ITHIR befasst sich mit dem Universum, der Unendlichkeit, dem Lebenszyklus. Wie sind Sie auf die Idee gekommen? Stand diese schon länger im Raum?

Das zyklische Leben interessiert mich schon seit längerem. Je mehr ich mich mit diesem Thema befasst habe, desto stärker hat es mich in den Bann gezogen. Überall finden sich Lebenszyklen; kleine wie in einem Ameisenbau und schier unendlich lange wie beispielsweise die Umlaufbahnen der Planeten. Auch die Geschichte jedes einzelnen Menschen ist Teil der Natur, ist Teil des Ganzen, eingebettet in den grossen Lebenszyklus.

Wie schwierig war die Umsetzung?

Ganz einfach haben wir es uns tatsächlich nicht gemacht. Nach der Tonne Sand von der letzten Produktion kommt nun die Tonerde; mal triefend nass, mal hart wie Stein. Das Performen mit Tonerde bringt einige Tücken mit sich. Der Lehm ist im nassen Zustand beispielsweise sehr rutschig – das Putzen nimmt einige Zeit in Anspruch. Und trotzdem bin ich nach wie vor verliebt in dieses Material. Das Arbeiten mit Tonerde bringt mich jeden Tag ein Stück näher zur Natur, ein Stück näher zu mir.

Sie sprechen es bereits an: Die Tonerde nimmt dabei einen wesentlichen Bestandteil ein. Weshalb gerade Tonerde?

Die Tonerde symbolisiert für mich die Erde, auf der wir leben. Die Lebensgrundlage von uns allen. Auf, in und um unsere Erde gibt es unendliche viele Zyklen und ich/wir sind ein Teil darin.

Welche Einstellung haben Sie persönlich zum Lebenszyklus, zur Vergänglichkeit?

Zum Zyklus gehört auch die Vergänglichkeit, welche meiner Meinung nach in unserer Gesellschaft zu sehr tabuisiert wird. Nach dem Winter kommt der Frühling, nach einem Brand spriessen neue Pflanzen. Ein stetiges Kommen und Gehen, im ganz Kleinen wie im Unendlichen.

Welche Botschaft wollen Sie den Zuschauern mit auf den Weg geben?

Unsere Zivilisation hat sich in vielen Bereichen von der Natur entfernt. Dennoch gehört der ewige Rhythmus von Werden und Vergehen in unser Leben. Das Stück ITHIR will die Lebenszyklen zurück in unser Bewusstsein bringen.

Die Premiere steht kurz bevor. Wie geht es Ihnen jeweils in solchen Momenten?

Die Zeit vor der Premiere ist sehr intensiv und gefühlsreich. Momentan gibt es bei mir nur einen Zyklus: vom Bett, in den Proberaum, zum Mail-Postfach und wieder ins Bett (lacht).

Hinken Sie dem Zeitplan hinterher oder ist bereits alles unter Dach und Fach?

Natürlich haben wir alle Hände voll zu tun. Neben den Arbeiten für das Stück ITHIT entsteht ja noch ein Tonerde Festival. Da gibt es einiges zu organisieren und zu managen. Die Woche könnte gut und gerne acht Tage haben. Aber am Schluss schafft man es immer. Ich habe auch ein wahnsinnig tolles Team – ohne würde ich es gar nicht schaffen. Wenn an der Premiere alles steht und das Publikum glücklich ist, ist das das Schönste überhaupt für mich.

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