Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten am Samstag war der Festabend. Im Zentrum standen die Darbietungen von Kirchenmusiker Andreas Hausammann, fast ausschliesslich Eigenkompositionen im Jazz- und Bluesstil. An den Festgottesdienst am Sonntag schloss sich das bereits traditionelle «Chilefäscht» an, ein Anlass, an dem die Pflege der Gemeinschaft im Mittelpunkt steht.

Bedeutung kirchlicher Bauwerke

Pfarrer Lars Heynen stellte als Organisator des Festes die Frage nach der Bedeutung kirchlicher Bauten. Das Evangelium finde auch Zugang zu den Menschen ausserhalb von Kirchen. Gottes Wort schaffe sich aber auch Raum in Form von Gebäuden. So sei von der Kirche in Niederuzwil seit 150 Jahren Gottes Wort ausgegangen. Dieser Raum schenke Freiheit, einen weiten Horizont und unbegrenzte Hoffnung. In diesem Sinne sei es berechtigt, das Jubiläum des Gotteshauses zu feiern.

Bewegte Vorgeschichte

Bis zur Reformation gehörten die Menschen in der heutigen Gemeinde Uzwil zur Pfarrei Henau. Auf die Reformation folgten drei Jahrhunderte, in denen Katholiken und Protestanten die Kirche Henau paritätisch teilten. Man war sich jedoch hüben und drüben selten grün. Dies führte nicht bloss zu Unduldsamkeiten, sondern auch zu handfesten Streitigkeiten. Aber auch innerhalb der reformierten Pfarrei Henau, die sich mit Niederglatt zusammenschloss, stand nicht alles zum Besten. Bei den Pfarrherren im Kanton habe die Pfarrei als «Prophetenmörderei» gegolten. Kein Pfarrer habe es lange ausgehalten.


Renommierter Architekt

Die Ansiedlung eines Textilindustriebetriebs durch Mathias Naef brachte für Niederuzwil einen grossen Aufschwung. Die reformierte Bevölkerung wuchs stark an. Evangelisch Henau fasste nun den Bau einer eigenen Kirche ins Auge. Als Standort wurde der Bühl beim Schulhaus in Niederuzwil gewählt. Es sollte ein repräsentatives Bauwerk entstehen. Deshalb wurde der ausgewiesene St. Galler Architekt Johann Christoph Kunkler beigezogen. Dieser hatte in Karlsruhe, München, Wien und Berlin studiert. Bekannte Werke Kunklers in St. Gallen waren das Bürgerspital, das Stadttheater (abgebrochen) und das Kunst- und Naturhistorische Museum im Stadtpark. Sein erster Entwurf für Uzwil, eine Kirche in Kreuzform, fand allerdings keine Gnade. Er wurde als zu teuer eingestuft. Er musste einen einfachen rechteckigen Bau planen und führte diesen schliesslich auch aus.


Erhebliche Veränderungen

Der heutige Bau ist vor allem bei der Renovation im Jahre 1937 in grossem Stil umgestaltet worden. Vom Kunklerschen Bauwerk sind fast nur noch die Fundamente und die äussere Hülle übriggeblieben. In den dreissiger Jahren hat man dem Historismus abgeschworen. Der neugotische Stil der Kirche ist zum Verschwinden gebracht worden. Die originale Kunkler-Kirche mit allen Stilelementen wieder herzustellen, ist aber bei der Renovation zu Beginn der neunziger Jahre aus Kostengründen ein Traum geblieben. Immerhin ist damals aber die Kunkler-Decke in allen Teilen restauriert worden. «Die Kirche hat einen feinen nuancierten Charakter gewonnen», hat der Architekt damals festgestellt. Dieser Beurteilung kann man auch heute noch beipflichten.