Georg Züblin ist ein Beleg dafür, dass die Redensart `der Apfel fällt nicht weit vom Stamm` nicht in jedem Fall zutrifft. Sein Vater war ein sehr gebildeter Jurist: „Er sprach Altgriechisch, aber handwerklich war er wenig geschickt.“ Ganz im Gegensatz zu seinem Sohn, dem das Tüfteln im Blut liegt. Schon als Schüler habe er gerne Radios und andere Geräte zusammengebaut.

Damit war es naheliegend, dass er an der ETH Elektroingenieurwesen studiert. Es war eine Wahl, die er nie bereut hat. Dass er damit in eine Boombranche einstieg, wusste er damals noch nicht. "Im ersten Jahr des Studiums arbeiteten wir im Experimentallabor noch mit Röhren.“ Am Ende der Ausbildung waren es die ersten integrierten Schaltkreise. „In jener Zeit geschah in der Elektrotechnik beinahe täglich etwas neues, die Entwicklung verlief explosionsartig.“ 

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Zwischen dem Führen eines Unternehmens und einer Gemeinde gäbe es keine grossartigen Unterschiede, resümiert der Rickenbacher Georg Züblin.  

Bei der Entwicklung vorne dabei 
Nach Studienabschluss kam er über ein Stelleninserat nach Wil in eine kleine Informatik-Firma, die sehr innovativ war. „Sie stellte ein damals neuartiges Verkehrsleitsystem für die Zürcher Verkehrsbetriebe her“. Da diese Firma allerdings etliche Male die Löhne nicht mehr zahlen konnte, gründete er mit Kollegen zusammen eine eigene Firma. Sie war und ist vor allem im Bereich Prozessautomation in der Industrie tätig.

Doch ein gutes Produkt oder eine gute Dienstleitung alleine reicht nicht für den geschäftlichen Erfolg, auch das entsprechende Marktumfeld muss stimmen, diese Erfahrung machte er in seinem Unternehmerleben immer wieder. Er erlebte florierende Phasen, aber Zeiten des schleppenden Geschäftsgangs.

Da war etwa die Ölkrise der siebziger Jahre, die zur Zurückhaltung bei den Investitionen und damit zu einem Auftragsrückgang führte. Jahre später waren es die grossen IT-Konzerne, die spezifische Dienstleistungen selber anzubieten begannen und damit den in diesem Bereich aktiven KMUs das Wasser abgruben. Es sei wichtig, sich rechtzeitig auf das veränderte Marktumfeld einzustellen, betont der 72-Jährige rückblickend.

Schwierige Phasen gemeistert 
Das in langen Praxisjahren geprägte unternehmerische Denken drückt sich bei Georg Züblin etwa in der Einsicht aus, dass es besser sei, Dinge immer wieder zu probieren, als gar nichts zu machen. „Rückschläge sind im Leben kaum zu vermeiden.“

Ein herber Rückschlag war der frühe und unerwartete Tod seiner ersten Frau. Der Witwer wurde zum alleinerziehenden Vater eines Sohnes und einer Tochter im damals schulpflichtigen Alter. Mit viel Hilfe der Familie und einer Hausangestellten kamen er und die Kinder im Alltag einigermassen über die Runden.

Später heiratete er wieder, aber die Situation einer Patchworkfamilie könne schwierig sein, erzählt Georg Züblin. Die Ehe hatte keinen Bestand. Mittlerweile ist er mit seiner dritten Frau verheiratet.

Das Paar lebt in einem eher unauffälligen Haus im klassizistischen Stil in Rickenbach. Während auf der einen Seite der Durchgangsverkehr vorbeibraust, wirkt die andere Seite wie eine Oase. Im grosszügig angelegten Garten zwitschern Vögel. Der grünlich schimmernde Naturbadeteich wird von der Nachmittagssonne erwärmt. Ein sanfter Wind wiegt das Schilf hin und her. Und Rosenblüten verströmen einen angenehmen Duft. Hinter grossen Bäumen und Büschen versteckt steht ein Gartenpavillon, in dem das Gespräch stattfindet.

Unternehmer als Gemeinderat 
Sieben Jahre lang war der Elektroingenieur Mitglied des Gemeinderates seiner Wohngemeinde. Als der Vorsteher krankheitshalber für längere Zeit ausfiel, wurde er vorübergehend zum Gemeindeleiter. Georg Züblin: „Zum Glück war ich damals bereits pensioniert, andernfalls wären beiden Aufgaben zeitlich nicht zu vereinbaren gewesen.“

Das Amt in der Gemeindebehörde hat er nicht gesucht, er war auch nicht Mitglied in einer Partei. Nach einem Rücktritt im Gemeinderat wurde er für eine Kandidatur angefragt. „Eigentlich“, resümiert er im Nachhinein, “gibt es zwischen dem Führen eines Unternehmens und einer Gemeinde keine grossartigen Unterschiede.“ Es gehe um ähnliche Themen, wie etwa Umgang mit allerlei Arten von Kunden, Personalfragen, Finanzielles, Datenschutz.

Dass er lange unternehmerische Erfahrung hatte, erwies sich als vorteilhaft: „In einer Kollegialbehörde ist eine gewisse Übersicht wichtig, damit gemeinsame Entscheidungen und Lösungen gefunden werden können.“

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"Ziemlich beste Freunde" kommentiert Georg Züblin dieses Foto. 

Zeit für einen Generationenwechsel 
Er betont weiter: „Der Entscheidungsspielraum eines Gemeinderates ist nicht sehr gross. Man muss sich an die gesetzlichen Vorgaben halten, wenn es beispielsweise um Baubewilligungen geht. Bei speziellen Fragestellungen musste er auch das Plazet bei den entsprechenden Ämtern des Kantons eingeholt werden.“ Nach sieben Jahren als Gemeinderat fand er es an der Zeit, einer jüngeren Person Platz zu machen. „Ich bin kein Sesselkleber.“

Ausgleich fand er unter anderem in einer seiner Leidenschaften, dem Fliegen. Er ist Inhaber einer Pilotenlizenz und besitzt ein einmotoriges Kleinflugzeug, das in Sitterdorf stationiert ist.

Zusätzlich erwarb er 2006 den Pilotenschein für Hubschauber. Er gab ihn vor einigen Jahren vorsorglich retour. „Einen Hubschrauber zu fliegen, ist sehr viel anspruchsvoller als ein Flächenflugzeug. Man muss mindestens jährlich 50 Flugstunden haben, um sicher fliegen zu können. Dieses Ziel erreichte er kaum. „Ich dachte mir, ich gebe die Lizenz ab, bevor Schaden entsteht.“

Liegenschaft erfordert viel Pflege 
Der leidenschaftliche Tüftler konnte seine zweite Passion das Fliegen mit anderen Hobbies kombinieren: „Ich habe mir selber einen Flugsimulator eingerichtet, an dem ich nun zuhause Flugmanöver durchspielen kann.“ Ausserdem hat er Einzelteile für sein Flugzeug auf einem 3 D-Drucker hergestellt. „Auch die Skills der Software-Programmierung werden warm gehalten.“

Auch wenn er schmunzelnd meint: „Ich bin jetzt Pensionär und habe viel Zeit“, scheint es ihm kaum langweilig zu sein. Dafür hat er zu viele Interessen. Und auch sein grossflächiger Garten benötigt einiges an Unterhalt. Ausserdem sitzt er sozusagen als „graue Eminenz“ im Verwaltungsrat jenes Unternehmens, das er sein ganzes Leben lang durch Turbulenzen und durch Glanzzeiten begleitet hat. Da steckt unüberhörbar noch immer viel Herzblut drin.