Begleitet von dem Uzwiler Lesepublikum dank mehrerer früherer Interviews mit interessanten Persönlichkeiten unterdessen bestens bekannten Journalisten und Kommunikationsprofi Urs Heinz Aerni stellte Medienmann und Journalist Röbi Koller unter anderem sein neues Buch UMWEGE vor. In einem offenen Gespräch entlockte Aerni dabei manche Anekdote aus Kollers reichem Leben. Nicht immer war allerdings ganz klar, wer jetzt „Chef“ auf der Bühne sei. Wenn zwei absolute Profis aufeinandertreffen, können sich die Grenzen eben schon etwas verwischen…Ansturm auf die Plätze
Schon früh war der Abend ausgebucht, denn das Platzangebot in der Bibliothek ist beschränkt. Eine längere Warteliste war die Folge. Erstaunlich viele Männer sassen schliesslich im Publikum, wenn auch Lesen oft eher als Frauensache angesehen wird, vor allem dann, wenn es um Biografien oder Roman-Literatur geht. Röbi Koller ist mit seinen TV-Sendungen KARUSSEL, QUER, auch dem CLUB oder Radiosendungen wie PERSÖNLICH oder andern Formaten sehr bekannt.

Und seit etlichen Jahren bringt er sein liebstes „Kind“, HAPPY DAY an fünf Samstagen pro Jahr auf den Bildschirm. In diesem Sendeformat beglückt er Menschen, die es im Leben nicht unbedingt leicht haben, und berührt mit deren Geschichten Tausende im Land. Deshalb überraschte es nicht, dass die Bibliothek beinahe aus allen Nähten platzte.

Warm Up?
Als erste Frage erkundigte sich Urs Heinz Aerni danach, ob Röbi Koller ein „Warm Up“ vor seiner Sendung brauche, eine Art emotionale Aufwärmung des Publikums. Dazu äusserte sich Röbi Koller eher vorsichtig. Die professionellen Einpeitscher für gute Laune scheinen ihm eher etwas zuwider zu sein. Er mag kleine Überraschungen am Anfang, möchte aber im Übrigen das Publikum entscheiden lassen, wann dieses etwas beklatschenswert findet. Hier zeigten sich bereits wichtige Charakterzüge des Profis: Bescheidenheit, kein Stargehabe, Bodenständigkeit und Anstand.

Wenig Gestaltungsmöglichkeiten
Aerni fragte den Autor erst einmal zu seinem Fernsehleben aus. Kollers Erfahrung: In vielen TV-Formaten gibt es wenig persönlichen Spielraum für spontane Ideen, alles ist vorgegeben: Kamerablick, Bewegungsmöglichkeiten, Möblierung, Ausstattung. Darum sei ihm auch das Format CLUB – früher „Zischtigs-Club“ - viel zu statisch vorgekommen. Ihm müsse es allerdings wohl sein, wenn er etwas mache. Und er brauche ein Gegenüber, mit dem ein echtes Gespräch möglich sei. Es gebe so viele spannende Menschen in der Schweiz, deshalb setze er auch auf „Swissness“, für ihn passe das so.

So hat er sich selbständig gemacht und arbeitet auf Mandatsbasis, ist quasi im freien Flug – sollte die Sendung abgesetzt werden, aus welchen Gründen auch immer, dann versiegt auch sein Honorar. Irgendwann warf Koller mitten in die Fragen von Aerni ein: „Wir reden dann aber schon auch noch übers Buch, gell?“, da der Moderator ganz viele persönliche Fragen ausserhalb der eigentlichen Lesung anbrachte. Das Publikum lachte…

Viele Umwege schon in der Jugend
Koller musste in seiner frühen Kindheit oft Wohnort und später damit auch die Schule wechseln, war erst im Welschland, dann wieder in der Deutschschweiz zuhause, immer wegen Arbeitsstellenwechseln oder Krankheiten des Vaters. Solche ständigen Abbrüche von Freundschaften und Orten können ein Kind möglicherweise wurzellos, auf der andern Seite aber auch speziell flexibel und kreativ werden lassen. Bei Röbi Koller ist die Offenheit für Andere, der Blick über den Tellerrand zu einem wichtigen Teil seines Lebens geworden.

Von seiner an den Folgen einer Kinderlähmung leidenden Mutter wurde ihm Optimismus und Lebenswillen vorgelebt, der auch in schwierigen Situationen standhielt. Seine Grossmutter bewies ebenfalls einmal Zivilcourage, als ihr geliebter Enkel von einer Coiffeuse als „Gwundernase“ betitelt wurde – sie schnitt diese Frau von da an wechselte schnurstracks in einen anderen Coiffeursalon. Solche Vorbilder prägen die Weltsicht eines jungen Menschen massgeblich.

