Ihre Berufsorganisationen sind den Bauern wichtig. In grosser Zahl fanden sie sich zur Hauptversammlung der landwirtschaftlichen Vereinigung im Rössli in Henau ein. Präsident Christof Signer aus Niederbüren kündigte vor der Abwicklung der Traktanden Thomas Frey als Referenten zum brisanten Thema Unfallverhütung an.

Gurtenpflicht auf Traktoren

Der Referent gab einleitend einen Überblick über Änderungen im Strassenverkehrsgesetz, welche für die Landwirtschaft von Bedeutung sind. Bei Traktoren, die ab letztem Jahr in Verkehr gesetzt worden sind, besteht auf öffentlichen Strassen Gurtentragpflicht. Thomas Frey riet den Bauern, die Gurten auch auf dem Feld zu schliessen, weil dort mehr Unfälle als auf den Strassen passierten. Bei vielen Neuanschaffungen im Maschinenpark sind die Anforderungen erhöht worden. Deshalb sei es ratsam, sich bei den Händlern genau darüber zu erkundigen.

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Die am Thema Unfallverhütung interessierten Landwirte füllten den Rössli-Saal in Henau.


Zu grosse Sorglosigkeit

«Bei uns ist noch nie etwas passiert», habe der Kapitän der Titanic festgestellt. Das Schiff ist vor über 100 Jahren auf einen Eisberg aufgelaufen und gesunken. Zu grosse Sorglosigkeit führe auch in der Landwirtschaft zu Unfällen. In der Öffentlichkeit registriert würden vor allem die tödlichen Unfälle. Im letzten Jahr waren dies 46, rund zehn mehr als im Zehnjahresdurchschnitt. Viel grösser aber sei die Zahl der Unfälle mit Verletzten. Unfälle hätten gesundheitliche, finanzielle und gesetzliche Folgen, Unfälle von Angestellten oder Lehrlingen auch ethisch-moralische. Übers Ganze gerechnet koste jeder Unfall zwischen 6000 und 12'000 Franken. Zu den rund 4000 Franken direkten Kosten kämen indirekte Kosten (Ertragsausfall, Materialschäden usw.). Lehren könnten aber auch aus Beinahe-Ereignissen gezogen werden.

Der Mensch ist Hauptursache

80 Prozent der Unfälle seien auf den Faktor Mensch zurückzuführen, führte Thomas Frey aus. Bei 20 Prozent liege die Ursache in technischen Mängeln. Die Prävention müsse aber bei den technischen Mängeln ansetzen. Der Mensch ändere sein Verhalten höchstens unter grossem Leidensdruck oder wenn er sich einen grossen persönlichen Vorteil verspreche.

Der Referent riet den Bauern, die Winterzeit für die Prävention zu nutzen. Als erstes gehe es darum, die Risiken zu erkennen. Empfehlenswert sei, eine aussenstehende Person beizuziehen, um Betriebsblindheit zu vermeiden. Nach der Beurteilung der Risiken müssten Massnahmen geplant und umgesetzt werden. Angestellte seien darüber zu informieren, zu instruieren und zu dokumentieren.


Ordnung ist das A und O

Schliesslich gab der Referent praktische einfache Tipps, so zum Beispiel: «Schaffen Sie eine zweckmässige Ordnung.» Das sagt sich leichter, als es in der Praxis durchgeführt wird. Der Beweis dafür: Stolperunfälle sind die häufigsten Unfälle. Mit korrekt ausgerüsteten und gesicherten Maschinen zu arbeiten, ist ein weiterer Ratschlag. Mögliche Absturzstellen müssten gesichert, Leitern sorgfältig angestellt und nötigenfalls befestigt werden. Wo dies erforderlich sei, dürfe die persönliche Schutzausrüstung nicht fehlen. Feuerlöscher ohne regelmässige Wartung seien nutzlos. Die Küche sei der falsche Aufbewahrungsort für die Notfallbox. Ratsam sei auch, von Zeit zu Zeit einen Auffrischungskurs in Nothilfe zu besuchen.

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Am Vorstandstisch: Daniel Wick, Aktuar, Thomas Hollenstein, Beisitzer, Christof Signer, Präsident, Christof Eisenring, Kassier, und Bruno Wagner, Vizepräsident.


Zu teure Landwirtschaft?

Dass Avenir Suisse die Landwirtschaft als zu teuer kritisiert, ist Präsident Christof Signer ein Dorn im Auge. Er erinnerte an den schönen Sommer 2018 und zeigte dessen Schattenseiten für die Landwirtschaft auf. Futtermangel, versiegende Quellen, sinkende Schlachtviehpreise und steigende Raufutterpreise hätten den Bauern zu schaffen gemacht.