Dieser Rücktritt kommt einem Paukenschlag gleich. Denn Charly Gämperle war das unbestrittene Gesicht des im Jahr 1889 gegründeten Wiler Reitklubs. Er trieb in seiner rund siebenjährigen Wirkenszeit vor allem den Umbau der damals maroden Reithalle auf der Weierwise voran. «Es hat reingeregnet, die Banden waren verlottert, der Unterstand faulte weg. Der Zustand war vor dem Umbau eine Katastrophe», sagt Gämperle. Rund 350'000 Franken wurden in die Sanierung gesteckt, wobei der Präsident viel Zeit vor Ort verbrachte und auch Planung sowie Bauführung übernahm. Noch zu machen ist das Vordach.

Doch nun ist der 58-jährige Gämperle plötzlich nicht mehr Präsident des Reitklubs, der zu den ältesten Vereinen der Äbtestadt gehört. Und dies rund vier Monate, bevor im Februar 2020 die dreijährige Amtszeit abgelaufen wäre. Was ist der Grund des plötzlichen Rücktritts? «Ich bin amtsmüde und fühle mich nicht mehr getragen», begründet Gämperle. Ein einschneidendes Erlebnis war die 1.-August-Feier dieses Jahres, die vom Reitklub mitorganisiert wurde. «Genau drei Helfer aus dem Verein waren dabei. So wenige, dass ich Mitarbeiter meines Unternehmens einspannen musste», sagt Charly Gämperle. Dabei zählt der Reitklub immerhin 150 Mitglieder, wovon rund 50 aktiv sind.

Noch kein neuer Präsident

So lässt der Wiler, der sich als Nicht-Reiter bezeichnet, nun desillusioniert und mit sofortiger Wirkung die Zügel los. Am vergangenen Freitag hat er intern den Rücktritt bekanntgegeben. Der Inhaber der Wiler IT-Firma «Steinlin und Partner» sagt: «Ich habe den Verein straff wie ein Unternehmen geführt. Das passte nicht allen.» Wer das Präsidium übernimmt, steht noch nicht fest. «Ich gebe nun allen die Chance, einen neuen Präsidenten zu suchen, ohne dass ich involviert bin. Und das in einer Phase jetzt im Herbst und Winter, wo nicht so viel läuft.»

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Charly Gämperle - hier auf dem Bild mit Schulpräsidentin Jutta Röösli - fühlt sich vom Verein nicht mehr getragen.

Zu tun gibt es einiges. So ist zum Beispiel zu organisieren, wie es mit dem jährlichen Vorzeige-Anlass, dem Sommerspringen, weitergeht. Diesen Sommer ist es wegen einer Terminkollision ausgefallen. Für 2020 sehe es aber so aus, als würde der Event wieder stattfinden. Was nicht heisst, dass alle Probleme gelöst sind. «Wiesenplätze, wie wir einen haben, sind heute nicht mehr gefragt. Es braucht Sand. Es wird auch immer schwieriger, Publikum für einen solchen Anlass zu mobilisieren. Es braucht eine andere Form mit anderen Prüfungen und einem anderen Rahmen», sagt Gämperle.

Als KKS mitfeierte

Blickt der Ex-Präsident auf sei Wirken – er war ab 2011 auch fünf Jahre lang OK-Präsident des Sommerspringens – zurück, so bleibt ihm neben dem Hallenumbau vor allem das Fest zum 125-jährigen Bestehen des Vereins im Jahr 2014 in Erinnerung, als auch die damalige Ständerätin und heutige Wiler Bundesrätin Karin Keller-Sutter dabei gewesen war. Den Verein übergibt Gämperle «finanziell top». Also ohne Schulden.