Die Herbsttagung des Arbeitgebervereins (AGV) der Region Wil war reich befrachtet. Der Anlass fand in der Mitgliedfirma Weber und Partner, Logistik und Bau, statt. Das auf Planung von Industrieanlagen spezialisierte Unternehmen hatte vor der Versammlung zur Betriebsbesichtigung eingeladen. An der Versammlung wurden die Vorzüge des dualen Bildungssystems hervorgehoben. Lehrabsolventen in acht Kategorien mit herausragenden Leistungen sowie der Wiler Toplehrling 2017 wurden ausgezeichnet. Wirtschaftsgang und Aussichten wurden im Ganzen positiv beurteilt.AGV-Präsident Markus Fust zeigte sich erfreut, die Herbsttagung bei einem Wiler Unternehmen durchführen zu können, das er als Leuchtturm mit nationaler und internationaler Ausstrahlung bezeichnete.

Video wirbt für Nachwuchs
Dafür, dass sie die vergangenen schwierigen Jahre mit grosser Tatkraft gemeistert hätten, sprach der Präsident den Unternehmen in der Region Anerkennung aus. Heute sei ein zaghafter Aufschwung festzustellen. Eine grosse Herausforderung stelle aber die Digitalisierung dar. Viele Branchen verfügten aber über ein beachtliches Wachstumspotenzial. Allerdings dürfe die Ausbildung von tüchtigen Nachwuchskräften nicht vernachlässigt werden.

Der Arbeitgeberverein hat Beat Schiltknecht, einen Fachmann aus Flawil, mit der Herstellung eines Werbefilms zum Thema Berufsnachwuchs und Fachkräftemangel beauftragt. Markus Fust ermunterte Mitgliedsfirmen, sich am Projekt zu beteiligen.

Gegen unnötige Vorschriften
Im Erlass von immer umfassenderen Gesetzen und Vorschriften sieht Markus Fust eine Einschränkung der unternehmerischen Freiheit. Viele neue Stellen seien im Verwaltungsbereich geschaffen worden. Damit sei die Gefahr einer Deindustrialisierung verbunden.

Markus Fust brandmarkte auch einige Entscheidungen der Wiler Behörden. So das Ansinnen, die Lerchenfeldstrasse, eine Durchgangsachse, zur Tempo-30-Zone zu gestalten, die ablehnende Haltung gegenüber einer Flixbus-Haltestelle beim Bahnhof und den 40-Millionen-Ausbau des Busbahnhofs für Busse, die schon nach wenigen Metern im Stau stünden.

Schleppende Baubewilligungen
Maurice Weber umriss die Situation der Bau- und der Logistikbranche. Baubewilligungen würden in der Schweiz oft unnötig verzögert. Das Volumen sei im laufenden Jahr um 6,7 Prozent zurückgegangen. Die Preiserwartungen der Bauunternehmen fielen aber seit dem Frühjahr 2016 wieder deutlich positiver aus. Die Anzahl an Firmen, die eine Preissteigerung erwarteten, habe sich erhöht.

Im Logistikbereich, der sich in sieben Teilmärkte aufgliedert wird ein Anstieg von 1,2 Prozent erwartet. Seit Jahren ist eine kontinuierliche Steigerung festzustellen.

Frankenüberbewertung wird kleiner
Marco Reiser von der UBS Wil beurteilte die Wirtschaftssituation weltweit und in der Schweiz. Ein starker Arbeitsmarkt, eine relativ geringe Arbeitslosigkeit sowie in Aussicht gestellte Steuersenkungen geben für die USA ein positives Bild.

China weise eine überdurchschnittliche Wachstumsrate von 7 Prozent, aber eine hohe Verschuldung auf. Die Schwellenländer profitierten von den gestiegenen Ölpreisen. Die Eurozone zeige sich optimistisch, bei einer bescheidenen, aber einigermassen konstanten Wachstumsrate von 2 Prozent.

Für die Schweiz wird 2018 ein Wachstum von 1,8 Prozent und eine Inflation von einem halben Prozent erwartet. Positiv für die Wirtschaft ist, dass die Überbewertung des Frankens gegenüber dem Euro immer kleiner wird.

Peter Läng ist Wiler Toplehrling 2017
Zum fünften Mal haben die AGV und der Gewerbeverein herausragende Leistungen bei den Lehrabschlussprüfungen prämiert. Peter Läng, Kaufmann ohne BMS (Lehrbetrieb RE/MAX Elite Wil) hat mit der Note 5,7 abgeschlossen und ist als Toplehrling 2017 ausgezeichnet worden.

Die weiteren Kategoriensieger sind: Melissa Wohlwend, Detailhandelsfachfrau (Bäckerei-Konditorei Eberle, Wil) 5.6; Julia Bürgi, Fachfrau Gesundheit (Thurvita AG, Wil) 5,5; Samantha Mäder, Kauffrau mit BMS (Panalpina St. Gallen) 5,5; Ramon Holenstein, Strassentransportfachmann (Camion Transport AG) 5,5; Josua Scheiwiller, Sanitärinstallateur (Paul Angele, Wil) 5,4; Manuel Schädler, Polymechaniker (Stihl Kettenwerk, Wil) 5,2; Corsin Roggensinger, Metallbauer (Zuber Metallbau, Wil) 5,2.

Generalplaner für Grossbauten
Gegründet wurde das Unternehmen Weber und Partner, Logistik und Bau, im Jahre 2001. Maurice Weber hat mit drei Mitarbeitern begonnen. Heute beschäftigt die Firma 70 Mitarbeitende: Bauzeichner, Architekten, Ingenieure und Kaufleute. Zum Standort Wil sind Niederlassungen in Bern und Zürich dazugekommen.

Das Firmengebäude in Wil befindet sich an der Titlisstrasse 9. Die frühere Postautogarage ist bedarfsgerecht umgebaut worden. Im Erdgeschoss befinden sich die Arbeitsplätze der Bauplaner, im Obergeschoss jene der Logistikplaner. Auch das turmartige Nachbargebäude ist benötigt und umfunktioniert worden. Wo vormals ein Bistro war, arbeiten jetzt die Bauleiter.

Das Unternehmen ist europaweit tätig. Es kommt meist als Generalplaner zum Einsatz und zwar fast ausschliesslich bei grossen Industriebauten und Anlagen. Die Arbeitsweise ist mit den Planungen von früher kaum mehr zu vergleichen. Planzeichnungen entstehen am Computer, wo sie laufend verbessert und ergänzt werden können. Ausgedruckt werden sie eher selten. Den Fachleuten stehen sie auf einem Tablet zur Verfügung. Von Hand angefertigte Modelle gehören der Vergangenheit an. Mit Virtualbrillen kann man sich die projektieren Bauten besser vorstellen und sich darin dreidimensional bewegen.