Bald ist das letzte Schuljahr für die dritten Klassen der Oberstufe vorbei. Doch die Schule will dieses nicht einfach so langsam ausklingen lassen, sondern verlangt nochmals eine spezielle Anstrengung von den Jugendlichen, dies mittels einer Projektarbeit mit klaren Vorgaben zu Zielformulierung, Planung und Protokollierung. Diese zur vorgeschriebenen Zeit in der richtigen Form abzugeben verlangt doch einiges von den Jugendlichen. Je nach Thema sassen bei der Präsentation in den Schulzimmern nebst interessierten Eltern oder Grosseltern einmal mehr Buben, ein andermal mehr Mädchen, um die Kollegin oder den Kollegen moralisch zu unterstützen – oder vielleicht da und dort auch zu verunsichern… Qual der Wahl
Eine erste grosse Hürde für eine über mehrere Monate dauernde Projektarbeit ist sicher immer die Themenfindung. Die Qual der Wahl wurde denn auch von vielen Schülerinnen und Schülern erwähnt. Schliesslich gibt es unzählige Themen, die in dieser Phase der persönlichen Entwicklung interessieren könnten. Am besten ist es, wenn man einen Bezug zum Thema hat, sich dafür begeistern kann und zudem ein persönlicher Nutzen winkt. Die Qual der Wahl hatten aber auch Interessierte, die gerne möglichst viele Präsentationen besuchten wollten. Im Kasten unten kann die ganze Fülle der Themen nachgelesen werden.

Vielfalt an Themen
Verschiedene handwerkliche Projekte wurden vorgestellt, so beispielsweise Schreinerarbeiten, aber auch Skulpturen oder Töpferarbeiten. Auch der Umgang mit dem „Töffli“ scheint weiterhin im Trend zu sein. So hat ein Jugendlicher ein 30-jähriges Töffli restauriert, ein anderer gar ein Mini-BMX von Grund auf hergestellt -, erstaunlich, dass darauf auch ein grossgewachsener Typ herumfahren konnte, allerdings erst nach einigen Anläufen - ein dritter hat ein Sachs-Gefährt restauriert. Die herausgeputzten Maschinen machten denn auch vor den Zimmern richtig Eindruck.

Sportliche Themen waren allgegenwärtig, so Fussballtricks gleich zwei Mal, aber auch Inline-Skating oder Eishockey – diese beiden mit dem Anspruch, ein Tutorial anzubieten, eine Art Einführung in die Sportarten. Gesundheitliche Themen wurden ebenfalls behandelt, genauso der richtige Umgang mit Tieren – kurz: ein riesiger Ideenpool mit vielen neuen Erkenntnissen für die Projektverfasserinnen und –verfasser.

Kochen
Unter den Jungen scheint Kochen schwer im Trend zu sein. Da wurden beispielsweise die liebsten Familienrezepte vorgestellt, ein Jugendlicher hatte gar selber Salami hergestellt. Zwei Mädchen stellten selbst erarbeitete Kochbücher für Torten oder Cup-Cakes vor. Den Vogel abgeschossen hat jedoch ein Schüler der 3. Sek., der gleich für seine ganze Klasse samt Lehrpersonen ein typisch-bayerisches Menü kochte – mit tätiger Mithilfe von zwei Kollegen -, und zwar fast alles von Grund auf „handgemacht“. Er erzählte anschaulich und mit äusserst trockenem Humor, was er alles vorkehren musste, um zu einem stimmigen Resultat zu kommen. Ob allerdings die bayerischen Semmeln tatsächlich so viel hochwertiger und besser sind als die hiesigen, wie er keck behauptete? Und gelingt eine bayerische Biersauce auch mit alkoholfreiem Gerstensaft?

Motivation
Viele Jugendliche haben gemerkt, dass „Feuer und Flamme“ für ein Thema ein grosser Vorteil ist. Man ist doch lange an der Arbeit, da muss es auch Freude machen, sich mit einer Sache zu befassen und dabei nicht die Lust am Tun zu verlieren. Hie und da hörte man, die Motivation sei nicht immer gleich hoch gewesen, ja habe teilweise wieder gesucht werden müssen. Doch Durchbeissen gehört dazu, ist ja gerade ein äusserst gefragter Wert in einer späteren Ausbildung.

