Bereits im Jahre 1852 erklärte der Kanton Basel-Stadt - als Vorreiter in der Schweiz - das Schulturnen zum obligatorischen Schulfach. Unterstützt und mitfinanziert wurde es durch das Eidgenössische Militärdepartement. Ziel war die körperliche Ertüchtigung der Jugend. Für die männliche Jugend vom 7. bis zum 20. Altersjahr war ein einheitliches Lehrmittel verbindlich. 3 Turnlektionen wöchentlich wurden angestrebt. Nach der obligatorischen Schulzeit bereitete der freiwillige militärische Vorunterricht die jungen Männer körperlich auf die Rekrutenschule vor.

Die Lehrpersonen holten sich das turnerische Wissen und die Praxis in den regionalen Lehrerturnvereinen.

So wurde im Jahre 1922 der Lehrerturnverein Wil und Umgebung von 18 Mitgliedern gegründet. Ziel war die Verantwortung und Ernsthaftigkeit für einen guten Turnunterricht. Die Lehrpersonen übten sich an den schulfreien Samstag-Nachmittagen in den Disziplinen Freiübungen, Schreitstil- und Appelübungen, Geräteturnen und die Bewegung im Gelände. Eislauf- und Schwimmlektionen ergänzten das Programm. Das Lieblingsspiel der Wiler Lehrer war anfangs Faustball und durfte nach keiner Lektion fehlen.

Gleichzeitig etablierte sich - initiiert vom Kloster St. Katharina - der Lehrerinnenturnverein Klosterweg, der sich vor allem dem Mädchenturnen widmete.

Die Schulbehörden sorgten für die Infrastruktur wie Turnhallen, Aussensportanlagen und andere Sportstätten. Während vieler Jahrzehnte boten kompetente Turnleiter den Lehrpersonen praxisgerechte Lektionen für das Schulturnen und verschiedenste Ballspielarten an. Neben Leichtathletik und Geräteturnen übte man sich in modernen Sportarten wie Fussball, verschiedenen Ballspielen, Tischtennis, Skifahren, Eislaufen, Jazzgymnastik, Velofahren, Minivolleyball und Orientierungslaufen.

Die Chronik des LTV zeigt über die 100 Jahre ein Auf und Ab bei den Mitgliederzahlen. Die hervorragenden Lektionsreihen für das Schulturnen und das Volleyballspiel lockten immer wieder neue Teilnehmende in den Verein. Kantonale LehrerInnenspieltage, Turnfahrten, Velotouren, Frühlings-Skiwochen und OL-Veranstaltungen wurden häufig besucht.

Die gute turnerische Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule und die individuellen Vorlieben und Bedürfnisse der Lehrpersonen einerseits und das Älterwerden der Mitglieder andererseits machten es dem Verein aber schwer zu überleben.

So wird der Lehrerinnen- und Lehrerturnverein Wil nach 100- jährigem Bestehen auf den Sommer 2022 hin aufgelöst.

Ein schönes Detail zum Schluss: Ein kleines Team, hervorgegangen aus dem LTV, organisiert nach den Sommerferien wöchentlich eine Plauschsport-Stunde für Ukrainerinnen und Ukrainer. Jeden Dienstag von 18:45 bis 20 Uhr in der Lindenhofturnhalle 4.