Auch an seiner dritten Bürgerversammlung als Gemeindepräsident von Kirchberg verbrachte Roman Habrik in der Katholischen Kirche einen äusserst geruhsamen Abend. Er musste – wie schon in den beiden Vorjahren – keine einzige Wortmeldung der diesmal 198 anwesenden Stimmbürger (Beteiligung: knapp 4 Prozent) beantworten. Das hatte zwei Gründe. Einerseits wurden Diskussionen an drei Vorversammlungen geführt. Andererseits bot die Traktandenliste keinen Anlass für eine Debatte.

Ein wichtiger Punkt war die vom Gemeinderat beantragte Steuerfuss-Reduktion um vier Prozentpunkte auf noch 138 Prozent. Im Vorfeld hatten sich alle vier Ortsparteien dafür ausgesprochen. Zwar liess Habrik zweimal abstimmen, was allerdings kaum etwas am Gesamtverdikt änderte. Hatte es beim ersten Anlauf keine Gegenstimme, dafür ein Gemurmel in den Reihen der Stimmbürger abgesetzt, so war es beim zweiten Anlauf ein Gegenvotum. Eine Senkung war nahezu unumstritten, weil der Gemeinderat laut Habrik in den vergangenen beiden Jahren zu konservativ budgetiert und – über beide Jahre gerechnet – um fast zehn Millionen Franken besser abgeschlossen hat als erwartet. Allein für 2018 resultierte ein Gewinn von über 4,3 Millionen Franken, obwohl ein Verlust von knapp 400'000 Franken erwartet worden war.


Zwei Millionen für den Saalbau

Von diesen 4,3 Millionen Franken werden deren zwei in die Vorfinanzierung für die Schulraumerweiterung und die Mehrzweckhalle Sonnenhof in Kirchberg zur Seite gelegt. Somit beläuft sich der vorfinanzierte Betrag bereits auf drei Millionen Franken. Für Habrik ein Zeichen, dass es der Gemeinderat ernst meint mit diesem Projekt. Eine weitere Million wird für die Vorfinanzierung des Kindergartens Neugasse in Bazenheid verwendet. Die restlichen rund 1,3 Millionen Franken fliessen dem Eigenkapital zu. Dieses beläuft sich per Ende 2018 auf knapp 16,8 Millionen Franken.

Bei den Ausgaben für die Soziale Wohlfahrt liegt die Gemeinde Kirchberg im kantonalen Vergleich weit vorne. Nur fünf Kommunen im Kanton St. Gallen geben in diesem Bereich pro Kopf mehr aus. Warum das so ist und welche Massnahme dieser Entwicklung entgegenwirken soll, sehen Sie hier im hallowil.ch-Kurzinterview mit Roman Habrik:

 
Der Kirchberger Gemeindepräsident Roman Habrik erklärt im hallowil.ch-Interview, warum der Gemeinderat in den vergangenen beiden Jahren um fast 10 Millionen Franken daneben budgetiert hat. (Beitrag: Simon Dudle)

Vom Guthaben zurück in die Verschuldung

Auch für dieses Jahr ist wieder ein Gewinn in Aussicht gestellt. Rund 1,7 Millionen Franken gross soll er sein. Den Steuerfuss noch weiter als um vier Prozentpunkte zu senken, war für den Gemeinderat aufgrund der bevorstehenden Investitionen von 40 Millionen Franken kein Thema. Im laufenden Jahr werden 12,6 Millionen Franken investiert. «Jetzt geht es so richtig los», sagte Habrik. Aus einem Vermögen von knapp einer halben Millionen Franken wird bis Ende 2019 eine Reinverschuldung von rund 6,6 Millionen Franken. Dies wird bis Ende 2023 voraussichtlich auf über 46 Millionen Franken ansteigen.

Ebenfalls unumstritten war, 1,63 Millionen Franken für einen Mischwasserkanale im Dorf Bazenheid zu genehmigen. Dieser verläuft entlang der Spelterinistrasse, Wilerstrasse und Mühlaustrasse. Nach einem Abwassereintritt in eine Garage im Jahr 2015 hatte dieser Kanal an Priorität gewonnen. Mit den Bauarbeiten soll im Herbst dieses Jahres begonnen werden. Die Fertigstellung ist für Oktober 2020 geplant.