Alles begann damals mit einem Anruf aus Zürich. Tonhalle-Leiterin Florence Leonetti wurde angefragt, ob Ende Mai oder anfangs Juni 2018 an mehreren Tagen ein klassisches Konzert in der Tonhalle aufgeführt werden könnte. 

Die Veranstalter wollten am gleichen Tag vorbeikommen und das Gebäude besichtigen. Dass die Leute einzelne Stühle und weiteres Interieur fotografierten und Fragen dazu stellten, wunderte die Kulturmanagerin etwas. Schliesslich erzählten sie, dass sie hier Szenen eines Films drehen wollen.

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Die Tonhalle wurde mehrfach umgebaut und erweitert, ursprünglich war ihr Erscheinungsbild schlichter.

 

Verworrenes Liebesverhältnis

Das innere Erscheinungsbild der Tonhalle stimmt mit jener Zeit, als der Komponist Richard Wagner für einige Jahre in Zürich lebte überein, es ist der Stil der Neorenaissance. So wurde die Tonhalle zu einem der Drehorte des Films «The Zurich Liaison», die ein verworrenes Liebesverhältnis Wagners thematisiert. Es war für ihn die Inspiration zur Oper «Tristan und Isolde».

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Der Architekturstil lehnt sich an antike Vorbilder an.

 

Turnhalle und Warenlager

Die Ursprünge der Tonhalle gehen auf ein 1874 erlassenes Bundesgesetz über obligatorischen Turnunterricht für Jünglinge zur Vorbereitung auf den Militärdienst zurück. Auch der Kanton St. Gallen erklärte damals den Turnunterricht als obligatorisches Schulfach. Doch ein entsprechendes Lokal fehlte in Wil.

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Die Tonhalle ist sehr vielseitig nutzbar. 

Einigermassen widerwillig beschloss die Bürgerversammlung 1875 einen entsprechenden Bau, der gleichzeitig auch als Aufbewahrungsort für forst- und landwirtschaftliche Geräte sowie als Lager für Bretter, Stangen und Stickel dienen sollte. 

Und da damals in Wil immer wieder geklagt wurde, es fehle an geeigneten Lokalen für Fastnachtsveranstaltungen sowie für Konzerte und Theateraufführungen wurde im Weiteren auch die diesbezügliche Nutzung eingeplant.

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Sie dient auch regelmässig als Fastnachtslokal. 


Balkone als Fluchtraum

1904 wurde die Liegenschaft um Balkone sowie um einen seitlichen Anbau ergänzt. Die Balkone waren vor allem als Fluchtort für Publikum und Darsteller bei einem Brandfall gedacht. 

1942 legten die Handwerker ein weiteres Mal Hand an den Bau. Er wurde ein weiteres Mal ergänzt, etwa durch einen grösseren Bühnenraum. Ab 1976 wurde das Gebäude erneut baulich verändert und zugleich restauriert. Unter anderem wurde damals auch die technische Infrastruktur auf einen zeitgemässen Stand gebracht.

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Die ausgeprägte Farbigkeit wurde von Pompeji inspiriert.

 

Referenz an die Antike

Der grosse Saal der Tonhalle wird von intensiven Farben geprägt. Das Motiv dafür liegt in ihrer Bauzeit um 1875. Damals prägten Anleihen an frühere Baustile, unter anderem der Antike, die Architektur. Es ist dabei von Historismus die Rede. 

Um 1860 wurden in Pompeji archäologische Ausgrabungen getätigt. Die süditalienische Stadt war im Jahr 79 vor Christus durch einen Vulkanausbruch verschüttet worden. Bei diesen Untersuchungen stiess man auf eine farbintensive Bemalung der Innenräume. In der Wiler Tonhalle finden sie ihren Widerhall.   

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Die Tonhalle wird für verschiedenartigste Kulturanlässe genutzt. Im Bild die Verleihung des Anerkennungspreises der Stadt Wil im Jahr 2012 an die Künstlergruppe Ohm 41.