Man stelle sich vor, ein Tunnel hat schon Risse, bevor er eröffnet wird. Genau dies ist im unteren Toggenburg passiert. Und zwar beim knapp 500 Meter langen Tunnel Engi, der wichtiger Bestandteil der neuen Umfahrungsstrasse von Bütschwil ist. Diese wird 2020 nach sechsjähriger Bauzeit eröffnet. Auch nach der Errichtung des Tunnels gab es nasse Stellen. Dies hat den Kirchberger SVP-Kantonsrat Linus Thalmann auf den Plan gerufen. Er erkundigte sich mittels Interpellation nach den Ursachen.

Nun liegt die Antwort der Regierung vor. Sie schreibt, dass es «keine eindeutige Ursache für die überraschend grosse Anzahl von Rissen» gebe. Man habe mit einzelnen Rissen gerechnet. Als es immer mehr wurden, seien Gespräche zwischen der Bauherrschaft, dem Projektverfasser und der ausführenden Arbeitsgemeinschaft geführt worden. Dies mit dem klaren Ziel, die Anzahl Risse zu reduzieren. Auch die Zusammensetzung des Betons wurde unter die Lupe genommen. Nach längeren Diskussionen hat die Bauherrschaft eine Beton-Zusammensetzung akzeptiert, welche nicht normenkonform ist. «Die Tragsicherheit war durch die vorhandenen Risse nie beeinträchtigt», schreibt die Regierung.

Kostendach wird nicht gesprengt

Es blieb nichts anderes übrig, als die Risse zu verfüllen, was in der Zwischenzeit geschehen ist. «Die Tunnelkonstruktion ist nun dicht. Zudem sind die Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit des Bauwerks erfüllt», so die Regierung weiter.

Die zusätzlichen Kosten, welche die Risse ausgelöst haben, sind allerdings beträchtlich. Rund 500'000 Franken werden diese Arbeiten den Steuerzahler gekostet haben. Trotzdem wird der Kostenvoranschlag von 200 Millionen Franken für die gesamte Umfahrung Bütschwil «deutlich unterschritten», wie es seitens der Regierung weiter heisst.

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Weitere Bilder aus dem Engi-Tunnel (29.6.):

Nächstes Jahr soll die Umfahrung Bütschwil nach sechsjähriger Bauzeit eröffnet werden und somit das Dorf vom vielen Durchgangsverkehr entlasten. Rund 18'000 Fahrzeuge pro Tag werden im Durchschnitt gezählt. Seit 2014 wird gebaut. Wichtiger Bestandteil der Umfahrung ist der Tunnel Engi nördlich von Bütschwil, der mit einer Gesamtlänge von 498 Metern der längste der vier Tunnels der neuen Umfahrungsstrasse ist. Noch bevor dieser eröffnet wird und das erste Auto durchrollt, scheint es Probleme zu geben. «Am Tunnel sind bereits nach zwei Jahren Risse entstanden. Offenbar entstehen laufend neue, die immer wie immer wieder repariert werden müssen», sagt SVP-Kantonsrat Linus Thalmann (siehe Text unten).

Nun unterlegt der Kirchberger seine Vermutungen mit aktuellem Bildmaterial aus dem Tunnel:

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Wassereintritt im noch nicht eröffneten Tunnel Engi bei Bütschwil.

Thalmann sagt: «Man sieht gut, wie schon mal repariert wurde und jetzt wenige Zentimeter daneben wieder Wasser über Risse eintritt.» Der SVP-Kantonsrat hat in dieser Thematik eine Interpellation eingereicht und Fragen an die St. Galler Regierung gerichtet. Klarheit zur aktuellen Situation mit dem Wassereintritt wird herrschen, sobald die Interpellation beantwortet ist.

Zwei weitere Bilder aus dem Engi-Tunnel:


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So hat hallowil.ch am 23.6. berichtet:

Der Kirchberger SVP-Kantonsrat Linus Thalmann hat dem St. Galler Kantonsrat vor Kurzem eine Interpellation eingereicht, die einige Fragen aufwirft. Es geht um die Umfahrung Bütschwil, die seit dem Jahr 2014 gebaut wird und deren Fertigstellung sowie Eröffnung im Jahr 2020 vorgesehen sind. Ein Teil dieser Umfahrung ist der Tunnel Engi, der zwischen 2014 und 2016 erstellt wurde. Aktuell wird der Tunnel als Bauzufahrt gebraucht. «Am Tunnel Engi sind bereits nach zwei Jahren Risse entstanden», informiert Thalmann den Kantonsrat und die Medien. Seit Monaten würden diese Risse durch Spezialfirmen behandelt. Und «Offenbar entstehen laufend neue Risse, die wieder repariert werden müssen», so Thalmann. Er wisse noch, dass die Risse im betroffenen Tunnel durch Spezialfirmen ausgefüllt werden. Weitere Auskünfte könne er nicht erteilen, «denn die Antwort der Regierung und des verantwortlichen Departements wird Aufschluss geben».

Mit der Interpellation möchte Thalmann unter anderem wissen, ob die Rissbildungen im Tunnel Engi dem kantonalen Baudepartement schon länger bekannt sind, was die Ursachen sind und ob die längerfristige Sicherheit des Tunnels in Frage gestellt werden muss.

«hallowil.ch» wollte wissen, was es mit den angeblichen Rissen auf sich hat. Wie sind sie entstanden? Und wie lange sollen die Reperaturarbeiten andauern? Aus diesem Grund hat die Redaktion bei der Abteilung Strassen- und Kunstbauten des kantonalen Baudepartements nachgefragt. «Bevor die Regierung die Interpellation beantwortet hat, können wir keine Auskünfte geben. Wir können die Antworten der Regierung nicht vorwegnehmen», so Ruedi Vögeli vom Baudepartement des Kantons St. Gallen.