Bei der Erläuterung der Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2018 durch die Kantonspolizei St. Gallen zeigte sich für die Region Wil – die Gemeinden zwischen Flawil und Wil und im unteren Toggenburg – ein verhältnismässig günstiges Bild. Auch wenn jeder Unfall und vor allem jeder Verkehrstote einer zu viel ist, wie an der Information immer wieder betont worden ist. Die Autobahn – von der A1 durchquert ein beachtliches Teilstück die Region – schneidet über Erwarten gut ab. Bei Unfällen auf den Autobahnen gab es 2018 keine Toten. Ein Todesopfer war bei einem Unfall in Oberbüren zu beklagen. Im August wurde bei Sonnental abends um 23 Uhr ein 74-jähriger E-Bike-Fahrer auf der Strasse gefunden. Er verstarb noch auf der Unfallstelle.

Unfallzahl leicht angestiegen

Im ganzen Kantonsgebiet sind von der Polizei im letzten Jahr 2804 Unfälle aufgenommen worden. Im Vorjahr waren es 2782. Mit zwölf Todesopfern lag deren Zahl um zwei höher als 2017. Die Zahl der Verletzten ist von 1088 auf 1205 angestiegen. Auf einige Fahrzeugtypen und Unfallorte bezogen, zeigt sich folgendes Bild: E-Bikes: 68 Unfälle (Vorjahr 72), Velos: 194 (172), Motorräder: 193 (181), Fussgängerstreifen 76 (79), Schulweg 32 (32).

Die Unfallzahlen in den drei grössten Gemeinden der Region: Wil verzeichnete 56 Unfälle mit Sachschaden und 42 Unfälle mit Personenschaden. Die entsprechende Zahl für Uzwil sind 31 Unfälle mit Sachschaden und 19 mit Personenschaden. In Flawil gab es 17 mal Sachschaden und 10 mal Personenschaden. Grosse Zahlen weisen auch Kirchberg  (26 und 24) und Oberbüren (57 und 20) auf.

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Bruno Zanga, Kommandant der Kantonspolizei St. Gallen: «Beim immer noch ansteigenden Fahrzeugbestand ist es wohl schwierig, die Unfallzahlen noch weiter zu senken.»


Vorbeugende Massnahmen greifen

Die Statistik der Vekehrstoten im Kanton St. Gallen zeigt einen traurigen Höhepunkt mit über 120 Opfern im Jahr 1970. Diese Zahl ist in rund einem halben Jahrhundert drastisch zurückgegangen. Und dies, obwohl anfänglich rund 90'000 Fahrzeuge verkehrten und deren Zahl jährlich um etwa 4'000 zugenommen hat. Bruno Zanga, Kommandant der Kantonspolizei, führte als einen Grund die Einführung des Gurtenobligatoriums an. Weiter hätten sich die Herabsetzung der Promillegrenze beim Alkohol, Geschwindkeitsbeschränkungen, das Helmobligatorum für Töfffahrer und die Einführung des Rasertatbestandes positiv ausgewirkt. Mitgeholfen habe aber zweifellos auch die laufend verbesserte Sicherheitstechnik in den Fahrzeugen.

Unsicherheitsfaktor Mensch

Als grössten Unsicherheitsfaktor im Strassenverkehr bezeichnete Zanga den Menschen. In menschlichem Fehlverhalten seien weit mehr Unfälle begründet als im Fahrzeugzustand oder in der Strasseninfrastruktur. An der Spitze der Unfallursachen liegt mit 556 (509) Fällen wiederum die Missachtung des Vortritts, gefolgt von unangepasster Geschwindigkeit 375 (449) und Alkoholkonsum 253 (207). Ablenkung figuriere mit 221 Fällen nicht mehr unter den Top3.

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Philipp Sennhauser, Leiter der Verkehrspolizei: «Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden, ist auf Strassen innerorts am grössten.»


Gefährlicher Innerortsverkehr

Philipp Sennhauser, Leiter der Verkehrspolizei, zeigte auf, dass das grösste Unfallrisiko nicht, wie oft angenommen, auf der Autobahn, sondern auf Haupt- und Nebenstrassen innerorts liege. Auffahrunfälle passierten zum Beispiel viel häufiger in den Agglomerationen als bei hohen Geschwindigkeiten auf den Autobahnen. Die Verteilung der Unfälle auf die Tageszeit zeige drei Spitzen: Morgen-, Mittag- und Abendverkehr. Unter den Wochentagen zeige der Freitag Spitzenwerte. Am Wochenende gebe es etwas weniger Unfälle.

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Werner Lendenmann, Leiter Verkehrstechnik: «Kinderunfälle belasten Betroffene und Beteiligte aussergewöhnlich schwer.»


Kinder auf dem Schulweg

Ein besonderes Kapitel ist in der Unfallstatistik der Schulwegsicherheit gewidmet. Werner Lendenmann, Leiter der Verkehrstechnik, betonte, wie ausserordentlich belastend Kinderunfälle für Eltern, Unfallverursacher und die Polizei seien. Bei 130 Unfällen waren im letzten Jahr 138 Kinder betroffen, 14 wurden schwer, 106 leicht verletzt. In Mitleidenschaft gezogen waren vor allem 12 bis 14-Jährige. Während die Kleinen Verkehrssituationen noch nicht einschätzen könnten, fühlten sich die Grösseren offensichtlich (zu) sicher. Die Polizei bemüht sich um eine stufengerechte Verkehrserziehung, welche in der Berufsschule auch den Drogenkonsum und die Raserproblematik mit einbezieht.