Türkisches Umfeld
Vater Werner wuchs in Istanbul unter dem Regime einer äusserst strikten Grossmutter auf, was sich auf das ganze Leben des Vaters auswirkte. Diese Frau hiess Herta, was ganz gut passte, denn hart erschien sie auch, wenigstens nach aussen. Die Familie war reich, Dienstboten gab es für alles. Aber die Kinder hatten sich jederzeit regelkonform zu benehmen, Rebellion war nicht vorgesehen.

Taxifahrer Koller
Diesen Beruf fand Röbi Koller in jungen Jahren äusserst attraktiv und tat alles dafür, eine gültige Lizenz zu bekommen. Als Student chauffierte er in Zug, später auch in Zürich deshalb Leute herum, konnte Autofahren, musste aber selber keinen eigenen Wagen kaufen. So hatte er denn auch irgendwann die Idee, ein Buch über Taxifahrer in den unterschiedlichsten Ländern zu schreiben, kam damit aber nicht vom Fleck. Über Umwege sind solche Geschichten jetzt aber doch in seinen „Lebensroman“ eingeflossen. Sie passen sehr gut zwischen die einzelnen Kapitel, geben einen kleinen Einblick in ganz verschiedene Länder- und Städtebefindlichkeiten und lockern damit das Buch auf.

Zu kleinen Angstschreien verleitete die Beschreibung der auf bolivianische Verhältnisse umgerüsteten japanischen Autos. In Japan fährt man links, in Bolivien rechts. So befestigte man einfach das Steuerrad der importierten Toyotas auf der linken Seite, liess aber das Armaturenbrett samt Tacho am alten Ort. Irgendwann erfuhr Koller von einem Taxichauffeur in Santa Cruz, dass die Geschwindigkeitsmesser gar nicht angeschlossen worden seien, da es einfach zu viele Kabel habe. Andere Länder, andere Sitten…

Schawinski als Türöffner
In seiner Jugend war Röbi Koller, wie es sich gehört, ein Rebell mit langen Haaren und eher gewöhnungsbedürftiger Kleidung, was besonders seine Istanbuler Grossmutter nicht so toll fand. Hatte der junge Mann noch irgendwann nach einem Abstecher an die Uni ZH mit dem Lehrerberuf geliebäugelt, so vermiesten ihm dies aufsässige Pubertierende innert kürzester Zeit bei Aushilfsstellen. Dolmetscher vielleicht? Doch dann hörte er von Radio 24, welcher vom Piz Groppera in Oberitalien sendete und die hiesige Jugend begeisterte. Das Studio war allerdings entgegen landläufiger Meinung in einem Wohnblock in Como zu finden.

Es brauchte einige Anläufe, bis er sich beim Gründer Roger Schawinski persönlich vorstellen konnte. Doch dann wurde er einfach so ins kalte Wasser geworfen. Auf elf Seiten kann dies unter dem Titel AUF UMWEGEN ZUM TRAUMBERUF nachgelesen werden. Schawinski hat denn auch das Vorwort zum neuen "Kollerbuch" geschrieben, sehr wertschätzend und voll des Lobes für den „geschliffenen Diamanten“, wie er seinen „Zögling“ nennt. Er habe ihn schliesslich erfunden, hätte er einmal scherzhaft gemeint.

Grossvater als grosses Vorbild
Der Grossvater mütterlicherseits hiess Fridolin. Interessanterweise entstand Kollers Buch zum grossen Teil in Braunwald, wo manche Fahne mit dem Glarner Heiligen anzutreffen ist. Dieser Grossvater war sehr naturverbunden und einst gar Präsident der Vereinigung Schweizerischer Wanderwege, deren gelbe Wegschilder Wanderer zuverlässig auf den rechten Weg bringen. Zusammen mit den ehemaligen Mediengrössen Elisabeth Schnell und Werner Vetterli organisierte er jahrelang Radiowanderungen, bis die Benennung dieses Angebots zu einer Art Schimpfwort mutierte. Man spürte aus Röbi Kollers Worten eine grosse Zuneigung zu diesem Lehrer-Grossvater, der leider schon starb, als Koller gerade in die Schule kam.

Warum nicht in Deutschland?
Röbi Koller erzählte, dass er einmal einen Eingriff in Hannover habe machen lassen müssen. Da habe ihn der Arzt gefragt: „Und was machen Sie beruflich?“. Ja, Schweizer Fernsehstars wie Röbi Koller sind offensichtlich in Deutschland völlig unbekannt. Urs Heinz Aerni nahm diese Aussage sofort auf. Warum Koller eigentlich nie in Deutschland gearbeitet habe? Emil sei dort doch sehr gut aufgenommen worden, aber auch Marco Rima oder die aufstrebende Hazel Brugger. Röbi Koller besann sich ein wenig und meinte, es liege wohl an der Sprachbarriere, dem unterschiedlichen Verständnis, was lustig sei.

