Freitagvormittag auf dem Bahnhofplatz in Wil: Die Passagiere, die an den Bushaltestellen unterwegs sind, tragen eine Chirurgenmaske aus Papier oder zücken eine solche aus ihrer Tasche. Andere halten eine Stoffmaske mit Muster in der Hand während sie auf ihren Bus warten. Eine Dame rennt zur Treppe, die zur Bahnhofunterführung führt. Während sie läuft, zückt sie einen Schal aus der Tasche und bindet sich diesen über den unteren Teil des Gesichts. Ein Bus hält gerade an, aus ihm steigen ein Dutzend Fahrgäste. Alle haben eine Maske aufgesetzt. Dieser Augenschein vor Ort zeigt, dass die Menschen, die im ÖV unterwegs sind, sich diszipliniert an die vorgeschriebene Maskenpflicht halten.

Seit den Lockerungen aus dem wochenlangen Lockdown haben die Fallzahlen in Schweiz wieder zugenommen. Um dieser Tatsache entgegenzuwirken, hat der Bundesrat eben eine Maskenpflicht im gesamten öffentlichen Verkehr ausgesprochen. Und diese Pflicht gilt für den gesamten ÖV – egal, ob in Bussen, Zügen, Trams, Seilbahnen oder auf Schiffen. Dieser Bundesrats-Beschluss gilt unabhängig von der Anzahl Menschen, die im ÖV unterwegs sind. Wenn ein Zug oder Bus also halb leer ist, dann muss ebenfalls eine Maske getragen werden. Mund und Nase müssen also seit Montag im ÖV zugedeckt sein. Eine Ausnahme wird bei Kindern unter zwölf Jahren gemacht und Personen, die beispielsweise aus medizinischen Gründen keine Maske tragen können. Bei der Art der Maske gibt es klare Empfehlungen, die eingehalten werden sollten: Fahrgäste können auf die klassischen Hygienemasken, die man eben auch chirurgische Masken nennt, oder auf industriell hergestellte Textilmasken zurückgreifen. Selbstgenähte Masken werden dabei nicht empfohlen. Das gleiche gilt für Tücher und Schals: Mit diesen wird die Maskenpflicht alles andere als erfüllt – diese schützen nicht genügend vor einer Ansteckung.

Das sagen die ÖV-Fahrgäste in Wil

Bei einer Strassenumfrage will hallowil.ch nun von den Pendlern in Wil wissen, was sie von der Maskenpflicht in der Schweiz halten und wie sie sich in den letzten fünf Tagen an diese gewöhnt haben. Die Antworten bei der Umfrage fallen ziemlich unterschiedlich aus: Während die einen die Maskenpflicht komplett befürworten, sehen andere diese als sinnlos. Aber alle der Befragten setzen – egal, ob für oder dagegen – vorbildhaft ihre Maske auf. «Ich fühle mich mit der Maske sicher», sagt eine Dame, die am Gleis 3 auf ihren Zug wartet und deshalb keine Zeit hat, an der Umfrage teilzunehmen.

 
hallowil.ch-Strassenumfrage zum Thema «Maskenpflicht im ÖV». (Video Mykhailo Zinchenko)

Was passiert aber, wenn sich eine Person weigert, eine Maske zu tragen? Diese Personen müssen das Verkehrsmittel, das sie nutzen, an der nächsten Station verlassen. Geht eine Person nicht den Weisungen nach und bleibt im Fahrzeug sitzen, kann sie eine Busse bekommen. Nun stellt sich aber die Frage, warum die Maske plötzlich obligatorisch gilt? Schliesslich war das Bundesamt für Gesundheit (BAG) lange der Meinung, dass Masken gesunde Menschen im öffentlichen Raum nicht schützen. Hier geht es vor allem um den Schutz der anderen Menschen. Neuen Erkenntnissen zufolge kann eine Person, die sich mit dem Coronavirus infiziert hat, bereits zwei Tage vor den ersten Symptomen ansteckend sein. Sobald alle Menschen auf einem engen Raum eine Maske tragen, wird jede Person von den anderen geschützt. Die Maskenpflicht ist aber kein hundertprozentiger Schutz. Laut dem BAG wird die Ausbreitung des Virus damit nur bedeutend verlangsamt.