Das Covid-19-Virus dominiert den Alltag und erschwert oder verunmöglicht aufgrund der Hygiene-, Abstands- und Verhaltensregeln in vielen Gemeinden in der Region die traditionellen 1.-August-Feierlichkeiten. Die Organisatoren sehen sich vor allem bei schlechtem Wetter ausser Stande, in Festzelten und Scheunen die Möglichkeit zur Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln zu garantieren.

Der Bundesfeiertag gedenkt des Bundesbriefs, abgeschlossen Anfang August 1291. Der Tag wurde erstmals am 1. August 1891 gefeiert und ab 1899 in der gesamten Schweiz jährlich wiederholt. Er ist in der Schweiz ein gesetzlicher Feiertag, aber bis 1993 war er je nach Kantonen entweder ein normaler Arbeitstag, ein halber oder ein ganzer öffentlicher Ruhetag. Der 1. August als Datum des Rütlischwurs ist jedoch historisch nicht belegt. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde der 1. August zum «Geburtstag» der Schweiz. Seit dem 1. Juli 1994 ist der Schweizer Nationalfeiertag gesamtschweizerisch ein arbeitsfreier Tag, nachdem das Schweizer Stimmvolk die Volksinitiative «für einen arbeitsfreien Bundesfeiertag am 26. September 1993 angenommen hatte.

Aufs Hörnli und im kleinen Kreis

Für viele lokale Politiker bedeutet dies ungewohnte Freuden, können sie Corona bedingt für einmal über diesen Schweizer Feiertag ebenfalls frei verfügen und diesen ganz nach ihrem persönlichen Gusto verbringen. Der Wegfall von offiziellen Verpflichtungen bietet neue Gestaltungsmöglichkeiten für diesen Ehrentag der Eidgenossenschaft. Findet die diesjährige Feier im kleinen Familienkreis statt? Wird ein Fest mit Freunden, Bekannten und Verwandten gefeiert? Oder gar ganz «inkognito» an einer der wenigen stattfindenden Bundesfeiern ausserhalb des eigenen Wohn- und Arbeitsortes verbracht? Wir haben im Hinterthurgau unseren Gemeinde-Vorstehern und regionalen Politikern auf den Zahn gefühlt und wollten wissen, wie sie den Nationaltag im Ausnahmejahr 2020 begehen und welche Unterschiede zu den vorangegangenen Jahren bestehen.

Brigitte Häberli-Koller, Ständerätin aus Bichelsee: Ich werde an der Bundesfeier in Eschlikon um 12 Uhr die Festansprache halten. Wegen der besonderen Umstände werden an der Feier auf dem Areal Bächelacker die Namen und Telefonnummern der Gäste erfasst und die Schutzmassnahmen des BAG umgesetzt. Den Abend kann ich dieses Jahr mit meiner Familie zuhause in unserem Garten und, wenn das Wetter mitspielt, auf dem Haselberg geniessen, wo man eine wunderschöne Aussicht auf unsere sanfte Hinterthurgauer Hügellandschaft und auf hoffentlich zahlreiche Augustfunken hat.

Hans Mäder, Gemeindepräsident Eschlikon: Der Festlichkeiten zum Nationalfeiertag der Schweiz sind in Eschlikon nicht abgesagt. Deshalb werde ich gegen Mittag der Rede unserer Thurgauer Ständerätin Brigitte Häbeli lauschen und anschliessend mit Freunden und Bekannten auf das Wohl der Schweiz anstossen. Bereits vorher, gegen 11 Uhr, darf ich zusammen mit den Bewohnern des Alters- und Pflegeheims den 1. August feiern und mit ihnen meine Gedanken zum Nationalfeiertag teilen. Vielleicht ist es meine letzte Feier als Gemeindepräsident von Eschlikon ist, falls ich in Wil zum Stadtpräsidenten gewählt werde.

Nadja Stricker, Gemeindepräsidentin Münchwilen: Ich werde mit meiner Familie und meinen Freunden am Abend im kleinen Kreis feiern. Allenfalls werde ich am 1. August noch eine Wanderung auf das Hörnli unternehmen. Ich habe mir für das Jahr 2020 vorgenommen, zehn Mal auf das Hörnli zu wandern und bin nun Mitte Jahr gerade mal bei zwei Mal angelangt. Die Bundesfeier, die am 31. Juli in Münchwilen hätte stattfinden sollen und abgesagt werden musste, wird fehlen. Dabei treffen sich jeweils die unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten zum gemütlichen Beisammensein. Jung und Alt begehen diesen Anlass, der mit einem vielfältigen Rahmenprogramm bereichert wird, gemeinsam. Ich freue mich aber schon auf die Bundesfeier im nächsten Jahr.

Rolf Bosshard, Gemeindepräsident Tobel-Tägerschen: Ich feiere an der Bundesfeier in unserer Gemeinde. Gemäss Corona Sicherheitskonzept etwas spezieller als die vergangenen Jahre.

Beat Weibel, Gemeindepräsident Bichelsee-Balterswil: Ich feiere wie in anderen Jahren im Kreis unserer Familie, aber ohne Feuerwerk. Die 1.-August-Feier am Mittag nicht in der Gemeinschaft der Bürger von Bichelsee-Balterswil zu feiern, ist schon speziell. Über Jahre war dies «Pflicht» und «Freude» zugleich. Schade, aber das wird sich schon wieder ändern.