsprachigen Literatur und diente als Vorlage für Filme und Opern und gilt zudem als Musterbeispiel für die Stilrichtung des poetischen Realismus.

Gottfried Kellers Novelle «Kleider machen Leute» handelt vom Schneidergesellen Wenzel Strapinski, der sich trotz Armut gut kleidet. Er gelangt in eine fremde Stadt und wird dort wegen seines eleganten Äusseren für einen polnischen Grafen gehalten. Nachdem er aus Schüchternheit versäumt hat, die Verwechslung aufzuklären, versucht er zu fliehen. Doch da betritt die junge Tochter eines angesehenen Bürgers den Schauplatz. Die beiden verlieben sich ineinander, worauf Wenzel die ihm aufgedrängte Grafenrolle notgedrungen weiterspielt. Auf der Verlobungsfeier kommt es zum Skandal. Ein verschmähter Nebenbuhler sorgt dafür, dass der vermeintliche Hochstapler entlarvt wird. Wenzel flieht, seine Braut aber findet ihn, rettet ihn vor dem Erfrieren und stellt ihn zur Rede. Als sie sich davon überzeugt hat, dass seine Liebe echt ist, bekennt sie sich zu ihm und setzt die Heirat durch. Der Schneider gründet mit ihrem Vermögen ein Atelier und bringt es zu Wohlstand und Ansehen, womit sich das Sprichwort «Kleider machen Leute» bewahrheitet. «Kellers Erzählung ist eine amüsante, mit Sozialkritik angereicherte Geschichte voller Irrungen und Wirrungen, die sich auch wunderbar für die Bühne eignet», heisst es in einer Medienmitteilung der Tonhalle Wil.


Schweizer Touch im Stück

Die Autorin Dagrun Hintze hat zum 200. Geburtstag von Gottfried Keller die Novelle «Kleider machen Leute» dramatisiert und in den Western-Saloon «Zur Waage» verlegt. Die Beschriftungen an den Schiefertafeln, das Aromat in der Menage, Kägifret, Chips und Biberli im Chörbli vermitteln im Wilden Westen einen Schweizer Touch. Die neue Dramaturgin des Theater Kanton Zürich, Ann-Marie Arioli, gibt am 17. Januar 2020 um 19.15 Uhr im Kleinen Saal der Wiler Tonhalle einen Einblick in das Werk und die Inszenierung. (pd)