Am Freitagmorgen schlendert ein Reh durch die Rebreihen im Ortsteil Bronschhofen. Die morgendliche Sonne erreicht die Rebstöcke noch nicht ganz. Im herbstlichen Tiefstand wird sie erst im Laufe des Morgens die jahreszeitlich verfärbten Blätter aufleuchten lassen. Auf die Trauben scheint sie nicht mehr, sie wurden am Donnerstag von Freiwilligen eingesammelt. 

Vogelfrass vorbeugen

Auf der Wiler Seite des Rebhangs ist Edi Kümin zwischen den Weinstöcken unterwegs. Mit seiner signalgelben Arbeitsjacke ist er nicht zu übersehen. Der langjährige Rebwart ist gerade dabei, die gelben und weissen Kunststoffbänder einzusammeln, die in den letzten Wochen in regelmässigen Zeitabständen maschinell an Schnüren bewegt wurden. Sie haben die Trauben stibitzenden Vögel verscheucht. Er unterbricht seine Arbeit, um die Fragen von hallowil.ch zu beantworten.


Widrige Einflüsse

Edi Kümin ist trotz herausfordernden Wetterumständen im Sommer mit der Qualität und der Menge der Traubenernte zufrieden. «Wir haben sie noch nicht gewogen, aber ich schätze, dass es rund vier Tonnen sind.»

Es gab in den Sommermonaten Hagel, häufige Regengüsse sowie Befall mit Falschem Mehltau. Dagegen könne man nur vorbeugend vorgehen, erzählt der Rebwart. Das Spritzen von Kupfer und von Schwefel soll die Ansteckung verhindern. Beim Kupfer sind drei Kilogramm pro Hektare gesetzlich zugelassen, für den Schwefeleinsatz gibt es kein Mengenlimit.

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Erntehelfer Erwin Steiner freut sich, dass man bei der Traubenernte auf das Handy verzichten kann. (Foto: Adrian Zeller) 


Keine Apps erforderlich

Einer der Erntehelfer ist Ortsbürger Erwin Steiner. Er wirkt seit 25 Jahren bei der herbstlichen Traubenernte mit. Zu seiner Motivation sagt der Rentner: «Man ist draussen und macht etwas Sinnvolles.» Im Weiteren lobt er die gute Atmosphäre unter den Erntehelfern. «Wir haben ein schönes Verhältnis untereinander.» Dann ergänzt er schmunzelnd: «Hier hat man kein Handy und braucht keine Apps.» 

Steiner ist überzeugt, dass die ehrenamtliche Mithilfe bei der Traubenlese auch sinnvoll ist, weil die Ortsgemeinde professionelle Kräfte gar nicht bezahlen könnte. Als Dankeschön bekommen die Helferinnen und Helfer jeweils eine Flasche Wiler Wein sowie ein Mittagessen.

Gesteinsmehl gegen Schädlinge

In diesem Jahr fällt an den Trauben ein weisser Belag auf. Infotafeln bei den Rebreihen weisen darauf hin, dass der Überzug harmlos ist. Das Gesteinsmehl verhindert die Eiablage der Kirschessigfliege, die die Trauben verderben kann.