Zeitmanagement als Stolperstein
Auch wenn die Themen von Jahr zu Jahr ändern mögen, so war das Zeitmanagement auch diesmal für viele Schülerinnen und Schüler eine grosse Hürde. Und nicht wenige der Präsentierenden gaben zu, den Aufwand überschätzt, zu spät angefangen oder zu lange getrödelt zu haben. Im späteren Berufsleben sind Planung und Zeiteinteilung wichtige Faktoren, welche für einen gelingenden Lehr- oder Studienabschluss unerlässlich sind. Der Volksmund sagt nicht ohne Grund: „Durch Schaden wird man klug“.

Typisch Bub, typisch Mädchen…
Bei den verschiedenen Präsentationen fiel auf, dass bei gewissen Themen kaum Jugendliche des andern Geschlechts im Publikum sassen. Das Musikverhalten heutiger Jugend scheint beispielsweise vor allem Mädchen zu interessieren. Dazu hatte eine Jugendliche einen aufwendigen Fragebogen zusammengestellt, diesen danach ausgewertet und grafisch dargestellt. Gleich zwei Mal wurde auch ein selbstkomponiertes Lied vorgestellt. Bei den handwerklichen Präsentationen interessierten sich andrerseits oft ganze Bubentrauben für die Arbeit des Kollegen. Es ist halt doch nicht nur ein Klischee, dass sich Buben und Mädchen nicht unbedingt für die gleichen Dinge interessieren…

Information
Im modernen schulischen Alltag geht – wie auch im Berufsleben - kaum mehr etwas ohne Internet, wenn man eine Arbeit schreiben muss. Recherchieren gehört zu den Grundvoraussetzungen für eine spannende Projektarbeit. Wikipedia, aber auch andere Plattformen liefern Hintergrundinformationen, die aber erst verstanden werden müssen und nicht Eins-zu-Eins übernommen werden können. Dies verlangt eine gute Lesefertigkeit und ein umfassendes Leseverständnis.

Besonders viel lesen musste jener junge Mann, welcher „Amerikas illegale Kriege“ thematisiert hatte und dies auf ganz spezielle Art vorstellte, nämlich in Umkehrung der Tatsachen mit unzähligen amerikanischen Opfern. Er wollte damit seine Kolleginnen und Kollegen zum Denken anregen. Ein Mädchen aus der Realschulstufe hatte sich ihrerseits ins wichtige Gebiet der Gleichberechtigung von Frauen im Kanton St.Gallen eingearbeitet.

Informatik-Kenntnisse
Heute werden Arbeiten auf dem PC geschrieben, ein Inhaltsverzeichnis gehört dazu, Umfang und Schriftgrösse sind vorgegeben. Der Umgang mit Bildern, die in die Texte eingefügt werden sollen, verlangt auch eine Ahnung vom Umgang mit Grafiken. Auch wenn auf jedem Rechner ein Rechtschreib-Korrekturprogramm vorhanden ist, braucht es zusätzlich gute Orthografiekenntnisse, damit eine Arbeit leicht lesbar wird.

Gerade für Jugendliche mit Legasthenie kann ein Rechtschreibprogramm sehr hilfreich sein. Bei gedruckten Texten findet man Rechtschreibefehler schliesslich etwas leichter heraus als aus einem handgeschriebenen, nicht immer gut leserlichen Manuskript.

Bei Einzelnen kam zum ersten Mal an einer solchen Präsentation die interaktive Wandtafel zum Zug und half mit, das gewählte Thema zu veranschaulichen. Eine solche Projektarbeit verlangt nach umfassenden Fertigkeiten und regt zum Weiterdenken und Nachforschen an, ist nachhaltig. Auch die Selbstkompetenz wird hier herausgefordert.

Unterstützung
Die Lehrkräfte boten Unterstützung, sofern diese gewünscht wurde. Ihre Hauptaufgabe bestand jedoch eher im Bereich „Antreiben zum Vorwärtsmachen“, da nicht allen klar war, wie schnell der Abgabetermin herannahen würde. Vielerorts waren auch die Eltern einbezogen, sei es auch nur als moralische Stütze, wenn die Motivation in den Keller zu stürzen drohte oder auch – wie etwa beim kochenden Halbbayer – bei der stimmungsvollen Dekoration. Auch auf Kollegen konnte gezählt werden, was im Hinblick auf die heute gefragte Teamarbeit sicher ein grosser Vorteil für den Einstieg ins Berufsleben ist.


Auf der Homepage der Oberstufe können alle Projektthemen nachgelesen werden. Die Auswahl an Möglichkeiten ist unerschöpflich. Auch sonst lohnt es sich, sich auf der Homepage umzuschauen

Alle Themen der Projektarbeiten