Der glanzvolle Auftritt von Sängerinnen, Sängern und Orchester war ein fast sphärisches Erlebnis. Die Aufführung der Missa Salisburgensis von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) begeisterte total.Was Karl Paller 1990 ins Leben gerufen hat, ist heute ein fester Bestandteil der Ostschweizer Konzertszene, die "Cantores Corde". Nach jedem Auftritt des Ensembles denkt man, dies sei nicht mehr zu toppen – aber immer wieder gelingt genau das dem versierten Vollblutmusiker Karl Paller. Das zeigt auch sein grosses Wissen um Musiker und deren Schaffen. Die Missa Salisburgensis entstand zum 1100jährigen Bestehen des Erzbistums Salzburg und wurde im Stil der venezianischen Mehrstimmigkeit spezifisch für den Salzburger Dom konzipiert und komponiert. Offenbar wollte der Erzbischof der Welt zeigen, dass der Fels zwar in Rom ruht, die Musik dazu aber in Salzburg spielt.

In die Musik eingebettet
Eine Klangfülle besonderer Klasse erwartete die Gäste in der bis auf den allerletzten Platz besetzten Kirche. Ein 16-stimmiger Chor und ein 40-stimmiges Orchester meisterten diese höchst anspruchsvolle Glanzleistung. Die Sängerinnen und Sänger sowie das Orchester hatten sich im ganzen Kirchenraum verteilt. Die Zuhörenden sassen mitten in einem wunderbaren Klangteppich, genossen ein überwältigendes Klangerlebnis. «Mit der identisch besetzten Motette »Plaudite tympana» (lasst die Pauken ertönen) werden wir zu Beginn einen Gruss aus der musikalischen Küche servieren» schreibt Vizepräsident Philipp Stoffel im Programmheft - und so war es auch.

Faszinierende Vorarbeit
Mit dieser höchst anspruchsvollen Missa Salisburgensis führte Cantores Corde die Zuhörenden in den Bann von Bibers Monumentalität. Sie gilt als eine der grössten Messevertonungen der Barockzeit. Die Musik scheint die Schönheiten und Wollust dieser Ära darzustellen, den Himmel quasi auf die Erde zu holen. «Die Chance, dieses Werk ein anderes Mal wieder zu hören, tendiert gegen Null», erklärte Philipp Stoffel. Die Verteilung im ganzen Gotteshaus, die Aufteilung von zwei «Lagern» - eines unten, eines oben, verlangte eine unglaublich exakte Vorbereitung von allen Beteiligten, besonders vom Leiter. 56 Sängerinnen und Sänger sowie 40 Instrumentalisten ganz genau und wirkungsvoll zu platzieren, eine aufwändige und faszinierende Aufgabe, die ihm absolut gelungen und wohl einzigartig ist.

Meditation in den Sonntag
Nach dem «Gloria» erklang von Arvo Pärt (geb. 1935) die Motette «Spiegel im Spiegel» für Cello und Orgel. Diese herrliche, ruhige Komposition inmitten der voluminösen Tonfülle, war ein Leckerbissen. Die feinen, hohen Dreiklangtöne der Orgel, gespielt von Margareth Schicker-Looser, und die ruhenden getragenen Klänge des Cellos von Thomas Maurer waren eine wunderbare Meditation hinein in den Sonntag. Da boten zwei ganz grosse Könner ein beeindruckendes Werk, dem die Gäste andächtig zuhörten.

Cantores Corde
Sie haben einmal mehr eine fantastische Leistung gezeigt, die Sängerinnen und Sänger. Die Liebe zur Musik, die Freude an herausfordernden Werken strahlte aus in den Kirchenraum. Für einmal traten verschiedene Chormitglieder auch als Solisten auf, meist mehrstimmig und immer aufeinander abgestimmt, also von der Empore in den Chorraum. Die wechselnde Besetzung der Stimmen und die räumliche Wirkung waren phänomenal. Reizvolle Stimmungswechsel von pompösen Momenten bis zum feinen, unter die Haut gehenden Piani faszinierten. Es schien so leicht, war jedoch höchst anspruchsvoll und forderte absolute Konzentration.

Orchester Corde
Das 40-köpfige Orchester mit Pauken, Trompeten, Zink, Violinen, Celli, Kontrabass, Flöten, Oboen und Orgel leistete Schwerarbeit. Wieviel Konzentration gefragt war, zeigten die beiden Geigerinnen in der ersten Reihe. Sie orientierten sich einerseits an den Noten, andererseits beim Dirigenten, stets war ihr Blick zusätzlich nach oben gerichtet zum Pendant – umgekehrt natürlich auch, wie Blicke auf die Empore zeigten – und das galt für alle.

Der tosende standing ovation - Applaus wollte kein Ende nehmen, die musikbegeisterten Gäste zollten damit allen Mitwirkenden die verdiente Anerkennung für eine hervorragende Leistung.