Die Verantwortlichen der Regio Wil und auch des Kantons St. Gallen dürfen grundsätzlich zufrieden sein. Der Bund hat zugesichert, in dieser Region zwischen 2019 bis 2023 ganze 37 Millionen Franken für den Ausbau der Infrastruktur zu investieren. Gesamthaft sind dort Investitionen von weit über 100 Millionen Franken geplant, womit sich der Bund mit 35 Prozent der Kosten beteiligt. Das meiste Geld wird für den neuen Wirtschaftsstandort Wil West verwendet. Im Gebiet zwischen Wil, Münchwilen und Sirnach ist die Ansiedlung von 1750 und 3000 Arbeitsplätze geplant. Das Trassee der Frauenfeld-Wil-Bahn soll verschoben und eine neuer Bahnhof der Schmalspurbahn in das Gebiet verlegt werden. Kernstück von Wil West ist ein neuer Autobahnanschluss.

Die Planungsarbeiten sind schon weit gediehen. Die Verantwortlichen der zuständigen Regio Wil weibeln in dieser Phase, um das Projekt in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. So auch am Montagabend, als Regio-Wil-Präsident Guido Grütter, zwei Ingenieure und der kantonale Bauchef Marc Mächler im Wiler Stadtsaal vor Wirtschaftsvertretern der Region das Projekt vorstellten. «Es geht darum, die Bevölkerung zu überzeugen. Denn am Ende müssen auch Abstimmungen gewonnen werden», sagte Grütter. Eine Hürde hat das Projekt vergangene Woche mit der Genehmigung des neuen Thurgauer Richtplans genommen. Das Projekt Wil West ist ein Teil davon, da es auf Thurgauer Boden errichtet werden soll.

Beim Bund interveniert
Einen Wehmutstropfen gibt es aber: Zwei wichtige Massnahmen wurden vom Bund bei der Prüfung nicht mit der höchsten Priorität bedacht und erhalten demnach bis ins Jahr 2023 keine Bundesgelder. Es handelt sich um die beiden Umfahrungsstrassen im nördlichen und östlichen Gebiet der Stadt. Vor allem die Netzergänzung Nord in Bronschhofen hätten die Macher das so genannten Agglomerationsprogramms dritter Generation nur allzu gerne in der Priorität A gesehen. Regierungsrat Marc Mächler sagt: «Die Netzergänzung Nord muss zusammen mit dem neuen Autobahnanschluss errichtet werden. Die beiden Massnahmen sind miteinander verknüpft.»

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Regierungsrat Marc Mächler hofft auf Bundesgelder für die Umfahrungsstrasse Nord in Bronschhofen.

Darum wurde man aktiv und deponierte in Bern: «Bund, du hast einen Fehler gemacht», um es in den Worten Mächlers zu formulieren. Ob für die Netzergänzung Nord noch Gelder freigegeben werden, ist aber höchst ungewiss. Kommt es nicht dazu, wird diese Massnahme im Aggloprogramm vierter Generation in den Folgejahren neu beurteilt. Weniger dringlich ist für die Regio Wil die Netzergänzung Ost. Seit bald 40 Jahren ist die Umfahrung Grünaustrasse geplant, wurde aber 2003 von den Wiler Stimmbürgern bei einer Abstimmung mit 57 Prozent Neinstimmen bachab geschickt. Gestorben ist das Projekt aber noch nicht und es fand Einzug ins Aggloprogramm. Auch diese Massnahme bekam vom Bund Priorität B.

Bagger fahren frühestens in fünf Jahren auf
Unabhängig der Situation der beiden Umfahrungsstrassen sieht das weitere Vorgehen wie folgt aus: Mitte nächstes Jahr wird die Freigabe der Bundesgelder erwartet. Bis 2022 läuft die Planungsphase für Wil West und die flankierenden Massnahmen weiter. Der Baubeginn des neuen Wirtschaftsstandorts soll im Jahr 2023 erfolgen.