Und er merkte an, dass er sich gerne auf Augenhöhe mit dem Gegenüber messe, und das gehe für ihn in Dialekt am besten. Wie er gehört habe, karre man in Deutschland für tolle Quoten ganze Cars voller Leute aus Dänemark in ein deutsches Studio, die zwar nichts von der Sendung verständen, wohl aber klatschten, wenn sie dazu aufgefordert würden. Das sei definitiv nichts für ihn.

Besinnliche Töne
In Röbi Kollers Buch UMWEGE gibt es auch ganz tiefsinnige Abschnitte. „Die letzte Reise“ heisst das letzte Kapitel vor den Danksagungsworten. Darin macht er sich Gedanken über Menschen, die ihn – manchmal schon in jungem Alter – verlassen haben. Er beschreibt das jahrelange Leiden eines Freundes mit Multiple Sklerose oder den Schock, den ihm der Töffunfall eines lebenslustigen Freundes versetzte. Dazu überlegt er sich eine ganze Reihe von Fragen an seinen schon längst verstorbenen Grossvater Fridolin. Und er stellt fest, dass er wohl bis ans Ende katholisch bleiben werde, auch wenn er sich von der Kirche als Institution entfernt habe.

Dass Kollers katholische Mutter einen Reformierten heiraten wollte, hatte seinerzeit Grossvater Fridolin Stocker gar nicht ins Weltbild gepasst. Doch ein zu diesem schwierigen Problem konsultierter Kapuzinerpater stellte dazu die einzig richtige Frage überhaupt: „Lieben sie sich?“ „Ich glaube schon…“ „Ja, wo liegt denn da das Problem???“ Und so wurde der Weg frei für die Hochzeit der Eltern Koller-Stocker.

Unterhaltsames Gespräch
Man hätte den beiden Herren noch lange zuhören mögen, denn man merkte überhaupt nicht, wie die Zeit verging. Das muntere Pingpongspiel mit den hin und herfliegenden Fragen und Antworten zeigte die Qualitäten beider Medienprofis. Urs Heinz Aerni versuchte noch Unbekanntes aufzuspüren, hie und da kamen sich die Zwei sogar ins Gehege, weil jeder gleichzeitig etwas sagen wollte – doch schnell war die Hierarchie wieder hergestellt. Da war Koller wieder Herr über das Geschehen, liess sich aber doch gerne manche hübsche Anekdote entlocken, allerdings ohne Schenkelklopfhumor, sondern mit freundlicher, wohltuender Stimme.

Bibliothek bringt Menschen zusammen
Beim anschliessenden Bücherverkauf stürmten die Fans den Büchertisch und liessen sich das druckfrische Werk signieren. Vermutlich war Röbi Kollers Rollköfferchen auf dem Rückweg an seinen Wohnort danach völlig leer. Manche fragten nach einem Selfie mit Röbi Koller oder gar beiden Männern – beide liessen alles mit viel Humor und wertschätzenden Kommentaren geduldig über sich ergehen. Ein Ehepaar war gar dabei, welches bei HAPPY DAY schon einmal überrascht worden war.

Auch der Apéro fand wie immer Anklang. Das ganze Bibliotheksteam mit allen fünf Frauen war im Einsatz. Bald hallte die Bibliothek wider vom Geräuschpegel all der Frauen und Männer, die sich vom Abend hatten begeistern lassen. Solche Unterhaltung lassen sich viele gerne gefallen, und mit einem gekauften Buch kann das Gehörte gar noch vertieft werden.


Nächster Anlass

Am Freitag, 10. November 2017, um 19:30 Uhr wird Ursula Reuter aus Jonschwil im Rahmen der Schweizer Erzählnacht alte Volksmärchen erzählen. Umrahmt wird der Anlass von Patricia Meier auf der Harfe. Frühzeitige Anmeldung wird empfohlen.

Bibliothek Uzwil

Was nicht oder kaum zur Sprache kam...

Die frühere Bethlehem Mission Immensee ist zusammen mit Inter-Agire in COMUNDO umbenannt worden und als Verein organisiert. Röbi Koller ist für Comundo seit einem Jahrzehnt als Botschafter tätig.

Comundo-Botschafter Röbi Koller

Filme und Interviews zu COMUNDO

Happy Day im Schweizer Fernsehen

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Buch UMWEGE