Immer weniger Wasser fliesst in den Flüssen und Bächen der Region Wil. Die Thur führt bei Jonschwil im Jahresdurchschnitt gut 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Am Freitagmorgen waren es noch rund 2,4 Kubikmeter – also gut zehn Prozent der üblichen Menge. Der Wasserpegel ist um über einen halben Meter tiefer als normal. Ein ähnliches Bild zeigt sich am Necker bei der Messstelle in Mogelsberg. Statt rund 3,5 Kubikmeter wie im Jahresmittel waren es am Freitagmorgen noch 0,46 Kubikmeter pro Sekunde. Die Murg führte am Freitagmorgen in Wängi 0,34 Kubikmeter pro Sekunde statt 1,83 Kubikmeter.

Diese Werte gehen auf die seit Monaten anhaltende Trockenheit zurück. «Die lokalen Gewitter haben jeweils nur eine temporäre Erhöhung der Wasserführung gebracht. Einige Abschnitte der Murg bei Fischingen und der Taneggerbach mussten schon zu Beginn des Monats Mai abgefischt werden», sagt Marco Baumann, Leiter der Abteilung Wasserbau und Hydrometrie beim Kanton Thurgau.

Landwirte und Gemüsebauern betroffen
Per heute Freitag hat der Kanton Thurgau ein generelles Wasser-Entnahmeverbot in Kraft gesetzt. Betroffen sind alle Gewässer ausser dem Bodensee, dem Rhein sowie dem Grund- und Quellwasser. Das Verbot gilt bis auf Widerruf. Es hat Konsequenzen für Landwirte, Gemüsebauern und Privatpersonen, die eine Bewilligung für zur Wasserentnahme aus den Fliessgewässern haben. Diese Massnahme war letztmals im Jahr 2015 angeordnet worden, zuvor in den Jahren 2011, 2006 und 2003.

Zur Normalisierung der Abflussverhältnisse in den Oberflächengewässern sind ausgiebige und lang andauernde Niederschläge in den kommenden Wochen notwendig. Für die zweite Jahreshälfte ist sonst mit einer kritischen Situation für Quellerträge und für die Oberflächengewässer zu rechnen, schreibt der Kanton Thurgau.

Hohe Wassertemperatur wird zum Problem
Im Kanton St. Gallen ist ein generelles Entnahmeverbot noch kein Thema. Das Amt für Wasser und Energie rät jedoch, im Fürstenland sparsam mit Wasser umzugehen und Wasserentnahmen aus kleinen Bächen zu unterlassen. Das Problem sind hier nicht nur die tiefen Pegelstände, sondern auch die hohe Wassertemperatur, welche für gewisse Lebewesen bereits kritisch sein kann. Zudem ist die Waldbrandgefahr erheblich.