Die Herbstwanderung des Verkehrsvereins Fischingen gab knapp 20 Wanderern Gelegenheit, das Tannzapfenland hautnah zu erleben.Wegen dem Auftritt des Thurgaus als Gastkanton an der Olma, wurde die traditionelle Herbstwanderung des Verkehrsvereins Fischingen um fast einen Monat vorgezogen. «Keine schlechte Idee», fanden ein paar der fast 20 Wanderfreudigen, die sich am Samstagmorgen bei herrlichstem Sonnenschein in Oberwangen einfanden. Viele kannten sich, weil sie jedes Jahr dabei sind, andere wollten mal schauen, wie es sich mit einer Gruppe wandert und zwei Frauen vom Bodensee hatten die Anzeige in der Zeitung gesehen und nutzten die Gelegenheit, unter der kundigen Führung des Präsidenten des Verkehrsvereins Werner Ibig, einen kleinen Teil des herbstlich, gefärbten Hinterthurgaues kennen zu lernen. Die Region zeigte sich an diesem Herbsttag von ihrer farbenfrohesten Seite und mit lieblichen Temperaturen, die es gestattet hätten, die Regenjacke getrost zu Hause zu lassen.

Doppelter Holzpreis und gierige Äbt
Nach der Aumühle passierte man den saftig grünen Hang des Skilifts Oberwangen, nahm den einzigen Aufstieg durchs Bründeltobel in Angriff, und die Wanderer nahmen die Gelegenheit zum Durchatmen gerne an, um den spannenden Ausführungen Werner Ibigs über die Entstehung der Wälder in diesem Gebiet zu lauschen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts seien die Bauernbetriebe klein gewesen. Man hatte ein paar Geissen, ein paar Rinder, vielleicht eine Kuh. Daneben waren die Bauersleute mit Sticken und Weben von Textilien beschäftigt. Die Tiere bewegten sich frei, frassen die jungen Büsche und Pflanzen, Wald gab es wenig. Und wenn die Büsche doch verwalteten, stellte der Abt den Anspruch auf jeden Stamm, der mehr als zwölf Zentimeter Durchmesser hatte. Mit der Schliessung der Klöster und der Industrialisierung wurde Bauholz rar, deshalb begann die Aufforstung, insbesondere von Fichten. Erst vor 30 bis 40 Jahren begannen die Waldeigentümer auch andere Arten zu pflanzen, um einen vielfältigeren, gesünderen und natürlicheren Wald zu erhalten. Der Holzpreis war damals doppelt so hoch wie heute, und der Stundenlohn betrug einen Bruchteil des heutigen Ansatzes.
Später passierte man Unterschönau und als die Sicht auf den Weiler Oberschönau fiel, sagte eine mitwandernde Dame verdutzt: «Oberschönau ist noch schöner als oberschön.» Nach zweieinhalb Stunden Marsch erreichte man das Klinikdorf Littenheid. Durch das Littenheider Tal, wo der unterirdische Bach früher das gesamte südliche Schmelzwasser des Bodensee- und des Thurgletschers via Bichelsee dem Tösstal zuführte, konnte man sich kaum sattsehen an den diffusen Herbstfarben rundum. Geblieben sind Feuchtgebiete und vielfältige Strukturen, welche heute unter Schutz stehen. Und bald schon passierte man das wachsende Gewerbegebiet vor Oberwangen, wo man sich gegenseitig versprach, auch beim nächsten Anlass des Vereins wieder dabei zu sein.