Im Februar 2020, also im 21. Jahrhundert der neuen Zeitrechnung und mitten in der Fasnacht, hat sich der einst als reformfreudige und offen geltende Papst Franziskus einmal mehr selbst belogen. Oder er liess sich vom verstaubten und veralteten Klerus in die Schranken weisen und vorgestrige Direktiven aufbürden.

Mit der Hoffnung, betreffend Ehe für katholische Priester und Frauen im Priesteramt machte er Schluss und diktierte der katholischen Welt, dass alles beim Alten bleibe. Oh Schreck, was hat denn der Klerus hinter dicken Mauern für eine Ahnung von der wirklichen Evolution, von natürlichen zwischenmenschlichen Beziehungen und von den verschiedenen Lebensformen des Menschen grundsätzlich. Nach wie vor, wie wir es schon in unseren Jugendjahren erlebt haben, macht die Kirche in Rom auf Angst, Einschüchterung, Hölle und Fegefeuer.

Ich unterstütze mit meiner Kirchensteuer gerne das Bodenpersonal des Himmels vor Ort, welches mit ihrer ehrlichen und offenen Arbeit an der Front für die Menschen einsteht und hilft. Nicht aber für verstaubte Machtgelüste eines kleinen Kreises hinter dicken Mauern. Mauern, hinter welchen mit Sicherheit zu viel schiefläuft. Dies nach den Grundsätzen der einst selbstverfassten Regeln.

Warum tut sich Rom nach wie vor schwerer als schwer, um ihre Priester heiraten zu lassen? Damit diese, wie von Gott vorgesehen, als ganz normale menschliche Wesen leben dürfen. Warum nur diskriminiert Rom nach wie vor die Frauen und lässt es nicht zu, dass sie zu Priesterinnen geweiht werden dürfen? Es gibt keine Ausrede und keine logische Begründung, dass das von Gott so vorgesehen sein soll. In welchem Jahrhundert leben die Kleriker in Rom, welche tatsächlich noch daran glauben, dass sie im Recht sind. Woher nehmen sie das Recht, das Menschenrecht jedes Menschen zu geisseln?

Lieber Papst Franziskus: In der Macht ihres Amtes sind sie unfehlbar und ihr Wort gilt. Warum nur lassen sie sich von verstaubten Angstmachern zu Aussagen und Direktiven beeinflussen, welche nicht von dieser Welt und schon gar nicht vom Himmel sein können. Um Himmels Willen.

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit weit über 40 Jahren in der Äbtestadt wohnhaft, beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der hallowil.ch-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.