Man kann sagen, dass der FC Zuzwil Glück hatte. Wäre der Drittligist nur einen Tag später, am 11. März, in Malta angekommen, Spieler und Staff wären direkt nach der Landung für 14 Tage unter Quarantäne gestellt worden. Ohne Training, dafür mit genauen Erinnerungen an Lobby und Hotelzimmer wären die Zuzwiler zurückgekehrt. Und zuerst war zu befürchten, dass genau dieser Fall eintritt. Entsprechend seien sie im Hotel informiert worden, erzählt Petrit Duhanaj am Telefon.

Doch dann kam der Widerruf. Weil der FC Zuzwil schon am 10. März gelandet war, galt die Regelung für ihn nicht. Einem normalen Trainingslager stand also nichts im Weg. Wobei, ganz normal sei das Trainingslager dann doch nicht gewesen. «Die Jungs haben erzählt, dass sie auch im Ausgang in den Bars das Flugticket vorweisen mussten um zu beweisen, dass sie nicht in die Quarantäne gehören», so Trainer Duhanaj.

Zuzwil: Mit «humanitärem Flug» zurück

Als es dann plötzlich hiess, dass der Rückflug am Sonntag gestrichen sei, herrschte wieder für einen Moment Ungewissheit. Die Rettung kam vom Bund. Nach einem Untersuch mit Fiebermessen am Flughafen wurde der FC Zuzwil mit einem «humanitären Flug» zusammen mit dem FC Schmerikon, dem Zürcher FC Witikon und einer Frauenmannschaft einen Tag früher als geplant in die Schweiz gebracht. Das Trainingslager der zweiten Mannschaft in Valencia findet nicht statt. Weil der Flug sowieso gestrichen wurde, hoffen die Spieler, dass die Fluggesellschaft für die Reisekosten geradesteht, sagt Präsident Fabio Vitto am Telefon.

Sein Mini-Trainingslager hat der FC Uzwil auf der heimischen Rüti absolviert. Inzwischen wurde die Anlage von der Gemeinde geschlossen. Zum Teambildings-Weekend hätte der interregionale Zweitligist um Ex-FC St.Gallen-Spieler Kristian Nushi nach Barcelona gewollt, Match-Besuch im Camp Nou inklusive. Aber daraus wurde nichts mehr. Zwar wäre die Reise zu dem Zeitpunkt noch möglich gewesen, sagt Sportchef Armando Müller. Doch zu vielen Spieler sei unwohl gewesen bei dem Gedanken. Da habe man entschieden, es zu lassen.

Henau: Auf One-Way-Trip nach Prag verzichtet

Ebenfalls auf der Rüti trainiert der Drittligist FC Henau. Und wie der FC Uzwil hätten auch die Henauer ein Teambildings-Weekend verbringen wollen. Prag wäre die geplante Destination gewesen. Der Hinflug hätte noch funktioniert. Weil aber der Rückflug schon vor der Reise gecancelt worden war, erübrigte sich das weitere Abwägen, wie Trainer Arlind Sopa sagt.

Ebenfalls nach Spanien, nach Benidorm um genau zu sein, wäre die 1. Mannschaft des FC Bütschwil zum Feinschliff gereist. Der Flug wäre sogar abgehoben, sagt Trainer Ruedi Eisenhut. Aber in Spanien herrscht Ausgangssperre. «Wir sind froh, sind wir nicht gegangen, wären wir doch eh nur im Hotel rumgesessen», so Eisenhut. Wie es mit der Erstattung der Reisekosten aussieht, sei beim Viertligisten noch unklar, so Eiesenhut.

Auch Bütschwils Lokalrivale und Ligakonkurrent FC Kirchberg musste sein Trainingsweekend absagen. Die Toggenburger wären am Wochendende nach Wels in Tirol gefahren. Die dortige Gesundheitsbehörde liess die Kirchberger schon vor einer Woche wissen, dass die Mannschaft nicht mehr einreisen dürfte.

Bei Bazenheid war in Portugal noch alles gut

Ebenfalls in ein nahes Krisengebiet, ins Tessin, wäre in diesen Tagen der FC Niederstetten gefahren. Aber auch die Liga-Kollegen von Bütschwil und Kirchberg hatten keine Lust auf ein paar Tage in der Hotellobby. Nachdem klar war, dass die Trainingsanlagen geschlossen seien, habe es keinen Sinn mehr gemacht, zu gehen, sagt Spieler Roger Gämperli.

Ganz in der Nähe zu planen, erwies sich für die erste Mannschaft des SC Bronschhofen (2.Liga) als Glücksfall. Das Trainingsweekend vor einer Woche mit Einheiten in Bronschhofen am Morgen, Curling in Uzwil am Nachmittag, Fondue-Essen in der Nähe von Brülisau im Appenzell am Abend und Wandern tags darauf konnte wie geplant stattfinden, wie Torwart Tanam Hagmann ausführt.

Das Flaggschiff des Toggenburger Fussballs, der FC Bazenheid aus der 2. Liga interregional, konnte sein Trainingslager in Lissabon vom 22. bis 29. Februar noch problemlos abhalten. In der Schweiz war das Coronavirus damals noch nicht als reale Bedrohung präsent. Dejan Baumann, noch-Kapitän der 1. Mannschaft und designierter Sportchef des FC Bazenheid, sagt: «In Portugal ist das voll an uns vorbei gegangen.» Auch am Flughafen sei nichts von der Form annehmenden Pandemie zu spüren gewesen. «Aber da dachten wir auch noch, dass wir in die Rückrunde gehen würden», sagt Baumann.

FC Wil 4.Liga wollte noch trainieren

Nach Malaga in Südspanien wäre es am Sonntag für den FC Münchwilen gegangen. Nachdem zwei Spieler und er selbst gesagt hätten, dass sie nicht mitkommen, habe man die Situation nochmals analysiert und das Trainingslager abgesagt, sagt Assistenz-Trainer Wämsi Bosshart.

Noch am Montagmittag rechnete Yannick Bamert, Trainer der 4.Liga-Mannschaft des FC Wil, damit, dass die Trainings in dieser Woche stattfinden können. Es gelte ja nur die Empfehlung, nicht zu trainieren. «Die Spieler wollen unbedingt, die wissen ja sonst nicht was machen», so Bamert lachend am Telefon. Noch am Montag änderte sich dies. Bamert rief nochmals an und sagte, was bei allen anderen Vereinen auch schon gilt: Trainiert wird bis auf weiteres höchstens individuell. Ihr Teamweekend haben die Wiler schon im Februar in Leipzig abgehalten. Mit Fussball im Stadion, beim Spiel RB Leipzig gegen Borussia Mönchengladbach.

Gar kein Trainingslager geplant hatten der FC Eschlikon (4.Liga) und der FC Sirnach (2.Liga).