Trotz unterschiedlichem Ethnien und Mentalitäten habe die Äbtestadt kein besonderes Problem mit Rassismus, betont Dominique Tschannen, Leiter Fachstelle Integration auf Anfrage von hallowil.ch. «Es handelt sich um ein allgemeines gesellschaftliches Thema.»

Nachteile bei der Wohnungssuche

«Rassismus im Alltag kommt er beispielswiese als Ausschluss oder Ausgrenzung aufgrund der Herkunft oder Hautfarbe vor. Abwerten, Beleidigen oder Auslachen, aber auch Drohen sind verbreitet», erläutert der Integrationsfachmann. «Benachteiligungen finden bei Stellenbewerbungen und Wohnungsvergaben statt, wenn der Name oder das Aussehen fremdländisch sind.»

Rückzug und Aggressionen

Zu den Auswirkungen, die diskriminierendes Verhalten hat, sagt der städtische Mitarbeiter: «Es löst bei Betroffenen Druck aus auf das Selbstwertgefühl, und Stress. Je nachdem, wie gut damit umgegangen werden kann bzw. wie gut es kompensiert werden kann, oder eben nicht, folgen Verstimmung bis hin zu Depression.»

Post inside
Am Wiler Stadtweier treffen Menschen unterschiedlicher Herkunft aufeinander. 

Negative Folgen können auch Rückzug und Vereinzelung sein, um weitere ähnliche Erlebnisse zu vermeiden. Oder aber Aggression. Zudem sieht man sich weniger als Teil der Gesellschaft oder einer Gemeinschaft, weniger als Teil eines gemeinsamen «Wir».

Post inside
Die Allee bildet eine Begegnungszone im öffentlichen Raum.  

Dies könne dazu führen, dass sich Betroffene weniger beteiligen und einbringen, so Tschannen. Er ergänzt: «Es kann die Integrationsbemühungen verringern, welche beispielsweise je nach kultureller Distanz viel Zeit und Energie kosten.»

Unterschiede in der Würde

Auf Seite der Person, welche rassistisch diskriminiert wird, verstärkt es laut den Integrationsbeauftragten die Einschätzung, dass die Würde der Menschen verschieden sei, dass einige Menschen mehr Wert sind als andere Menschen, dass Menschen sich nicht auf Augenhöhe begegnen sollen, sondern einige besser sind als andere.

Kampagne auf Kantonsebene

Um die Bevölkerung auf ausgrenzendes und entwürdigendes Verhalten im Alltag zu sensibilisieren, finden in St. Galler Gemeinden Aktionstage statt. Dominique Tschannen sagt dazu: «Hinter der Kampagne '#Wil sind wir*' steht die Fachstelle Integration der Stadt Wil. Sie ist Teil der kantonalen Kampagne, welche das kantonale Kompetenzzentrum Integration und Gleichstellung des Departement des Inneren jährlich durchführt.»

Post inside
Interkulturelle Begegnung am Wiler Japanfest. Das Foto ist vor Corona entstanden. 

Das Ziel ist eine Sensibilisierung zu rassistischer Diskriminierung, das Bewusstwerden von Vorurteilen und anderen Formen der Diskriminierung, hin zu einem gelingenden Miteinander, wie es seitens der Fachstelle Integration heisst. «Die Auseinandersetzung mit den Themen Vielfalt, sozialer Identität, Identifikation, Zugehörigkeit und Ausgrenzung soll gefördert werden. Ebenso die Reflektion über die plurale Gesellschaft, in der Unterschiede und Gemeinsamkeiten bestehen und Vielfalt gelebt wird. Es wird sichtbar, wer «wir» sind, und womit «wir» uns identifizieren.»

Breit gestreute Kommunikation

Um die Menschen mit der Botschaft zu erreichen, werden verschiedene Kommunikationskanäle genutzt, wie Tschannen erläutert: «Wir haben eine Plakatkampagne im öffentlichen Raum mit QR-Codes zur Internetseite unserer Kampagne gemacht. Im Bus wird ebenfalls dafür geworben.» Im Weiteren sind im Internet Videos mit Strassenbefragungen zu den Themen Diskriminierung, Vielfalt und Zugehörigkeit und ein Interview mit Stadtpräsident Hans Mäder zu finden.

Post inside
In der Obere Bahnhofstrasse sind Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern unterwegs. 

Auch die Social-Media-Kanälen der Stadt Wil genutzt. «Neben der Fachstelle Integration beteiligen sich z.B. die Stadtbibliothek mit einem Medientisch, die Oberstufenschulen mit Workshops, oder die Jugendarbeit mit einem Anlass an den Aktionstagen», sagt Dominique Taschannen. «Mit den gefilmten Videointerviews, die im Internet angeboten werden, haben wir die Kampagne von den Covid-Massnahmen unabhängig gemacht.»

Bedarf vorhanden

Gemäss dem Fachstellenleiter gab es Reaktionen aus der Bevölkerung. «Generell kann gesagt werden, dass das Thema Rassismus als relevant betrachtet wird und auch weitere Aktionen von vielen Menschen als sinnvoll erachtet werden.»

Alle Kreise werden angesprochen

Was meint Tschannen zum Einwand, dass die Aktionstage vor allem jene Menschen erreichen, die ohnehin auf das Thema diskriminierendes Verhalten sensibilisiert sind? «Mit der öffentlichen Kampagne werden alle Menschen angesprochen. Mit der Kampagne '#WilsindWir*' werden alle diejenigen Personen angesprochen, welche sich mit Wil identifizieren, in ihrer ganzen Vielfalt.»

Videoclip zu den Aktionstagen in Wil: